Athen – Die griechische Direktion zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität hat ein Netzwerk zerschlagen, das den staatlichen Gesundheitsdienstleister EOPYY über mindestens sechs Jahre hinweg systematisch betrogen haben soll. Bei einer groß angelegten Razzia in der Hauptstadtregion Attika wurde ein ehemaliger Parlamentskandidat der sozialdemokratischen PASOK-Partei aus dem Jahr 2023 als mutmaßliches Führungsmitglied festgenommen. Der finanzielle Schaden für das staatliche Gesundheitssystem belaufe sich nach derzeitigem Ermittlungsstand auf mehr als 400.000 Euro.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Behörden weisen einen finanziellen Schaden von über 400.000 Euro durch bislang 5.429 gefälschte Rezepte nach.
- Zehn Personen sind beschuldigt, darunter ein Psychiater, eine Krankenhausärztin sowie mehrere Apotheker.
- Die Täter nutzten gezielt die Daten von Patienten, die keine digitalen Rezeptbenachrichtigungen aktiviert hatten.
Systematischer Identitätsdiebstahl bei Versicherten
Die mutmaßliche kriminelle Organisation habe laut Polizeiangaben von März 2020 bis April 2026 mit einer klaren hierarchischen Struktur agiert. Gegen insgesamt zehn Personen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Neben dem mutmaßlichen Rädelsführer umfasse die Gruppe medizinisches Fachpersonal, darunter einen Psychiater und eine Familienärztin eines öffentlichen Krankenhauses, sowie Inhaber und Verwalter von Apotheken.
Zentrales Element der Betrugsmasche sei das systematische Ausnutzen einer digitalen Lücke gewesen. Die Bande habe gezielt Versicherte ausgewählt, die den Service für das papierlose, digitale Rezeptverfahren nicht aktiviert hatten. Unter missbräuchlicher Verwendung der AMKA-Sozialversicherungsnummern dieser Bürger stellten die beteiligten Mediziner Scheinrezepte aus. Da die Betroffenen keine SMS oder E-Mails über laufende Verschreibungen erhielten, blieb der Identitätsdiebstahl lange Zeit unbemerkt.
Razzien fördern Betäubungsmittel zutage
Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem der Gesundheitsdienstleister EOPYY selbst Anzeige erstattete, was zu einer monatelangen Überwachung durch die Abteilung für Wirtschaftskriminalität führte. Im weiteren Verlauf seien die auf falschen Namen ausgestellten Rezepte mit gefälschten Unterschriften der Versicherten in den kooperierenden Apotheken abgerechnet worden. Der Staat erstattete die Kosten für die Medikamente, während die Bande die Präparate zum Teil gewinnbringend weiterverkaufte.
Bei den koordinierten Durchsuchungen in Attika, die in enger Zusammenarbeit mit der Nationalen Arzneimittelbehörde (EOF) stattfanden, stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher. Die Polizei konfiszierte 240 Packungen illegal verschriebener Medikamente, worunter sich auch betäubungsmittelhaltige Substanzen befanden. Zudem wurden ärztliche Gutachten, Gesundheitsbüchlein, abgetrennte Echtheitszertifikate sowie Medikamenten-Barcodes beschlagnahmt. Bargeld in Höhe von 1.200 Euro, ein Fahrzeug und elektronische Datenträger seien ebenfalls sichergestellt worden.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Bildung einer kriminellen Organisation, Betrug, Urkundenfälschung, Ausstellung falscher Bescheinigungen, illegaler Verarbeitung personenbezogener Daten, Geldwäsche und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Auswertung der beschlagnahmten Daten daure an.