Megalopoli – In der früheren Braunkohleregion auf dem Peloponnes soll eine neue wirtschaftliche Grundlage entstehen. Griechenlands Regierung hat eine Vereinbarung für eine Justizvollzugsanstalt im Wert von 40 Millionen Euro unterzeichnet und einen Industriepark angekündigt. Daneben steht eine geplante Hydroponik-Investition von mehr als 130 Millionen Euro im Mittelpunkt der Vorhaben.
Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis stellte die Projekte in Megalopoli als Teil des Strukturwandels nach dem Rückzug aus der Braunkohleverstromung vor. Arbeitsplätze, neue Produktionsbetriebe und öffentliche Infrastruktur sollen die regionale Wirtschaft künftig breiter aufstellen. Dabei sind die einzelnen Vorhaben unterschiedlich weit fortgeschritten: Für das Gefängnis liegt eine Programmvereinbarung vor, während bei den anderen Investitionen noch wichtige Schritte ausstehen.
40 Millionen Euro für ein neues Gefängnis
Die geplante Justizvollzugsanstalt soll auf einem 124 Stremmata großen Gelände, entsprechend 12,4 Hektar, innerhalb des vom Braunkohleausstieg betroffenen Gebiets entstehen. Die Finanzierung von 40 Millionen Euro erfolgt über das Sonderprogramm für einen gerechten Entwicklungsübergang 2021 bis 2027. Vorgesehen sind bis zu 600 Haftplätze mit unterschiedlichen Sicherheitsstufen.
Das Konzept verbindet eine allgemeine Haftanstalt mit Bereichen für handwerkliche und landwirtschaftliche Tätigkeiten sowie weiteren speziellen Vollzugsformen. Arbeit, Ausbildung und produktive Beschäftigung sollen die spätere Wiedereingliederung der Gefangenen unterstützen. Geplant sind Hafttrakte, Produktionsräume, Besuchsbereiche und ein medizinischer Versorgungsbereich. Hinzu kommen Räume für psychologische Betreuung, Unterricht und berufliche Qualifizierung, eine Bibliothek, ein Computerraum, Verwaltungsgebäude, eine Küche, ein Gebetsraum und Sportanlagen.
Mitsotakis begründete das Vorhaben sowohl mit der Überbelegung bestehender Gefängnisse als auch mit den erwarteten wirtschaftlichen Impulsen während Bau und Betrieb. Nach seiner Einschätzung könnte die Anlage innerhalb von drei Jahren fertiggestellt werden. Das ist eine Prognose, kein bereits festgelegter Eröffnungstermin: Auf die unterzeichnete Programmvereinbarung folgen zunächst die weitere Projektplanung und die Ausschreibungen.
Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von Nikos Papathanasis, stellvertretender Minister für nationale Wirtschaft und Finanzen, Giannis Lampropoulos, Staatssekretär im Ministerium für Bürgerschutz, Panos Stamboulidis, stellvertretender Geschäftsführer des Nationalen Entwicklungsfonds, und Thanasis Giannaris, Geschäftsführer der Gesellschaft Ktiriakes Ypodomes A.E.
Industriepark soll neue Betriebe nach Megalopoli bringen
Ein zweiter Schwerpunkt ist ein neuer Industriepark, in dem sich Produktions- und Verarbeitungsunternehmen auf einem organisierten Gewerbestandort ansiedeln können. Mitsotakis verwies auf den Bedarf der Industrie an geeigneten Flächen und stellte einen Zusammenhang mit der geplanten Raumordnung für Industriegebiete und der übergeordneten Flächenplanung her.
In Kombination mit Investitionsanreizen könnten solche Flächen nach Einschätzung des Regierungschefs zusätzliches Unternehmensinteresse auslösen. Als Vergleich nannte er Tripoli, wo die heimische Pharmaindustrie investiert hat. Für den Industriepark in Megalopoli wurden allerdings weder ein konkreter Kostenrahmen noch ein Zeitplan genannt.
