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Moderne griechische Wohngebäude mit weißen Fassaden, tiefen Balkonen und ausgefahrenen Markisen an einem sonnigen Tag
Wirtschaft

Hitzewellen in Europa: Was deutsche Bauexperten von Griechenland lernen

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
04.07.2026 12:21
Antonia Feldberg
GriechenlandDeutschland
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Symbolbild | GRland
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Griechenland – Traditionell sind deutsche Wohngebäude darauf ausgelegt, während der langen Wintermonate die Wärme im Inneren zu speichern. Mit der stetigen Zunahme von extremen Hitzewellen in Mitteleuropa erweist sich diese Bauweise jedoch zunehmend als Nachteil. Um neue Lösungsansätze für den Hitzeschutz zu finden, reiste eine Wirtschaftsdelegation unter der Leitung der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer nach Thessaloniki. Dort analysierten die deutschen Bauexperten, wie die südeuropäische Architektur seit jeher Gebäude effektiv kühlt und welche Technologien sich auf den heimischen Markt übertragen lassen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Helle Fassaden und spezielle Doppelfensterkonstruktionen reduzieren in Griechenland die Wärmeaufnahme der Gebäude erheblich.
  • Tiefe Balkone und Markisen bieten eine automatische Verschattung, die eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Mauern verhindert.
  • Griechische Passivhäuser halten die Innentemperatur durch kontrollierte Belüftung auch bei 36 Grad Außentemperatur konstant auf etwa 27 Grad.

Architektur als natürliche Hitzebarriere

Die deutschen Fachleute stellten fest, dass die Anpassung der Gebäude an hohe Temperaturen in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Axel Böger, Geschäftsführer der Böger System Produktions GmbH, räumte ein, dass man in Deutschland primär auf einfaches Lüften setze, was die angestaute Hitze nicht effektiv aus den Räumen transportiere. In Griechenland hingegen sei die Kühltechnologie bereits ein essenzieller Bestandteil der Gebäudeplanung.

Besonders die einfachen, aber wirkungsvollen baulichen Maßnahmen fielen der Delegation auf. Böger erklärte, dass die typisch weißen und hellen Fassaden in Griechenland die Sonnenstrahlung reflektieren und die Gebäude kühl halten, im Gegensatz zu den dunkleren Außenwänden in Deutschland. Zudem zeigte er sich beeindruckt von den in Griechenland häufig eingesetzten Doppelfenstern, bei denen ein Fenster direkt hinter einem anderen montiert wird. Dies schaffe einen isolierenden Pufferraum gegen die Hitze, eine Konstruktion, die auf dem deutschen Markt bislang kaum Verbreitung gefunden habe.

Ganzheitliche Verschattung und neue Kühltechnologien

Der Klimawandel zwingt die deutsche Bauindustrie zu einem Paradigmenwechsel: Der Fokus verschiebt sich vom reinen Kälteschutz hin zu einer Abwehr der Sommerhitze. Die Experten sind sich einig, dass Einzelmaßnahmen nicht ausreichen. Fenster, Dach und Fassade müssten laut Böger in Kombination mit leistungsstarken Belüftungs- oder Verschattungssystemen arbeiten. Peter Sacher von der inVENTer GmbH forderte ein Umdenken bei deutschen Architekten. Er betonte, dass die griechische Bauweise mit tiefen, umlaufenden Balkonen und Markisen eine aktive Verschattung biete, die direkte Sonneneinstrahlung auf die Wände blockiere. Gleichzeitig warnte er, dass Neubauten in Deutschland künftig kaum noch ohne aktive Klimatisierung auskommen würden.

Neben herkömmlichen Klimaanlagen rücken auch innovative Kühlsysteme in den Fokus, die mit Wärmepumpen gekoppelt werden. Nils Kohlmeyer von der mfh systems GmbH verwies auf das Konzept der Kühldecken. Dabei werde nicht die Raumluft gekühlt, sondern die Temperatur über die Deckenflächen reguliert. Dies sorge für eine natürliche Kühle, vergleichbar mit dem Raumklima in historischen Steingebäuden oder Kirchen.

Passivhäuser im sommerlichen Härtetest

Obwohl das Konzept des Passivhauses ursprünglich aus Deutschland stammt, zeigt die Umsetzung in griechischen Städten wie Trikala, wie effizient diese Bauweise gegen extreme Hitze schützt. Der Berater für Passivbauten, Christos Lazaridis, erläuterte, dass ein derartiges Gebäude den Energieverbrauch drastisch minimiere. Ein 120 Quadratmeter großes Apartment für eine vierköpfige Familie benötige maximal 185 Kilowattstunden pro Monat. Das Herzstück bilde dabei die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Energierückgewinnung.

Selbst wenn das Thermometer im Freien auf 36 Grad Celsius klettere, bleibe die Innentemperatur stabil zwischen 27 und 27,5 Grad. Lazaridis erklärte weiter, dass das Haus komplett verschlossen bleibe; die Lüftungsanlage sauge verbrauchte Luft ab und führe vorgekühlte Frischluft zu, was die thermische Belastung der Räume erheblich senke. Dies mache das klassische Fensteröffnen während der heißen Tagesstunden überflüssig. Ergänzend empfahl der Experte intelligente Verschattungssysteme mit Sensoren sowie die gezielte Pflanzung von Laubbäumen. Diese spenden im Sommer wichtigen Schatten und lassen im Winter, wenn sie ihre Blätter abgeworfen haben, wärmendes Sonnenlicht an die Fassaden. Die deutsche Baubranche müsse künftig den Energiebedarf für die sommerliche Kühlung als festen Bestandteil der Jahreskalkulation begreifen.

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