Griechenland – Ein deutlicher Preissprung an der griechischen Strombörse hat die Sorge vor höheren Stromtarifen für November verstärkt. In der vorliegenden Marktaufnahme lag der durchschnittliche Großhandelspreis eines Handelstages bei 247 Euro je Megawattstunde. Die Spannweite zwischen der günstigsten und der teuersten Stunde war enorm. Auch in mehreren südosteuropäischen Ländern wurden deutlich höhere Preise als in Deutschland registriert.
Die Zahlen beschreiben eine Marktsituation aus dem Oktober vor dessen Monatsende. Der genaue Handelstag wird in den Angaben nicht genannt. Sie sind deshalb keine aktuelle Preisnotierung für November und belegen für sich genommen auch noch keine tatsächlich erfolgte Erhöhung der Stromrechnungen.
Zwischen 0,01 und 406 Euro je Megawattstunde
Für den betrachteten Tag verzeichnete der griechische Day-Ahead-Markt einen Durchschnittspreis von 247 Euro je Megawattstunde (MWh). Der höchste Stundenpreis erreichte 406 Euro je MWh, der niedrigste betrug lediglich 0,01 Euro. Diese extreme Differenz zeigt, wie stark sich das Preisniveau je nach Stunde verändern konnte.
Für den Oktober wurde in der damaligen Zwischenbilanz ein durchschnittlicher Großhandelspreis von 172,94 Euro je MWh ausgewiesen. Im September waren es 156,31 Euro gewesen. Das entsprach einem Anstieg um 10,64 Prozent. Weil der Oktober zum Zeitpunkt dieser Berechnung noch nicht abgeschlossen war, handelte es sich ausdrücklich nicht um den endgültigen Monatsdurchschnitt.
Die Entwicklung ist besonders für die sogenannten grünen Stromtarife relevant. Bei deren Preisbildung für November spielt das Großhandelsniveau des Vormonats eine Rolle. Welche Mehrkosten tatsächlich bei Haushalten ankommen, hängt jedoch auch davon ab, wie die einzelnen Anbieter kalkulieren, welche Rabatte sie gewähren und wie viel von einem Kostenanstieg sie selbst tragen.
Erdgas prägt weiterhin den griechischen Strommix
Der für den betrachteten Zeitraum ausgewiesene Erzeugungs- und Importmix macht deutlich, weshalb der Strommarkt trotz eines hohen Anteils erneuerbarer Energien anfällig für Preisschwankungen bleibt. Auf erneuerbare Quellen entfielen den Angaben zufolge 42,84 Prozent, auf Erdgas 38,91 Prozent. Braunkohle beziehungsweise Lignit machte 6,28 Prozent aus, Importe 6,78 Prozent und Wasserkraft 3,55 Prozent.
Insbesondere der hohe Erdgasanteil kann die Preisbildung empfindlich gegenüber Veränderungen der internationalen Gaspreise machen. Hinzu kommt der starke Unterschied zwischen einzelnen Tagesstunden: Er zeigt, weshalb Stromspeicher für das System wichtig sind. Sie könnten einen Teil der günstigeren Produktion aus erneuerbaren Energien aufnehmen und in Stunden höherer Nachfrage bereitstellen.
In Ungarn 327 Euro, in Deutschland 196 Euro
Die Preisspitzen betrafen nicht nur Griechenland. Für denselben Marktvergleich wurden in Ungarn 327 Euro je MWh, in Serbien 317 Euro und in Rumänien 307 Euro genannt. Bulgarien lag bei 300 Euro, Albanien bei 255 Euro je MWh.
In Mittel- und Westeuropa waren die erfassten Preise niedriger: Für Deutschland wurden 196 Euro je MWh und für Frankreich 212 Euro angegeben. Damit zeigte der Vergleich ein deutliches Gefälle zwischen mehreren südosteuropäischen Strommärkten und den beiden großen westlichen Märkten.
Die Unterschiede bestehen trotz des europäischen Stromhandels und grenzüberschreitender Verbindungen. Begrenzte Übertragungskapazitäten, unterschiedliche Kraftwerksparks sowie regionale Verhältnisse von Angebot und Nachfrage beeinflussen die nationalen Preise. Für Südosteuropa gilt insbesondere der eingeschränkte Transport günstigeren Stroms aus anderen europäischen Märkten als Belastungsfaktor, wenn zugleich die Nachfrage und der Einsatz gasbetriebener Kraftwerke hoch sind.
Was die Großhandelspreise für Haushalte bedeuten
Der damalige Anstieg des Oktober-Durchschnitts ließ höhere Beschaffungskosten für Stromversorger erwarten und erhöhte den Druck bei der Kalkulation der November-Tarife. Eine Steigerung um 10,64 Prozent im Großhandel bedeutet allerdings nicht, dass die Endkundenpreise automatisch im gleichen Umfang steigen.
Versorger können solche Schwankungen je nach ihrer Geschäftspolitik teilweise auffangen oder durch Preisnachlässe abmildern. Bleiben die Großhandelspreise über längere Zeit hoch, wird dieser Spielraum tendenziell kleiner. Wie hoch die November-Rechnungen tatsächlich ausfallen, lässt sich aus den hier genannten vorläufigen Oktober-Daten allein nicht bestimmen.