Hydroponik-Projekt mit mehr als 130 Millionen Euro geplant
Besonders groß fällt ein weiteres geplantes Vorhaben aus: In Megalopoli soll eine Hydroponik-Investition von über 130 Millionen Euro entstehen. Dabei werden Pflanzen in kontrollierten Anbausystemen mit Nährstoffen versorgt. Mitsotakis erwartet, dass das Projekt bis zum Jahresende einen Förderstatus erhält; eine bereits erteilte Förderzusage lässt sich aus dieser Ankündigung nicht ableiten.
Die Regierung verbindet den technologisch gestützten Anbau mit höherer landwirtschaftlicher Produktivität und dem Ziel, Importe bei Produkten zu ersetzen, bei denen Griechenland nicht genügend selbst erzeugt. Mitsotakis nannte insbesondere Tomaten und möglicherweise weitere Gemüsesorten. Damit skizzierte er den Wandel einer Region, die bisher vor allem für ihre Braunkohleförderung stand, hin zu einer anderen Form der Produktion.
Für Investitionen in hydroponische und aeroponische Gewächshäuser in Megalopoli und Westmakedonien ist ein spezielles Förderprogramm über 80 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 24 Millionen Euro auf Megalopoli.
Der Ministerpräsident erwähnte außerdem ein vergleichbares Projekt in Westmakedonien, das seiner Darstellung zufolge fast 500 Arbeitsplätze schaffen soll. Diese Beschäftigungsprognose bezieht sich ausdrücklich auf Westmakedonien und nicht auf die geplante Anlage in Megalopoli.
122 Investitionspläne und weitere öffentliche Bauvorhaben
Wie weit die regionale Umstellung auf dem Papier fortgeschritten ist, zeigen die vorgestellten Programmdaten. Beim Territorialplan Megalopoli innerhalb des Programms für einen gerechten Entwicklungsübergang 2021 bis 2027, der insgesamt 385,9 Millionen Euro umfasst, liegt die Quote der aufgenommenen Vorhaben den Angaben zufolge bei 92 Prozent.
Bislang wurden 122 Investitionspläne mit Zuschüssen von insgesamt 213 Millionen Euro aufgenommen. Mit ihnen wird die Entstehung von 1.284 neuen Arbeitsplätzen erwartet. Die Zahlen bezeichnen geförderte beziehungsweise aufgenommene Vorhaben und prognostizierte Beschäftigungseffekte; sie sind nicht mit bereits abgeschlossenen Investitionen oder tatsächlich besetzten Stellen gleichzusetzen.
Daneben werden über das Sonderprogramm für einen gerechten Entwicklungsübergang im nationalen Entwicklungsprogramm sieben Projekte mit einem Gesamtvolumen von 55 Millionen Euro in den Gemeinden Megalopoli und Tripoli vorbereitet. Dazu zählen ein Schwimmbad in Megalopoli für 3,5 Millionen Euro sowie Straßenbauprojekte und Einrichtungen für Gesundheit und soziale Betreuung.
Aus der dritten Säule des Mechanismus für einen gerechten Übergang wurden außerdem Projekte im Wert von rund 64 Millionen Euro für die Region Peloponnes genehmigt. Davon sind 47,84 Millionen Euro für die regionale Einheit Arkadien bestimmt. Genannt wurden unter anderem die Umgehungs- beziehungsweise Ringstraßenprojekte in Tripoli und bei Dimitsana, ein Zentrum für kreative Beschäftigung von Kindern im Autismus-Spektrum und mit anderen Formen der Neurodivergenz sowie eine landwirtschaftliche Schule.
Mitsotakis räumte ein, dass der Braunkohleausstieg in Megalopoli Unsicherheit ausgelöst hat. Den Wandel der Energiemärkte bezeichnete er als Grund für die notwendige Umstellung. Entscheidend sei nun, die verfügbaren europäischen Mittel in neue Unternehmen, Beschäftigung und soziale Infrastruktur zu überführen. Ob der angekündigte Neustart gelingt, hängt damit nicht allein von Vereinbarungen und Förderzusagen ab, sondern auch davon, welche Anlagen tatsächlich gebaut und welche Arbeitsplätze dauerhaft geschaffen werden.
Mit Informationen von: Griechische Regierung.