Griechenland – Die geplante Stromverbindung zwischen Griechenland und Deutschland hat eine erste planerische Etappe erreicht. Der griechische Übertragungsnetzbetreiber ADMIE hat gemeinsam mit Grant Thornton eine Vorstudie zur Machbarkeit abgeschlossen. Für das Projekt, das Strom zwischen Südost- und Mitteleuropa transportieren soll, werden Baukosten von bis zu 15 Milliarden Euro veranschlagt. Eine endgültige Investitionsentscheidung steht allerdings noch aus.
Auf Grundlage der Vorstudie kann das Vorhaben nun vertieft technisch und wirtschaftlich untersucht werden. Erste Ergebnisse deuteten auf mögliche Vorteile für beide Länder und für das europäische Stromsystem insgesamt hin, sagte Kostas Tsirekis, bei ADMIE für Strategie und Netzentwicklungsplanung zuständig, am Montag beim Kongress Green Deal 2026 der Technischen Kammer Griechenlands. Die Verbindung sei bereits im zehnjährigen Netzentwicklungsplan des europäischen Übertragungsnetzbetreiberverbands ENTSO-E berücksichtigt.
Solarstrom aus Griechenland, Windenergie aus der Nordsee
Eine zentrale Idee ist der Stromtransport in beide Richtungen. Bei hoher Solarstromproduktion könnte Griechenland größere Mengen Elektrizität nach Deutschland liefern. In Stunden, in denen die griechische Erzeugung die Nachfrage nicht deckt – etwa abends nach dem Rückgang der Photovoltaikproduktion –, könnten umgekehrt Strommengen aus der Windenergie der Nordsee nach Griechenland fließen.
Giorgis Messinis von Grant Thornton erläuterte, dass der Nutzen über den direkten Stromhandel zwischen den beiden Ländern hinausgehen könne. Zusätzliche grenzüberschreitende Übertragungskapazitäten könnten helfen, verfügbare Erzeugung in verschiedenen Teilen Europas besser einzusetzen und Unterschiede zwischen den nationalen Stromsystemen auszugleichen. Es handelt sich dabei um erwartete Wirkungen aus der Vorstudie, nicht um bereits realisierte Vorteile.
Wer trägt die Kosten eines europaweit nützlichen Projekts?
Eine wesentliche offene Frage ist die Finanzierung. Messinis wies darauf hin, dass die Kosten einer Verbindung möglicherweise vor allem von den beteiligten Ländern getragen würden, während weitere europäische Strommärkte ebenfalls davon profitieren könnten. Das derzeitige Regelwerk bilde solche grenzüberschreitenden Effekte nach seiner Einschätzung nicht ausreichend ab.
Bei einem möglichen Investitionsvolumen von 15 Milliarden Euro erhält die Verteilung der Kosten besonderes Gewicht. Diskutiert werden müsse, ob und wie auch Staaten, die eine solche Leitung nicht selbst bauen, sich aber Vorteile von den zusätzlichen Stromflüssen versprechen, an der Finanzierung beteiligt werden könnten. Ein beschlossenes Finanzierungsmodell wurde nicht vorgestellt.
ADMIE plant weitere Stromverbindungen und Investitionen von neun Milliarden Euro
Die Deutschland-Verbindung gehört zu einer größeren Reihe grenzüberschreitender Vorhaben. Bis 2031 sollen weitere Verbindungen mit Nachbarstaaten, darunter der Türkei und Albanien, vorangetrieben werden. Die zweite Stromverbindung zwischen Griechenland und Italien soll nach derzeitiger Planung 2033 fertig werden und die Übertragungskapazität zwischen beiden Ländern verdreifachen. Außerdem laufen die Verfahren für den Great Sea Interconnector (GSI) zwischen Griechenland, Zypern und Israel weiter.
Unabhängig von der möglichen 15-Milliarden-Euro-Verbindung mit Deutschland umfasst der zur öffentlichen Konsultation stehende zehnjährige Entwicklungsplan von ADMIE Investitionen von rund neun Milliarden Euro in das griechische Übertragungsnetz. Ein Schwerpunkt ist die Anbindung der Inseln an das Festland.
Die vierte und letzte Stromanbindung der Kykladen soll bis Ende 2026 fertiggestellt werden. Für Verbindungen zu den Dodekanes und zur nordöstlichen Ägäis laufen Vergabeverfahren; die Fertigstellung ist bis 2030 vorgesehen. Bei den Dodekanes wird die Unterzeichnung eines Kabelauftrags im Wert von 1,4 Milliarden Euro in den kommenden Tagen erwartet. Die Angebote für die Konverterstationen werden geprüft, während die Genehmigung einer Rahmenvereinbarung für Unterseekabel durch den griechischen Rechnungshof noch aussteht.
