Griechenland – Zwei Jahre nach dem Start der griechischen Direktion zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (DAOE) ziehen die Behörden Bilanz: Nach ihren Angaben wurden 260 kriminelle Organisationen und Gruppen zerschlagen und rund 3.300 Verdächtige festgenommen. Die landesweit als „griechisches FBI“ bekannte Polizeieinheit ist seit dem 21. Oktober 2024 im Einsatz. Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum bis zum 26. Oktober 2026.
Insgesamt befassten sich die Zentrale und ihre regionalen Dienststellen nach der vorgelegten Statistik mit mehr als 1.500 Fällen schwerer und organisierter Kriminalität. Im Zusammenhang mit aufgeklärten Fällen wurden gegen etwa 5.500 Personen strafrechtliche Vorwürfe erhoben. Rund 3.300 von ihnen wurden festgenommen und der Justiz überstellt; 814 kamen in Untersuchungshaft. Diese Angaben beschreiben Ermittlungs- und Verfahrensstände, nicht rechtskräftige Verurteilungen.
Ermittlungen von Drogenhandel bis zu illegalen Zigaretten
Die nach Behördenangaben aufgedeckten Netzwerke waren unter anderem in Drogenhandel, schwerere Diebstähle, Raubüberfälle, Betrug und Schmuggel verwickelt. Die Ermittlungen betrafen außerdem Tötungsdelikte, Strukturen der sogenannten Greek Mafia, Gewalt im Sportumfeld und den Handel mit illegalen Zigaretten.
Den offiziellen Angaben zufolge übersteigt der Schaden, den die zerschlagenen Organisationen dem griechischen Staat verursacht haben sollen, 500 Millionen Euro. Diese Summe bezeichnet den angegebenen Schaden, nicht sichergestellte oder zurückgezahlte Gelder. Die Bilanz schreibt der Arbeit der DAOE auch einen Rückgang des Konsums geschmuggelter Zigaretten in Griechenland um zehn Prozent zu, während in anderen EU-Staaten ein Anstieg festgestellt worden sei. Ein genauer Vergleichszeitraum wird in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Unter den zuletzt besonders diskutierten Ermittlungen sind auch Fälle, bei denen die Namen Pizza FAN und der Bäckereikette To Choriatiko genannt wurden. Aus der Nennung dieser Unternehmen ergibt sich keine Feststellung strafrechtlicher Verantwortung.
Sitz in Athen, Einheiten in Thessaloniki und auf Kreta
Die DAOE nahm ihre Arbeit am 21. Oktober 2024 auf. Ihr Hauptsitz befindet sich in Athen; weitere Einheiten arbeiten in Thessaloniki und seit Kurzem auch auf Kreta. Die spezialisierte Direktion verfügt über eigenes Fachpersonal und operative Mittel für Ermittlungen gegen komplexe kriminelle Netzwerke. An ihrer Spitze steht Generalmajor Fotis Ntouitsis.
Nach Angaben von Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis war die Einrichtung der Einheit ein langfristiges Vorhaben, das er nach seiner Rückkehr ins Ministerium in Abstimmung mit Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis umgesetzt habe. An der Ausarbeitung des institutionellen Rahmens waren demnach zwei Richter und erfahrene Polizeioffiziere beteiligt. Dabei habe man sich auch an der Erfahrung europäischer und internationaler Polizeiorganisationen orientiert.
Chrysochoidis begründet den Aufbau der spezialisierten Dienststelle mit der Bedrohung, die organisierte Kriminalität aus seiner Sicht für demokratische Institutionen, Wirtschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellt. In einem Interview kritisierte er, dass ein unzureichend organisierter Staat solchen Strukturen nicht wirksam begegnen könne. Der Minister versicherte den Angehörigen der DAOE seine Unterstützung.
Jubiläumsveranstaltung am 3. November
Die zweijährige Tätigkeit der Einheit soll am 3. November 2026 um 18:00 Uhr im Athener Konzerthaus gewürdigt werden. Laut Programm nehmen Staatspräsident Konstantinos Tasoulas und Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis an der Veranstaltung des Bürgerschutzministeriums und der griechischen Polizei teil. Dort sollen auch die bisherigen Arbeitsergebnisse der DAOE vorgestellt werden.
Mit Informationen von: Griechische Polizei, griechisches Ministerium für Bürgerschutz.