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Griechische Berufsfischer stehen auf einem traditionellen Fischerboot in der Ägäis und sortieren ihre Netze.
Aktuelles

Mythen über den Hasenkopf: Plage für Fischer, aber keine Gefahr für Badegäste

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
02.07.2026 20:17
Antonia Feldberg
Griechenland
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Symbolbild | GRland
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Griechenland – Ein massiver Flotteneinsatz steht in den Regionen der Südägäis und auf Kreta bevor. Rund 11.000 griechische Berufsfischer bereiten sich darauf vor, gezielt den invasiven Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus) zu fangen. Grund dafür ist eine neue staatliche Fangprämie von bis zu 5,33 Euro pro Kilogramm. Das Programm soll die rasante Ausbreitung der Art eindämmen, um die heimische Fischerei und das marine Ökosystem zu schützen. Trotz zahlreicher im Internet kursierender Warnungen vor den starken Gebissen der Fische gibt es in griechischen Krankenhäusern bislang keinen einzigen dokumentierten Fall eines Angriffs auf Badegäste.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die griechische Regierung zahlt Berufsfischern eine Fangprämie von bis zu 5,33 Euro pro Kilo für den giftigen Kugelfisch.
  • Trotz der aggressiven Natur des Fisches besteht laut Krankenhausakten keine Gefahr für Urlauber und Schwimmer.
  • Das Pilotprojekt beginnt in der Südägäis und auf Kreta, wo gefangene Exemplare in Hochöfen verbrannt werden sollen.

Ein tropischer Einwanderer verändert das Mittelmeer

Der Hasenkopf-Kugelfisch gelangte als sogenannter Lessepsscher Migrant über den Suezkanal in das Mittelmeer. Begünstigt durch den klimabedingten Anstieg der Wassertemperaturen und das Fehlen natürlicher Fressfeinde hat sich die Population in den vergangenen knapp 20 Jahren drastisch vermehrt. Die Fische erreichen mittlerweile Längen von bis zu einem Meter und ein Gewicht von bis zu zehn Kilogramm. Für die heimische Meeresfauna stellt dieser Befund eine massive Belastung dar. Die Fische fressen bevorzugt Tintenfische, Kalmare und Kraken sowie deren Eier, was diese Arten lokal an den Rand der Verdrängung bringt. Ein einzelnes Weibchen kann jährlich bis zu einer Million Eier ablegen.

Vernichtung und internationale Vorbilder

Um den Bestand zu kontrollieren, setzen die griechischen Behörden unter Führung des Ministeriums für landwirtschaftliche Entwicklung nun auf direkte finanzielle Anreize. Nach dem Fang sollen die Tiere strikt gewogen, registriert und anschließend in speziellen Anlagen verbrannt werden. Zukünftig erhofft man sich durch das von der EU unterstützte Projekt „Lagomeal“ die Verarbeitung der Fische zu Fischmehl für die Aquakultur.

Griechenland orientiert sich bei diesen Maßnahmen an Nachbarländern, in denen das Problem bereits länger akut ist. In Zypern erhalten Fischer derzeit 4,73 Euro pro Kilogramm, wodurch jährlich 35 bis 40 Tonnen aus dem Meer geholt und vernichtet werden. Die Türkei prämiert den Fang bereits seit dem Jahr 2000 pro Schwanzflosse und zahlt für den gefährlichen Lagocephalus sceleratus bis zu 12,5 Lira. Zudem drohen in der Türkei drastische Verwaltungsstrafen von bis zu 75.000 Lira für den illegalen Handel oder Transport der Tiere.

Strenge Warnung vor dem Verzehr

Während der Hasenkopf für Schwimmer im Wasser ungefährlich ist, ist sein Fleisch hochgiftig und potenziell tödlich. In Ägypten ist der Verkauf strengstens verboten. Dort kam es in der Vergangenheit zu tödlichen Massenvergiftungen in Städten wie Port Said und Alexandria, weil skrupellose Händler das giftige Fleisch filetiert und illegal als Speisefisch an ahnungslose Konsumenten verkauft hatten. Das Gift Tetrodotoxin sitzt vor allem in den inneren Organen und der Haut der Tiere und wird auch durch Kochen nicht neutralisiert.

Massive Schäden an Netzen und Ausrüstung

Für die griechische Fischereiindustrie bedeutet die invasive Art existenzielle Einbußen, da die Tiere mit ihren scharfen Zähnen regelmäßig Netze zerschneiden und Fänge fressen. Michalis Lymperis, Vorsitzender des Fischereiverbandes von Rhodos, betonte die extreme Widerstandsfähigkeit der Tiere. Er habe bei einer Untersuchung eines Exemplars 40 bis 50 Angelhaken im Magen gefunden. Selbst Möwen würden die Kadaver verschmähen. Experten diskutieren inzwischen, ob ein subventionierter Stopp der regulären Fischerei notwendig sein könnte, damit sich heimische Raubfische wie Zackenbarsche erholen und wieder als natürliche Regulatoren im Ökosystem wirken können.

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