Thessaloniki – Mit 258 Kinofilmen, 58 Online-Angeboten und internationalen Gästen beginnt am 5. November das 67. Filmfestival Thessaloniki. Bis zum 15. November stehen neben vier internationalen Wettbewerben Retrospektiven, griechische Produktionen, Serien und Veranstaltungen für das Publikum auf dem Programm. Zu den angekündigten Gästen gehören Fatih Akin, Laura Mulvey, Oliver Laxe und der dänische Schauspieler Claes Bang.
Die Vorführungen verteilen sich über mehrere Spielstätten: das Olympion mit dem Saal Pavlos Zannas, die Hafenkinsäle Frida Liappa, Tonia Marketaki, John Cassavetes und Stavros Tornes sowie das Kino Makedonikon. Zusätzlich sollen 58 Filme auf der digitalen Festivalplattform online.filmfestival.gr verfügbar sein. Der Ticketvorverkauf war für den 3. November angekündigt.
Eröffnung mit „Minotavros“, Abschluss am 15. November
Zum Auftakt steht am Donnerstag, dem 5. November, der Film „Minotavros“ des Regisseurs Andrei Swjaginzew auf dem Programm. Die Festivalankündigung bezeichnet ihn als Gewinner des Großen Preises der Jury in Cannes. Nach der Vorstellung ist in der Lagerhalle C am Hafen ein Konzert von Pavlos Pavlidis vorgesehen. Der Eintritt soll kostenlos sein, allerdings wird dafür ein Null-Euro-Ticket benötigt.
Für die Abschlussvorstellung am Sonntag, dem 15. November, ist „Agnosti gynaika“ von Mai el-Toukhy angekündigt. Der Film wird im Programm als Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig vorgestellt. Ebenfalls erwartet wird die Schauspielerin Mathilde Arcel, der die Festivalankündigung den Coppa Volpi für die beste weibliche Darstellung zuschreibt.
Fatih Akin, Laura Mulvey und Oliver Laxe unter den Gästen
Der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin soll nach Thessaloniki kommen, um seinen neuen Film vorzustellen. Zu den weiteren angekündigten Persönlichkeiten zählen der galicische Filmemacher Oliver Laxe, bekannt durch „Sirât“, die Filmtheoretikerin und Regisseurin Laura Mulvey, der türkische Regisseur Emin Alper sowie der dänische Schauspieler Claes Bang.
Mulvey erhält einen eigenen Programmschwerpunkt und soll über Blick, Begehren und visuelle Wahrnehmung im Kino sprechen. Kuratiert wird dieser Teil vom Festival gemeinsam mit Georgia Korosi, Digital Production Editor am British Film Institute und unabhängige Filmkuratorin. Für ein gemeinsames Publikumsgespräch sind außerdem Regisseurin Sara Driver, Schauspielerin Trine Dyrholm und Editor Giorgos Mavropsaridis vorgesehen, zusammen mit den Produzenten Konstantinos Kontovrakis und Rodrigo Areias.
Alper wird persönlich Filme aus seinem Werk vorstellen. Die Retrospektive reicht laut Programm von seinem Debüt „Pera ap’ ton lofo“ bis zu „Lytrosi“, dem jüngsten Film, der auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären als Sonderpreis der Jury ausgezeichnet wurde.
Goldener Alexander für Nikos Grammatikos und Stavros Xarchakos
Das Festival ehrt den Regisseur Nikos Grammatikos mit einem Goldenen Alexander für sein Lebenswerk. Geplant ist eine Werkschau mit sämtlichen Kurz- und Langfilmen. Dazu gehört „Exodos“ aus dem Jahr 1995, das dank einer Bereitstellung des ERT-Archivs erstmals auf großer Leinwand gezeigt werden soll. Ein Gespräch mit dem Regisseur und früheren Mitarbeitern, Schauspielern und Drehbuchautoren ergänzt das Programm.
Hinzu kommen die Buchpremiere von „Apontes, mia proforiki istoria“ des Journalisten und Autors Theodosis Michos, die Erinnerungen der Beteiligten versammelt, sowie eine Grammatikos gewidmete Ausgabe der Festivalpublikation „Proto Plano“ mit seltenen Fotos, einem ausführlichen Interview und neuen Texten zu seinem Werk.
