Griechenland – Die anhaltende Preisrallye an den internationalen Energiemärkten zwingt die europäischen Regierungen zu raschem Handeln. Vor dem Hintergrund stark steigender Kosten für Öl und Gas verdichten sich die Anzeichen für neue staatliche Eingriffe zur Entlastung von Haushalten und Unternehmen. Während beim Treffen der Eurogruppe am Freitag in Dublin die makroökonomischen Folgen für die Eurozone debattiert werden, rücken in Deutschland und Griechenland konkrete nationale Hilfspakete in den Fokus. Die Bundesregierung zieht eine drastische Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe in Betracht, während Athen gezielte Subventionen für Heizöl und Strom vorbereitet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eurogruppe tagt in Dublin: Maßnahmen gegen die Preisexplosion bei Öl und Gas sowie die Abwehr neuer Inflationsrisiken stehen im Mittelpunkt.
- Deutschland prüft Steuerschnitt: Wirtschaftsministerin Reiche zieht eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent in Erwägung.
- Griechenland plant Hilfspaket: Athen mobilisiert bis zu 200 Millionen Euro für höhere Heizkostenzuschüsse und einen möglichen neuen „Fuel Pass“.
Eurogruppe unter Druck: Steigende Energiekosten gefährden die Wirtschaft
Die Nervosität in den europäischen Hauptstädten wächst. Die Gesellschaften in weiten Teilen Europas reagieren mit Unruhe auf die neue Welle der Preissteigerungen. Beim anstehenden Treffen der Eurogruppe in Dublin, das unter der Leitung des griechischen Wirtschafts- und Finanzministers Kyriakos Pierrakakis stattfindet, steht die Abwehr dieser Risiken ganz oben auf der Agenda. Gemäß der institutionellen Vorabinformation werden die Finanzminister die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen analysieren.
Die zentrale Befürchtung der europäischen Entscheidungsträger ist ein Übergreifen der hohen Energiekosten auf die breiten Produkt- und Dienstleistungspreise. Ein solcher Spillover-Effekt würde den Inflationsdruck in der Eurozone massiv anheizen. Das erklärte Ziel der Regierungen besteht darin, die wirtschaftliche Aktivität zu stützen und den Preisdruck zu dämpfen. Gleichzeitig müssen neue Verletzungen der Fiskalregeln des Stabilitätspakts zwingend vermieden werden. Die finanzpolitischen Spielräume der Mitgliedsstaaten dürfen nicht überstrapaziert werden.
Deutschland: Mögliche Mehrwertsteuersenkung auf Benzin und Diesel
Die Debatte um die Entlastung der Verbraucher hat in Deutschland eine hohe politische Brisanz erreicht. Ein entscheidender Faktor für die Endpreise an den Tankstellen ist die hohe Belastung durch indirekte Steuern. In diesem Kontext hat die deutsche Wirtschaftsministerin Katerina Reiche eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent ins Spiel gebracht. Dieser Schritt soll die Autofahrer spürbar und direkt an der Zapfsäule entlasten.
Reiche äußerte sich zu diesen Plänen am Rande des Treffens der G20-Energieminister im texanischen Houston. Die Bundesregierung steht aktuell unter erheblichem innenpolitischem Druck. Angesichts der am Wochenende anstehenden Regionalwahlen sorgen die hohen Spritpreise für Unmut in der Bevölkerung. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnte der Ausgang dieser Wahlen den politischen Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz weiter verschärfen.
Andere Formen von Markteingriffen lehnt Berlin jedoch kategorisch ab. Wirtschaftsministerin Reiche positionierte sich strikt gegen die Einführung einer staatlichen Preisobergrenze für Kraftstoffe und bezeichnete dies als den falschen Ansatz. Auch einer möglichen Sondersteuer für Energiekonzerne, der sogenannten Übergewinnsteuer, erteilte sie eine klare Absage.
Griechenlands finanzieller Spielraum für neue Entlastungen
In Griechenland bereitet sich die Regierung intensiv auf die kommenden Wintermonate vor. Wirtschafts- und Finanzminister Pierrakakis bestätigte, dass das Land über den nötigen fiskalischen Spielraum verfügt, um die Gesellschaft vor dem plötzlichen Anstieg der Energiekosten zu schützen. Die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft müsse sich nun in einer realen Entlastung der Bürger niederschlagen, insbesondere bei den Ausgaben für Familienbudgets, Mobilität und den Betriebskosten von Unternehmen. Die endgültigen Beschlüsse zum Heizöl und weiteren Herausforderungen sollen im Oktober gefasst werden.
Regierungssprecher Pavlos Marinakis bestätigte diese Linie in einem Radiointerview beim Sender Real Fm. Er betonte, dass fortlaufend Krisensitzungen stattfinden und die finalen Entscheidungen zur Bekämpfung der Inflationskrise bis Ende September fallen werden. Aktuellen Informationen zufolge beläuft sich die verfügbare Haushaltsreserve für diese neuen Maßnahmen auf etwa 150 bis 200 Millionen Euro.
Heizkostenzuschuss und Strompreise im Fokus der Athener Regierung
Das Ausmaß der griechischen Interventionen hängt maßgeblich von der Dauer der internationalen Preisrallye ab. Handelt es sich lediglich um ein temporäres Phänomen, werden die Maßnahmen anders kalibriert als bei einer anhaltenden Energiekrise. Bislang hat Athen bereits rund 800 Millionen Euro zur Bewältigung der vorherigen Preiswellen mobilisiert. Zu den noch aktiven Instrumenten gehört ein staatlicher Zuschuss von 10 Cent pro Liter Dieselkraftstoff.
Nach einer hochrangigen Sitzung unter der Leitung des Premierministers im Megaro Maximou kristallisierten sich weitere Schwerpunkte heraus. Auf dem Tisch liegt die Verlängerung oder sogar Aufstockung der bestehenden Dieselsubvention. Sollten die Kraftstoffpreise dauerhaft hoch bleiben, wird auch die Wiedereinführung eines gezielten Fuel Pass erwogen. Bei der elektrischen Energie plant die Regierung Eingriffe, um zu verhindern, dass die gestiegenen Großhandelspreise ungedämpft auf die Stromrechnungen der Endkunden durchschlagen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Heizkostenzuschuss. Die Regierung prüft eine Erhöhung der Förderbeträge sowie eine Anpassung der Zuteilungskriterien an die aktuellen klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Derzeit variiert der Zuschuss in Griechenland zwischen 100 und 800 Euro. In Gebieten mit extrem niedrigen Temperaturen kann die finanzielle Hilfe sogar bis zu 1.200 Euro erreichen. Ob und in welchem Umfang diese Summen fließen, wird sich an der tatsächlichen Entwicklung der internationalen Energienotierungen in den kommenden Wochen entscheiden.