Thessaloniki – Um dem demografischen Wandel und der wachsenden Wohnungsnot entgegenzuwirken, hat die nordgriechische Metropole Thessaloniki ein achtteiliges Maßnahmenpaket verabschiedet. Wie Bürgermeister Stelios Angeloudis im griechischen Fernsehsender OPEN ankündigte, treten die neuen Regelungen ab März 2027 in Kraft und umfassen unter anderem finanzielle Einmalzahlungen für Familien sowie den massiven Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Darüber hinaus verurteilte der Stadtchef im Rahmen des Interviews eine Reihe jüngster Gewaltverbrechen, die die Region erschüttert haben.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Familien erhalten ab 2027 eine kommunale Einmalzahlung von 1.000 Euro ab dem dritten Kind.
- Die Stadt stellt zunächst 100 renovierte Sozialwohnungen für finanziell schwache Haushalte bereit.
- Eltern des ersten Kindes profitieren von einer dreijährigen Senkung der kommunalen Gebühren.
Finanzielle Anreize für junge Familien
In der Sendung „Kathares Kouventes“ umriss Angeloudis die konkreten finanziellen Hilfen, die aus dem städtischen Haushalt des kommenden Jahres finanziert werden sollen. Ab März 2027 erhalten Paare, die offiziell in Thessaloniki gemeldet sind und dort ihren Lebensmittelpunkt haben, eine Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro für die Geburt des dritten und vierten Kindes. Zusätzlich übernimmt die Kommune für diese Neugeborenen die kompletten Kosten für Windeln im ersten Lebensjahr. Um auch Paare bei der ersten Familiengründung zu entlasten, plant die Stadtverwaltung, die kommunalen Abgaben für Eltern des ersten Kindes für einen Zeitraum von drei Jahren spürbar zu senken. Ergänzend zum staatlichen Programm „Nannys zu Hause“ des Familienministeriums richtet die Stadt Beratungsstellen für junge Mütter ein. „Bleiben Sie in Thessaloniki. Oder kommen Sie nach Thessaloniki“, fasste der Bürgermeister das Ziel der Kampagne zusammen.
Ausbau des sozialen Wohnraums
Parallel zur finanziellen Förderung treibt die Stadt den sozialen Wohnungsbau voran. Über die städtische Entwicklungsgesellschaft werden derzeit 40 Wohnungen saniert, finanziert durch das zuständige Ministerium. Von diesen Objekten wurden laut Angeloudis bereits die ersten 20 Einheiten übergeben. Eine Ausweitung auf 60 weitere Wohnungen ist bereits beschlossen. Die Zuteilung erfolgt über eine zentrale Plattform des Familienministeriums, wobei besonders vulnerable Gruppen, wie beispielsweise Alleinerziehende, Vorrang haben. Zudem kündigte die Verwaltung an, städtische Grundstücke ab Anfang des kommenden Jahres für die Errichtung von zunächst 30 neuen Wohnungen für junge Paare freizugeben. Ein weiteres Leuchtturmprojekt entsteht in der Mitsaki-Straße: Dort wird ein großes Bestandsgebäude saniert, um ein generationsübergreifendes Wohnkonzept zu realisieren.
Brandtragödie und politisch motivierte Gewalt
Im zweiten Teil des Interviews äußerte sich Angeloudis zu den jüngsten Krisenereignissen im Großraum Thessaloniki. Bei einem schweren Flächenbrand in der Gegend von Oraiokastro und Liti im Westen der Stadt kamen ein Vater und sein zwölfjähriger Sohn ums Leben. Der Bürgermeister dankte der Feuerwehr für ihr schnelles Eingreifen, das ein noch größeres Ausmaß der Katastrophe verhindert habe.
Scharfe Worte fand Angeloudis für eine Reihe von Brandanschlägen mit Gaskartuschen, die sich gegen Mitglieder der griechischen Regierungspartei Nea Dimokratia richteten. Bei einem dieser Vorfälle wurden die Politikerin Nestora und ihre Mutter schwer verletzt; die Mutter muss derzeit im Ippokratio-Krankenhaus künstlich beatmet werden. Der griechische Premierminister besuchte die Opfer kurz darauf in der Klinik. „Thessaloniki ist keine Stadt, die Gewalt tolerieren kann“, betonte der Bürgermeister und verurteilte die Anschläge aufs Schärfste.