Bei den griechischen Busunternehmen KTEL spitzt sich der Tarifkonflikt zu. Die Transportgewerkschaft OSME bereitet für den 3. November einen 24-stündigen Streik vor. Am selben Tag soll das Berufungsgericht in Athen über den Rechtsstreit um die gescheiterten Tarifverhandlungen verhandeln.
Die Arbeitnehmervertreter werfen den Betreibern vor, dass die branchenüblichen Löhne seit 2009 nicht mehr angehoben worden seien. Besonders brisant ist dabei das Nebeneinander verschiedener Vergütungssysteme: Für einen Teil der Beschäftigten gelten noch die Grundlagen einer Schiedsentscheidung von 2010. Wer ab 2012 eingestellt wurde, erhält dagegen nach Angaben der Gewerkschaft häufig den gesetzlich festgelegten Mindestlohn.
Ein Jahr Schlichtung – und noch immer kein neuer Tarifvertrag
Nach Darstellung der OSME reagierten die Arbeitgeberverbände der städtischen und überregionalen KTEL nicht auf die Einladung zu direkten Verhandlungen. Der Konflikt wurde deshalb an die griechische Vermittlungs- und Schlichtungsstelle OMED verwiesen, wo sich das Verfahren rund ein Jahr hinzog.
Eine erste Entscheidung sah eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent auf den jeweils geltenden Grundlohn vor. Weil aber gerade die Berechnungsgrundlage angesichts der unterschiedlichen Lohnsysteme nicht eindeutig bestimmt war, wandte sich die Gewerkschaft an ein dreiköpfiges Schiedsgremium. Dieses legte eine Erhöhung von vier Prozent mit zusätzlichen Zuschlägen für Fahrer und bestimmte weitere Berufsgruppen fest.
Die anschließend angerufene fünfköpfige Schiedskommission hob die vorangegangene Entscheidung jedoch auf und wies den Antrag zurück. Damit steht die Branche nach den langwierigen Verhandlungen weiterhin ohne neue kollektivvertragliche Regelung da. OSME-Präsident Themistoklis Amblas wirft der Schlichtungsstelle vor, ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden zu sein. Den nächsten Schritt sieht die Gewerkschaft nun vor Gericht.
500 Fahrer fehlen – Streit um die tatsächlichen Gehälter
Parallel zum Lohnkonflikt suchen die KTEL-Unternehmen dringend Personal. Nach Angaben der Betreiber sind rund 500 Fahrerstellen unbesetzt. Allein in der Athener Verkehrsgemeinschaft fehlen demnach 150 Fahrer: Statt der benötigten 550 stehen 400 zur Verfügung. Um diese Lücken zu schließen, haben Unternehmensvertreter erklärt, Delegationen zur Suche nach Fahrern nach Indien und Ägypten entsandt zu haben.
Die Arbeitgeberseite hatte vor einem Parlamentsausschuss von Fahrergehältern in Höhe von 1.500 Euro gesprochen. Die Gewerkschaft widerspricht dieser Darstellung. OSME-Vizepräsident Alexandros Balakeras führte als persönliches Beispiel an, dass er nach 30 Berufsjahren 1.224 Euro verdiene. Amblas kritisiert zudem die Personalpolitik der Unternehmen und wirft ihnen vor, eher gefügige Arbeitskräfte als qualifizierte Fahrer zu suchen.
Die Arbeitnehmervertreter verweisen außerdem auf Probleme bei den Arbeitszeiten und der Sicherheit. Sie hatten nach eigenen Angaben wiederholt Gespräche mit der früheren Führung des Verkehrsministeriums verlangt. Nach einem Busunfall in Voula mit zahlreichen Verletzten gerieten auch Doppelschichten von bis zu 16 Stunden in den Blick. Im städtischen Busverkehr besteht keine allgemeine Pflicht zum Einsatz eines Fahrtenschreibers, was die Kontrolle solcher Arbeitszeiten erschweren kann.
Millionenschwere Verkehrsaufträge und offene Ausschreibungen
Zusätzlichen Streit löst die Forderung der KTEL-Eigentümer nach insgesamt 20 Millionen Euro staatlicher Unterstützung wegen der Energiekosten aus. Die Gewerkschaft hält dem die öffentlichen Verkehrsaufträge entgegen, die KTEL-Konsortien in Athen und Thessaloniki übernommen haben.
In Attika betreibt ein Konsortium mehr als 63 Buslinien im Osten und Westen der Region. Der Vertrag läuft über acht Jahre und hat einen Umfang von rund 452,4 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer. In Thessaloniki bedienen KTEL-Unternehmen aus Thessaloniki, Serres und Chalkidiki gemeinsam 43 Stadt- und Vorortlinien. Dafür fließen nach Angaben der Arbeitnehmervertreter etwa 3,7 Millionen Euro pro Monat.
Insgesamt wird die Zahl der Beschäftigten in der Branche auf rund 30.000 geschätzt. Wie die öffentliche Busverkehrsversorgung künftig organisiert wird, ist ebenfalls noch offen: Zwölf regionale Ausschreibungen für Verkehrsleistungen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einer möglichen Verlängerung um fünf Jahre hängen in Verzögerungen und Rechtsverfahren fest.