Griechenland – Die HSBC beurteilt die Aussichten der vier großen griechischen Banken weiterhin positiv und hat ihre Gewinnprognosen sowie sämtliche Kursziele angehoben. Für die Piraeus Bank errechnet das Institut ein Kurspotenzial von 31 Prozent, für die drei anderen Banken von 25 bis 29 Prozent. Die Kaufempfehlungen bleiben bestehen. Es handelt sich um Analystenprognosen und nicht um garantierte Kursentwicklungen.
Hinter der Neubewertung stehen vor allem höhere Zinserwartungen, wachsende Provisionserträge und die Annahme, dass Betriebskosten sowie Kreditrisikovorsorge vergleichsweise begrenzt bleiben. Dadurch könnte ein größerer Teil zusätzlicher Einnahmen als Gewinn bei den Banken ankommen. Die HSBC erwartet nun für die Jahre 2025 bis 2028 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Gewinns je Aktie von 10 statt bisher 6 Prozent.
Neue Kursziele für Alpha Bank, Eurobank, National Bank und Piraeus
Die HSBC erhöht ihre Kursziele je nach Institut um rund 2 bis 16 Prozent. Ihre Berechnung des möglichen Kursanstiegs bezieht sich auf die Marktpreise, die der jeweiligen Analyse zugrunde liegen.
| Bank | Neues Kursziel | Bisheriges Kursziel | Kurspotenzial |
|---|---|---|---|
| Alpha Bank | 5,35 € | 4,85 € | 25 % |
| Eurobank | 5,55 € | 4,80 € | 29 % |
| National Bank of Greece | 19,20 € | 18,45 € | 25 % |
| Piraeus Bank | 12,35 € | 12,10 € | 31 % |
Als besonders interessante Titel nennt die HSBC Alpha Bank wegen ihrer Gewinnwachstumsperspektiven und Eurobank wegen der Bewertung gegenüber Banken in Mittel- und Osteuropa.
Höhere Zinsen verändern die Ertragsprognosen
Eine wesentliche Grundlage der aktualisierten Analyse sind neue Annahmen zum Einlagenzins der Europäischen Zentralbank. Für den durchschnittlichen Zinssatz in den Jahren 2027 und 2028 setzt die HSBC ihre Annahmen um 65 Basispunkte herauf. Das von ihr erwartete Endniveau liegt nun bei 2,5 statt zuvor 2 Prozent.
Da die griechischen Banken nach Einschätzung der HSBC von steigenden Zinsen bei ihren Nettozinserträgen profitieren und das Kreditgeschäft weiter wächst, hebt sie ihre Prognose für das durchschnittliche jährliche Wachstum dieser Erträge von 5 auf 8 Prozent für 2026 bis 2028 an. Eine stärkere Beschleunigung erwartet der Analystenbericht im vierten Quartal 2026, wenn die Renditen auf Bankaktiva einen größeren Teil des seit Jahresbeginn um 65 Basispunkte gestiegenen Euribor widerspiegeln dürften.
Die Risiken durch Kursverluste bei Anleihen stuft die HSBC als begrenzt ein. Etwa 80 Prozent der gehaltenen Anleihen seien der Kategorie „bis zur Endfälligkeit gehalten“ zugeordnet. Zugleich berücksichtigt die Bank auch die Kehrseite höherer Zinsen: Sie erhöht ihre Annahme für die Eigenkapitalkosten um 100 Basispunkte auf 14,7 Prozent und bezieht einen Bewertungsabschlag von 10 Prozent ein.
Versicherungen und Vermögensverwaltung stärken die Provisionen
Zusätzliche Einnahmen erwartet die HSBC aus dem Provisionsgeschäft. Nach der Bancassurance-Vereinbarung zwischen der National Bank of Greece und Allianz verfügen nach Darstellung des Instituts alle vier systemrelevanten Banken über neue Versicherungsgeschäfte oder Partnerschaften. Hinzu kommen Erträge aus Immobilien, wachsendem verwaltetem Vermögen und dem Investmentbanking.
Deshalb steigt die Prognose für das durchschnittliche jährliche Wachstum der gesamten Provisionserträge 2025 bis 2028 von 9 auf 12 Prozent.
Ein mögliches Risiko sieht der Bericht in außerordentlichen Steuerabgaben im Umfeld der für 2027 erwarteten Wahlen. Die HSBC hält zusätzliche Belastungen allerdings für weniger wahrscheinlich, weil sich die Banken bereits zur Unterstützung öffentlicher Vorhaben verpflichtet hätten: jeweils 100 Millionen Euro für Schulsanierungen und 40 Millionen Euro für Universitäten. Nach ihrer Berechnung entsprechen diese Zusagen insgesamt etwa 2,5 Prozent der für 2025 bis 2028 erwarteten Gewinne je Aktie. Eine politische Entscheidung über neue Abgaben wird damit nicht behauptet.