Für ein weiteres Verbindungsprojekt ist die Einreichung einer Umweltverträglichkeitsstudie in den nächsten Wochen vorgesehen. Die beteiligten Seiten haben sich nach den vorliegenden Angaben darauf verständigt, die Ausschreibungen im Sommer 2027 zu beginnen.
48 Gigawatt erneuerbare Energie warten auf Prüfung
Der Ausbau der Stromnetze steht auch im Zusammenhang mit der starken Entwicklung erneuerbarer Energien in Griechenland. Nach den von Tsirekis vorgestellten Zahlen entfallen auf laufende Projekte und Anlagen mit bereits gesicherten Netzanschlussbedingungen zusammen 33,7 Gigawatt. Davon befinden sich 20,7 Gigawatt in Betrieb; die übrigen Projekte verfügen über Anschlussbedingungen, erzeugen aber nicht notwendigerweise schon Strom.
Zusätzlich liegen bei ADMIE Anträge für weitere Vorhaben mit einer Gesamtleistung von rund 48 Gigawatt zur Prüfung vor. Diese Zahlen stehen einem griechischen Spitzenstrombedarf von etwa elf Gigawatt gegenüber; während vieler Stunden am Tag liegt die Nachfrage lediglich bei sechs bis sieben Gigawatt. Sie verdeutlichen die Größenordnung der Anforderungen an Netzausbau, Lastmanagement und Speicher, ohne dass sich beantragte Leistung mit tatsächlich verfügbarer Erzeugung gleichsetzen ließe.
ADMIE prüft darüber hinaus eine Stromverbindung mit Saudi-Arabien. Zugleich unterstützt der Netzbetreiber das von Elika vorangetriebene Verbindungsprojekt zwischen Griechenland und Ägypten und interessiert sich laut Tsirekis für eine Beteiligung am Kapital. Die geplante Verbindung mit Ägypten würde die internationale Übertragungskapazität Griechenlands um drei Gigawatt erhöhen.
Speicher und Regeln für die Abregelung erneuerbarer Energien
Das griechische Umwelt- und Energieministerium will den Ausbau von Stromspeichern beschleunigen. Energiestaatssekretärin Despoina Paliarouta nannte als Ziel, dass Speicherprojekte mit insgesamt drei bis vier Gigawatt bis Ende 2028 verbindliche Netzanschlussangebote erhalten. Das bedeutet nicht, dass diese Leistung bis dahin bereits installiert sein muss. Ein Ministerialbeschluss zur Priorisierung von Speicherprojekten bei der Anschlussvergabe wird noch in dieser Woche erwartet.
Die tatsächlich in Betrieb befindliche Speicherleistung liegt den vorgestellten Angaben zufolge inzwischen bei knapp 700 Megawatt, verglichen mit lediglich 32 Megawatt im März. Bis Ende 2026 wird ein Anstieg auf ein Gigawatt und bis Mitte 2027 auf 1,5 Gigawatt erwartet.
Offen ist zudem die Ausgestaltung eines Mechanismus zur Neuverteilung von Abregelungen, also von Einschränkungen der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Anlagen. Das Ministerium prüft noch, ob Erzeuger rückwirkend entschädigt werden könnten. Paliarouta zufolge soll eine Empfehlung an die politische Leitung bis Mitte Dezember 2026 vorliegen, damit bis Jahresende ein erster vollständiger Plan für den Mechanismus verfügbar ist.
Parallel führt das Ministerium Gespräche mit der Europäischen Kommission über ein neues System laufender Förderung für erneuerbare Energien. Dabei werden nach Technologie und Projektgröße unterschiedliche Anreize erwogen. Besonderes Augenmerk gilt kleineren, bereits vor Jahren installierten Photovoltaikanlagen, deren Erzeugung inzwischen durch Abregelungen beeinträchtigt wird. Für sie wird ein befristetes Übergangsmodell mit vorgezogenen Förderzahlungen diskutiert. Die Beratungen mit Vertretern der Stromerzeuger und der Griechischen Bankenvereinigung dauern an.
Mit Informationen von: Griechischer Übertragungsnetzbetreiber ADMIE, Grant Thornton, griechisches Umwelt- und Energieministerium.