Griechenland – Der Streit über die geplanten Untersuchungen für ein Stromkabel zwischen Griechenland und Zypern hat sich am 6. November 2026 verschärft. Die Türkei verlangt für Arbeiten in Meeresgebieten, die sie ihrem Festlandsockel zurechnet, eine Genehmigung. Athen weist diesen Anspruch zurück und erklärt, dass das französische Schiff VB Abeille Marengo seine Arbeiten wie vorgesehen fortsetzen soll.
Gleichzeitig soll eine türkische Drohne südlich der griechischen Insel Karpathos die Seezone überwacht haben, durch die das Unterseekabel verlaufen soll. Diese Angaben stammen aus einem griechischen Medienbericht; eine unabhängige Bestätigung des konkreten Flugverlaufs liegt darin nicht vor.
Ankara widerspricht griechischen und zyprischen Seefahrtsmeldungen
Ausgangspunkt der neuen Auseinandersetzung sind NAVTEX-Meldungen Griechenlands und Zyperns zu Untersuchungen des französischen Schiffs VB Abeille Marengo. Solche Meldungen informieren die Schifffahrt über Aktivitäten und mögliche Einschränkungen in bestimmten Seegebieten. Die geplanten Arbeiten gehören zur Vorbereitung der elektrischen Verbindung zwischen Griechenland und Zypern.
Das türkische Außenministerium erklärte am Freitag, das unter französischer Flagge fahrende Schiff habe versucht, ohne Erlaubnis wissenschaftliche Meeresuntersuchungen für die Verlegung des Kabels vorzunehmen. Teile des betreffenden Seegebiets lägen nach türkischer Darstellung auf dem eigenen Festlandsockel. Ankara erklärte außerdem, die griechischen und zyprischen NAVTEX-Meldungen für ungültig erklärt zu haben.
Die Türkei beruft sich dabei auf die am 18. März 2020 bei den Vereinten Nationen eingereichten Außengrenzen ihres beanspruchten Festlandsockels. In einer türkischen Gegenmeldung mit der Kennung NAVTEX 1105/26 wird zudem auf das UN-Schreiben A/74/757 Bezug genommen. Für Untersuchungen innerhalb der von Ankara beanspruchten Zone sei keine Genehmigung beantragt worden, argumentiert das Außenministerium unter Verweis auf das Seevölkerrecht.
Ankara kündigte an, seine aus seiner Sicht bestehenden Hoheitsrechte zu schützen. Zugleich erklärte das Ministerium, in der Region weiter auf Zusammenarbeit, Dialog und Abstimmung setzen zu wollen. Diese türkische Rechtsposition wird von Griechenland nicht anerkannt.
Athen hält am Zeitplan für das Kabelprojekt fest
Griechische diplomatische Kreise reagierten mit einer klaren Zurückweisung. Die Arbeiten der VB Abeille Marengo sollten nach dem betrieblichen Zeitplan des Unternehmens in griechischen und zyprischen Hoheitsgewässern sowie in Bereichen des griechischen und zyprischen Festlandsockels fortgeführt werden. Das internationale Seerecht lasse in dieser Frage aus griechischer Sicht keinen Raum für unterschiedliche Auslegungen.
Die griechische NAVTEX beschreibt nach den vorliegenden Angaben die geplante Kabeltrasse bis zur ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Zyperns. In Abschnitten nördlich von Kreta, die teilweise auch internationale Gewässer umfassen, wurden bereits Untersuchungen vorgenommen – auch nach dem früheren Zwischenfall bei Kasos. Ein wesentlicher Teil der noch ausstehenden Untersuchungen betrifft die Strecke östlich von Kasos bis zur zyprischen AWZ.
Vor dem Austausch der NAVTEX-Meldungen telefonierte Griechenlands Außenminister Gerapetritis mit seinem zyprischen Amtskollegen Kombos. Das Gespräch diente dem engen Austausch der beiden Regierungen über das weitere Vorgehen.
Im Hintergrund steht auch ein Streit über die Abgrenzung maritimer Zuständigkeiten. Nach der griechischen Darstellung überschneiden sich die von der Türkei einseitig bei den UN hinterlegten Ansprüche teilweise mit Gebieten, die Griechenland aufgrund seines Abkommens mit Ägypten der eigenen AWZ zurechnet. Die Hinterlegung von Koordinaten bei den UN bedeutet für sich genommen keine Anerkennung einer umstrittenen Seegrenze.
Bericht über türkisches UAV südlich von Karpathos
Nach Informationen des griechischen Nachrichtenportals Proto Thema soll ein türkisches unbemanntes Fluggerät mit dem Rufzeichen VATOZ17 südlich von Karpathos wiederholt Kreise geflogen sein. Die Bewegungen seien Teil einer Überwachung des Seegebiets gewesen, in dem die Kabelarbeiten vorgesehen sind. Der Bericht beschreibt darüber hinaus türkische Drohnenaktivitäten im nordöstlichen und südöstlichen Ägäischen Meer, von der Gegend um Keşan bis in Richtung Karpathos.
Bei dem Fluggerät könnte es sich den Angaben zufolge um eine Drohne des Typs Akinci oder Anka handeln. Sie soll von der Marinebasis Dalaman gestartet sein, um die Lage auf der Meeresoberfläche und die dortigen Aktivitäten zu beobachten. Der Bericht spricht zudem davon, dass das Ortungssignal des UAV zeitweise ein- und ausgeschaltet worden sei und das Gerät dadurch nicht durchgehend auf Flugverfolgungssystemen sichtbar gewesen sei. Eine gesicherte Identifizierung des Typs geht aus diesen Angaben nicht hervor.
Dem Bericht zufolge war VATOZ17 das türkische UAV, das dem vorgesehenen Arbeitsgebiet am nächsten kam. Unabhängig von diesen Flugangaben bleibt der Streit um die Frage bestehen, welche staatlichen Genehmigungen für die Untersuchungen des französischen Schiffs erforderlich sind. Die griechische Seite hält an der geplanten Durchführung der Arbeiten fest; die Türkei beansprucht ein Mitspracherecht für die von ihr geltend gemachten Seegebiete.