Einen weiteren Goldenen Alexander für seinen kulturellen Beitrag erhält der Komponist, Dirigent und Arrangeur Stavros Xarchakos. Zu seinen Ehren wird „Rembetiko“ von Kostas Ferris gezeigt.
Von der Wüste bis zum Balkan-Horror
Den großen thematischen Schwerpunkt bildet „Willkommen in der Wüste“. Gastkurator Oliver Laxe hat dafür 17 Filme ausgewählt und soll ein öffentliches Gespräch führen. Im MOMUS-Experimentalzentrum für Kunst ist eine audiovisuelle Installation von Laxe zu sehen, die vom Madrider Museum Reina Sofía produziert wurde. Am westlichen Wachposten im Hafen entsteht zudem eine Wüsteninszenierung, kuratiert von Festivalleiter Orestis Andreadakis. Ergänzt wird sie durch Virtual-Reality-Arbeiten und eine zweisprachige Sonderpublikation.
Ein zweiter Schwerpunkt widmet sich dem Balkan-Horror. Die erweiterte Reihe „Survey Expanded“ innerhalb von „Meet the Neighbors+“ verbindet regionale Mythen und historische Geistergeschichten mit Familiengeheimnissen, transgenerationalen Traumata, Kultfilmen, B-Movies und ungewöhnlichen Genre-Mischungen. Auch hierzu erscheint eine zweisprachige Ausgabe.
Die Plakatgestaltung des Festivals beruht auf „spatial affects“ der Künstlerin Sofia Rozaki. Vier Festivalspots des Regisseurs Stavros Markoulakis erzählen in Fragmenten von Himmelskörpern, die sich um die Sonne bewegen.
54 griechische Filme und eine lange verschollene Produktion
Im griechischen Programm werden 26 Langfilme und 28 Kurzfilme vorgestellt. Zu den Sondervorführungen zählen die restaurierte Fassung von „Eva“ (1953) von Maria Plyta und „Charoumeno xekinima“ (1954) von Dinos Dimopoulos in Zusammenarbeit mit Finos Film.
Außerdem sind eine Vorpremiere von Alexis Alexious „Thalassa apo gyali“ (2026) und eine Vorstellung von Renos Charalambidis’ „To klassiko aristourgima“ (2026) im Kino Apollon vorgesehen. Einen besonderen Platz nimmt „Opera“ (1976) von Andreas Velissaropoulos ein: Von diesem seit rund drei Jahrzehnten verschollenen Werk wurde kürzlich Super-8-Drehmaterial entdeckt. Das Festival zeigt das Material und plant anschließend ein Gespräch mit ehemaligen Mitwirkenden und Filmwissenschaftlern.
Hinzu kommen preisgekrönte Kurzfilme des 49. Internationalen Kurzfilmfestivals Drama. Die griechischen Beiträge können darüber hinaus verschiedene unabhängige Preise gewinnen.
Vier internationale Wettbewerbe mit Preisgeldern
Im Wettbewerb Arrivals treten zehn Filme an, darunter drei griechische. Der Goldene Alexander „Theodoros Angelopoulos“ ist mit 10.000 Euro dotiert. Für den Silbernen Alexander für die beste Regie stehen 5.000 Euro bereit, unterstützt von TELEKOM. Hinzu kommen Auszeichnungen für männliche und weibliche Darsteller sowie für Drehbuch oder künstlerische Leistung.
Die Reihe Meet the Neighbors+ versammelt elf Filme, darunter zwei griechische und zwei zyprische. Der Goldene Alexander „Michel Demopoulos“ bringt ebenfalls 10.000 Euro ein. Der mit 5.000 Euro dotierte Silberne Alexander für Regie wird von der Stadt Thessaloniki unterstützt; weitere Preise betreffen Schauspiel und Drehbuch beziehungsweise künstlerische Leistung.
