Athen – Der griechische Kickboxer Michail-Angelos Nikolou hat zahlreiche internationale Titel gewonnen und zugleich sein Medizinstudium an der Universität Athen abgeschlossen. Nun strebt er eine Laufbahn in der Kardiologie an. In einem Interview mit dem Magazin „S“ beschreibt er, wie ihn die Disziplin des Leistungssports durch das Studium begleitet hat – und warum er heute in der Medizin ebenso viel erreichen möchte wie im Ring.
Nikolou wurde in Athen geboren und wuchs dort auf. Bereits im Alter von vier Jahren begann er mit dem Kickboxen. Sein Vater ist Trainer und brachte ihn zunächst spielerisch an den Sport heran. Aus den ersten Trainingseinheiten entwickelte sich eine Leidenschaft, die schließlich zu einer internationalen Wettkampfkarriere führte.
Erst die Hausaufgaben, dann das Training
In seiner Familie galt nach Nikolous Schilderung von Anfang an eine klare Regel: Die Schularbeiten mussten erledigt sein, bevor das Training beginnen durfte. Der spätere Mediziner besuchte die Schule Ellinogermaniki Agogi und beschreibt sich selbst als guten Schüler. Die früh eingeübte Ordnung habe ihm später geholfen, das anspruchsvolle Studium mit der Vorbereitung auf Wettkämpfe zu vereinbaren.
Mit 16 Jahren entschloss er sich, Medizin zu studieren. Auslöser sei seine Neugier auf die Funktionsweise des menschlichen Körpers gewesen. Die Überlegung, durch medizinisches Wissen anderen Menschen entscheidend helfen zu können, habe seinen Berufswunsch gefestigt.
Besonders wichtig ist ihm nach eigener Aussage, dass Patientinnen und Patienten das Krankenhaus nicht nur nach einer Behandlung verlassen, sondern gesund in ihren Alltag zurückkehren können. Nach seinem Abschluss an der Medizinischen Fakultät in Athen richtet er seinen beruflichen Weg auf die Kardiologie aus. Ihn fasziniere die eigenständige Funktionsweise des Herzens; auch an der Erforschung noch offener medizinischer Fragen möchte er sich beteiligen.
19 nationale Titel, Weltcups und Europameisterschaften
Seine sportliche Bilanz ist umfangreich. Im Interview zählt Nikolou die Erfolge auf, die er in rund 20 Jahren Kickboxen errungen habe. Dabei unterscheidet er ausdrücklich zwischen Cup-Wettbewerben und Meisterschaften:
- 19 griechische Meistertitel
- 9 europäische Cup-Siege und 7 Weltcup-Siege
- 4 Europameistertitel und 3 Weltmeistertitel
- 1 europäischer Studierenden-Meistertitel und 1 Weltmeistertitel bei Studierenden
Zum Leistungssport habe ihn nicht allein die Freude am Kickboxen geführt. Gerade zu Beginn seiner Wettkampfkarriere habe er große Schwierigkeiten gehabt, mit der Angst vor Kämpfen umzugehen. Damals habe er sich vorgenommen, nicht vor dem ersten Erfolg aufzugeben. Dieser selbst gesetzte Anspruch sei zu einer dauerhaften Motivation geworden.
Die Entscheidung von 2018: Kurz vor der WM in eine andere Klasse
Als einen der schwierigsten Momente seiner bisherigen Laufbahn nennt Nikolou die Weltmeisterschaft 2018. Er war damals 16 Jahre alt und hatte den Sommer über für die Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm im Low Kick trainiert. Wegen der hohen Teilnehmerzahl dieser Klasse bestand für ihn nach seiner Darstellung auch die Aussicht auf Zusatzpunkte für die griechischen Hochschulaufnahmeprüfungen.
Nur zwei Tage vor dem Wettkampf änderte sich die Situation. Aufgrund veränderter Wettkampfbedingungen und mit Blick auf die möglichen Zulassungspunkte entschied sein Vater und Trainer, ihn stattdessen in der Disziplin K1 bis 71 Kilogramm antreten zu lassen.
Das bedeutete nicht nur eine höhere Gewichtsklasse, sondern auch andere Wettkampfregeln, für die er nach eigener Aussage nicht gezielt trainiert hatte. Nikolou berichtet, er habe sich dennoch an seinem Kindheitstraum orientiert, Weltmeister zu werden. Im Finale siegte er, nachdem sein Gegner in der zweiten Runde aufgab.
Damit gewann er nach seiner Darstellung den Weltmeistertitel und wurde zugleich zum ersten Griechen, der bei der WAKO einen Weltmeistertitel mit Goldmedaille im Ring errang. Der Erfolg sei für ihn der Beweis gewesen, dass sich eine schwierige Ausgangslage nicht zwangsläufig in eine Niederlage verwandeln müsse.
Warum er weder Medizin noch Kickboxen aufgeben will
Eine grundsätzliche Entscheidung zwischen den beiden Lebenswegen möchte Nikolou nicht treffen. Das Kickboxen bezeichnet er als seine erste große Leidenschaft. Gleichzeitig sieht er im ärztlichen Beruf eine neue Herausforderung, der er sich mit dem gleichen Ehrgeiz stellen will.
Sein erklärtes Ziel ist es, in der Medizin – insbesondere in der Kardiologie – ein ähnlich hohes Niveau zu erreichen wie im Kickboxen. Die Erfahrungen aus Training, Wettkampfvorbereitung und Studium sollen ihm dabei weiterhin helfen.
Quelle: Interview mit Michail-Angelos Nikolou im Magazin „S“ von Parapolitika.