Griechenland und der gesamte östliche Mittelmeerraum befinden sich in einer Hochrisikozone für das Auftreten extrem hoher Temperaturen, die künftig noch intensiver ausfallen werden. Dies erklärte Athanasios Argyriou, Professor für Physik an der Universität Patras im Bereich Atmosphärenphysik, angesichts der jüngsten Wetterextreme, die sowohl Einheimische als auch Reisende in Südeuropa betreffen.
Gegenüber der staatlichen griechischen Nachrichtenagentur betonte der Experte, dass die in anderen europäischen Ländern registrierten Hitzeepisoden in ähnlicher Intensität auch in der hellenischen Republik auftreten können. Diese Entwicklung zwingt Behörden und Zivilschutz zu neuen Anpassungsstrategien.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Europa erwärmt sich seit den 1980er Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
- Im Jahr 2022 forderte extreme Hitze in Europa laut einer medizinischen Studie rund 61.672 Todesopfer.
- Festlandregionen wie Thessalien sowie urbane Zentren wie Athen sind in Griechenland am stärksten gefährdet.
Die Entstehung von “Hitze-Kuppeln”
Die aktuellen Hitzewellen in Europa seien nicht auf einen einzigen Faktor zurückzuführen, sondern auf das Zusammenspiel von atmosphärischen Bedingungen und dem globalen Klima. Laut Professor Argyriou bestehe der primäre meteorologische Mechanismus in langanhaltenden Hochdruckgebieten, die oft als atmosphärische Blockaden oder sogenannte “Hitze-Kuppeln” (Omega-Wetterlagen) auftreten. Dabei werde die Luft aus höheren Atmosphärenschichten in Richtung Boden gedrückt und erwärme sich adiabatisch.
Zusätzlich begünstigen schwache Winde, wolkenloser Himmel und lange Sonnenscheindauer im Sommer den Temperaturanstieg. Erschwerend komme hinzu, dass heiße Luftmassen aus Nordafrika und der Iberischen Halbinsel nach Zentral- und Südeuropa strömen. Trockene Böden verstärken die Erhitzung der Luft weiter, da die kühlende Wirkung durch Verdunstung entfällt. In Kombination mit der anthropogenen Klimaerwärmung führten diese Wetterlagen heute zu deutlich höheren Temperaturen als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Europa erwärmt sich doppelt so schnell
Die zeitliche Nähe aufeinanderfolgender Hitzeperioden hänge mit der Persistenz solcher blockierenden Wetterlagen zusammen. Antizyklonale Systeme können über mehrere Tage verharren oder in derselben Saison wiederkehren. Wenn bereits eine trockene und heiße Phase vorausgegangen sei, befänden sich Boden und die unterste Atmosphärenschicht bereits auf einem erhöhten Temperaturniveau, weshalb eine darauffolgende Welle schneller zu extremen Werten führe.
Der Experte verwies auf den gemeinsamen Bericht des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Demnach sei Europa der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. Seit den 1980er Jahren steigen die Temperaturen dort etwa doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt. Hitzewellen bauen somit auf einem bereits wärmeren klimatischen Fundament auf.
Historische Vergleiche und gesundheitliche Folgen
Europa hat bereits in der Vergangenheit signifikante Hitzeperioden erlebt. Dazu zählen laut Argyriou die Jahre 2003 in West- und Südeuropa, 2010 in Osteuropa, sowie die extremen Sommer 2017, 2019, 2022 und die Rekorde im Mittelmeerraum im Jahr 2023. Der wesentliche Unterschied liege heute in der Frequenz und Intensität, was die Gesundheit der Bevölkerung stark belaste.
Eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Studie schätzte die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Europa für den Sommer 2022 auf rund 61.672. Auch Copernicus bestätigte, dass die Sommer 2003, 2010 und 2022 jeweils mit Zehntausenden von Toten in Verbindung gebracht wurden.
Hochrisikozonen in der hellenischen Republik
In Griechenland sind besonders die kontinentalen Ebenen und geschlossenen Becken anfällig. Als am stärksten gefährdete Regionen nannte der Professor Thessalien, Zentral- und Ostmakedonien, Thrakien, Böotien, das östliche Zentralgriechenland, Attika sowie Teile der Peloponnes.
In den großen städtischen Zentren wie Athen und Thessaloniki werde die Situation durch den Wärmeinseleffekt (Urban Heat Island) verschärft, der besonders nachts eine Abkühlung verhindere. Auf den Inseln und in Küstenregionen seien die absoluten Höchsttemperaturen zwar oft niedriger, doch bei schwachem Wind sorge die hohe Luftfeuchtigkeit für ein starkes thermisches Unwohlsein, was besonders für den Sommertourismus relevant ist.
Prävention und städtebauliche Anpassung
Auf die Frage nach präventiven Maßnahmen erklärte Argyriou, dass meteorologisch keine direkten Interventionen möglich seien. Der Fokus müsse auf dem griechischen Zivilschutz und dem Gesundheitswesen liegen. Eine frühzeitige Prognose von Hitzewellen und Dürren sei entscheidend, um Notfallpläne rechtzeitig zu aktivieren.
Darüber hinaus forderte der Experte eine bessere Information der Bevölkerung sowie langfristige Anpassungen. Eine durchdachte Stadtplanung und eine optimierte Gebäudeinfrastruktur seien zwingend erforderlich, damit sich die Menschen künftig in kühleren Räumen aufhalten und vor den steigenden Temperaturen schützen können.