Bei Film Forward konkurrieren zehn Filme, darunter zwei griechische, um einen Goldenen Alexander mit 10.000 Euro und den Silbernen Alexander als Sonderpreis der Jury mit 5.000 Euro. Auch hier gibt es Auszeichnungen für Darsteller sowie für Drehbuch oder künstlerische Leistung. Acht Arbeiten treten im Wettbewerb Immersive an, dessen Goldener Alexander mit 2.000 Euro dotiert ist. Der Mermaid-Preis umfasst 3.000 Euro.
Weitere Programmbereiche heißen „Open Horizons“, „Special Screenings“ und die Mitternachtsreihe „’Round Midnight“. Im Smart7-Wettbewerb bewerben sich sieben Filme um einen mit 5.000 Euro dotierten Preis. Die neue Reihe „Taming Time“ beschäftigt sich mit ungewöhnlichen Erfahrungen des bewegten Bildes.
Serien, Podcasts und Veranstaltungen für junges Publikum
Die „Series Special Screenings“ präsentieren internationale und griechische Serien. Genannt werden unter anderem „Der Herr der Fliegen“, „Dear England“ und „Hände weg von El Raval“ sowie die griechischen Produktionen „Schedio Odysseas“ von Giorgos Gkikapeppas für Magenta TV und „Thalasses mas chorisane“ von Christos Dimas, eine Produktion von ERT und ERTFLIX.GR.
Für Schulen veranstaltet die Reihe NextGen kostenlose morgendliche Filmvorführungen im Saal Stavros Tornes sowie in Stavroupoli und Sykies in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Pavlos Melas und Neapoli-Sykies. Im Bereich „Kids / Teens Love Cinema“ haben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an beiden Festivalwochenenden bei den NextGen-Filmen freien Eintritt.
Auch Podcasts erhalten einen Wettbewerb: Acht griechischsprachige und zwei englischsprachige Produktionen treten um den mit 2.000 Euro dotierten Preis für den besten Podcast an. Weitere 13 Podcasts werden in der Reihe „Nexus“ präsentiert.
Am 14. November um 12:00 Uhr sollen im Saal Pavlos Zannas die Nominierungen für die Europäischen Filmpreise bekannt gegeben werden. Die eigentliche Preisverleihung ist für 2027 in Griechenland vorgesehen. Der Festivalmarkt „Agora“ unter der Schirmherrschaft von Botschafter Christoforos Papakaliatis bringt Film- und Serienfachleute aus verschiedenen Ländern zusammen. Projektteams können dort Geldpreise oder Sachleistungen gewinnen. Unterstützt wird die Agora durch Creative Europe MEDIA.
Barrierefreiheit und staatliche Unterstützung
Zum fünften Mal wird der mit 3.000 Euro dotierte Barrierefreiheitspreis der Alpha Bank vergeben. Er zeichnet eine Persönlichkeit oder einen Film aus, die oder der sich mit einem ungehinderten Zugang zu Kunst beschäftigt. Die beiden Filme „Apontes“ (1996) und „Nychtoloulouda“ (1999) von Grammatikos sollen in barrierefrei zugänglichen Fassungen zu sehen sein. Für 22 weitere Filme kündigt das Programm griechische Untertitel an.
Neben den zwei zweisprachigen Schwerpunktpublikationen erscheint der experimentelle „A-Katalog“. Das Festival wird unter anderem vom griechischen Parlament, dem Kulturministerium, Förderprogrammen für Zentralmakedonien und MEDIA sowie weiteren öffentlichen und privaten Partnern unterstützt.
Bei der Vorstellung des Programms am 29. Oktober hob der für zeitgenössische Kultur zuständige stellvertretende Kulturminister Iasonas Fotilas die internationale Bedeutung der Veranstaltung hervor. Er verwies dabei auf die von ihm genannte staatliche Investitionsstrategie „Greece on Screen“ im Umfang von 750 Millionen Euro für Film und audiovisuelle Produktionen. Festivalleiter Andreadakis und sein Team erhielten für die Vorbereitung der 67. Ausgabe besondere Anerkennung.
Mit Informationen von: Internationales Filmfestival Thessaloniki, griechisches Kulturministerium.