Alpha Bank: Höchstes erwartetes Gewinnwachstum
Für die Alpha Bank setzt die HSBC das Kursziel von 4,85 auf 5,35 Euro herauf. Die Analysten rechnen für 2025 bis 2027 mit einem jährlichen Wachstum des Gewinns je Aktie von 20 Prozent; zuvor waren es 17 Prozent. Damit würde Alpha Bank in diesem Zeitraum unter den griechischen Banken die stärkste Dynamik erreichen.
Treiber sind laut der Studie die vollständige Einbeziehung der AstroBank in die Ergebnisse für 2026, zusätzliche Provisionserträge durch die Übernahme von Axia und der Versicherungsgeschäfte Altius und Universal sowie umfangreichere Aktienrückkäufe. Am 5. November 2026 soll die Bank ihren Geschäftsplan für 2026 bis 2028 präsentieren. Aus Sicht der HSBC könnten die darin enthaltenen Ziele eine weitere Anpassung mittelfristiger Prognosen auslösen.
Eurobank: Bewertung günstiger als bei Wettbewerbern
Bei Eurobank steigt das Kursziel von 4,80 auf 5,55 Euro. Das entspricht nach der HSBC-Berechnung einem möglichen Anstieg um 29 Prozent. Die Bilanz sei seit Jahresbeginn stärker gewachsen als erwartet, was die Perspektiven für Nettozinserträge auch unabhängig vom Zinseffekt verbessert habe.
Die HSBC erhöht ihre Gewinnschätzungen für 2027 um 13 Prozent und für 2028 um 11 Prozent. Dagegen belastet die verzögerte Übernahme von Eurolife die Prognose für 2026. Für 2025 bis 2028 erwartet der Bericht ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Gewinns je Aktie von 13 Prozent. Die durchschnittliche Rendite auf das materielle Eigenkapital, bereinigt um überschüssiges Kapital, soll 2027 und 2028 bei 20 Prozent liegen.
Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,7 für 2027 wird Eurobank laut HSBC unter den vier griechischen Instituten am niedrigsten bewertet. Gegenüber Banken in Mittel- und Osteuropa veranschlagt sie einen Bewertungsabschlag von 15 Prozent.
National Bank of Greece: Rückenwind durch Allianz und Dromeus
Für die National Bank of Greece erhöht die HSBC das Kursziel von 18,45 auf 19,20 Euro; das angegebene Kurspotenzial beträgt 25 Prozent. Ihre Gewinnprognosen für 2027 und 2028 steigen um 5 beziehungsweise 10 Prozent.
Dabei berücksichtigt die HSBC höhere Zinserwartungen sowie erwartete Provisionserträge aus der Zusammenarbeit mit Allianz im Versicherungsgeschäft und Dromeus Capital im Bereich Immobilieninvestitionen. Für 2027 prognostiziert sie eine Bardividendenrendite von 6,4 Prozent, ergänzt durch Aktienrückkäufe.
Piraeus Bank: Größtes berechnetes Kurspotenzial
Bei der Piraeus Bank steigt das Kursziel von 12,10 auf 12,35 Euro. Das von der HSBC angegebene Aufwärtspotenzial von 31 Prozent ist der höchste Wert unter den vier Instituten. Die Gewinnschätzungen für 2026 bis 2028 werden um 4 bis 7 Prozent angehoben.
Hinter dieser Anpassung stehen um etwa 7 Prozent höhere jährliche Umsatzprognosen, die auf den gestiegenen Zinserwartungen und dem starken Beitrag der Versicherungsgesellschaft Ethniki Asfalistiki im ersten Halbjahr 2026 beruhen. Einen Teil des positiven Effekts dürften nach Einschätzung der HSBC höhere Rückstellungen zur Absicherung von Kreditrisiken und etwas schneller wachsende Betriebskosten aufzehren.
Für 2027 nennt der Bericht ein Kurs-Buchwert-Verhältnis auf Basis des materiellen Eigenkapitals (P/TBV) von 1,3 und eine um Kapitalüberschüsse bereinigte Rendite auf das materielle Eigenkapital von rund 17 Prozent. Die erwartete Dividendenrendite liegt bei 6 Prozent.
HSBC erwartet überdurchschnittliches Gewinnwachstum im Bankensektor
Für den gesamten griechischen Bankensektor rechnet die HSBC mit der stärksten Dynamik beim Gewinn je Aktie innerhalb der betrachteten CEEMEA-Region – Mittel- und Osteuropa, Naher Osten und Afrika. Die durchschnittliche Bardividendenrendite soll 2027 bei 5 Prozent liegen.
Trotz der verbesserten Aussichten bewertet der Bericht die Aktien im Branchendurchschnitt mit dem 8,3-Fachen des erwarteten Jahresgewinns und dem 1,3-Fachen des materiellen Buchwerts. Nach Auffassung der HSBC lassen diese Bewertungskennzahlen weiteren Spielraum für steigende Kurse. Ob die Prognosen eintreten, hängt unter anderem von der tatsächlichen Entwicklung der Zinsen, des Kreditgeschäfts und der Risikovorsorge ab.