Griechenland – Der Absturz einer F-4 Phantom während der Athens Flying Week in Tanagra, bei dem zwei erfahrene Piloten der griechischen Luftwaffe ums Leben kamen, rückt die Flugsicherheit des Landes in den Fokus. In den vergangenen zehn Jahren verloren in Griechenland 50 Menschen bei Unfällen mit Militärjets, Löschhubschraubern und Privatmaschinen ihr Leben. Die untersuchten Vorfälle offenbaren, dass neben den anspruchsvollen Einsatzbedingungen auch die Zunahme der privaten Luftfahrt eine wesentliche Rolle bei der Häufung dieser Unglücke spielt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Innerhalb der letzten zehn Jahre kamen in Griechenland 50 Personen bei Flugunfällen ums Leben.
- Allein die griechische Luftwaffe verzeichnete seit 1990 über 130 Todesopfer und fast 100 verlorene Flugzeuge.
- Im Jahr 2026 wurden bereits drei schwere Unfälle registriert, darunter der Absturz eines Militärjets und zweier Hubschrauber.
Historische Bilanz: Militärische und zivile Luftfahrt schwer getroffen
Die offiziellen Aufzeichnungen und Berichte verdeutlichen das Ausmaß der Verluste in der Luft. Seit 1990 hat allein die griechische Luftwaffe mehr als 130 Menschenleben zu beklagen und nahezu 100 Flugzeuge verloren. Auch die anderen Teilstreitkräfte sind betroffen: Die Heeresflieger verzeichneten 26 Tote und den Verlust von acht Hubschraubern, während bei der Marinefliegertruppe neun Todesopfer und drei zerstörte Helikopter gemeldet wurden.
Luftfahrtexperten sind sich einig, dass der menschliche Faktor die Hauptursache für die meisten Flugunfälle bleibt. Bis zum Jahr 2023 war die Behörde EDAAP für die Untersuchung solcher Vorfälle in Griechenland zuständig. Inzwischen wurde sie in die EODASAAM eingegliedert, jene nationale Untersuchungsstelle für Flug- und Eisenbahnunfälle, die durch das Eisenbahnunglück von Tempi weitreichende Bekanntheit erlangte. Laut den Ermittlern tragen oftmals nicht eingehaltene Sicherheitsvorschriften in der wachsenden privaten Luftfahrt zu den Tragödien bei.
Die Chronologie der Abstürze: Von Kalavryta bis Kavala
Die Liste der tödlichen Zwischenfälle im letzten Jahrzehnt ist lang. Im Oktober 2016 stürzte eine Cessna 172 bei dichtem Nebel in der Bergregion östlich von Kalavryta ab; beide Insassen starben. Wenige Monate später, im April 2017, ereignete sich einer der schwersten militärischen Flugunfälle der jüngeren Geschichte: Ein Huey-Hubschrauber des Heeres kollidierte bei Sarantaporo während eines Routineflugs bei schlechter Sicht mit Stromleitungen. Vier Offiziere kamen ums Leben, eine Unteroffizierin überlebte als Einzige.
Ebenfalls durch den Kontakt mit Stromleitungen stürzte im Juni 2017 ein Sprühhubschrauber in Schinias ab, was zwei Menschenleben forderte. Im selben Monat starben zwei Personen beim Absturz eines Kleinflugzeugs in Dendra bei Larisa. Das Jahr 2018 war geprägt von weiteren Verlusten: Im April stürzte eine Mirage 2000-5 nordöstlich von Skyros ab, wobei der Pilot G. Baltadoros starb. Im August verunglückte ein T-2 Buckeye Trainingsflugzeug nördlich von Sparta. Während sich der Co-Pilot per Schleudersitz retten konnte, wurde Pilot N. Vasileiou tot aufgefunden.
Ein juristisches Nachspiel hatte der Absturz eines Hubschraubers im August 2019 vor der Insel Poros. Die Maschine, die von Galatas nach Athen unterwegs war, kollidierte mit Mittelspannungsleitungen. Alle drei Insassen starben. Ein Gericht urteilte später, dass der Stromnetzbetreiber DEDDIE trotz vorheriger Warnungen keine ausreichenden Markierungsmaßnahmen an den Leitungen vorgenommen hatte.
Schwere Unfälle in den 2020er Jahren
Auch im aktuellen Jahrzehnt riss die Kette der Unglücke nicht ab. Im September 2021 stürzte eine aus Israel kommende Cessna vor Samos ins Meer. Der Sommer 2022 brachte einen besonders verheerenden Frachtflugzeugabsturz mit sich: Eine Antonow An-12 der Gesellschaft Meridian, unterwegs von Serbien nach Bangladesch, versuchte nach einem Triebwerkschaden in Kavala notzulanden, zerschellte jedoch bei Antifilippi. Keines der acht Besatzungsmitglieder überlebte.
Im Jahr 2023 verlor die Luftwaffe zwei weitere Piloten, als eine F-4 Phantom bei einer Trainingsmission über dem Ionischen Meer abstürzte. Im September desselben Jahres verunglückte ein Kleinflugzeug nahe dem Aeroclub von Theben. Laut dem Jahresbericht der Zivilluftfahrtbehörde (APA) für 2024 wurden in jenem Jahr sechs Unfälle registriert, von denen zwei tödlich endeten.
Die tragische Bilanz des Jahres 2026
Das laufende Jahr 2026 verzeichnet bereits drei tödliche Ereignisse in der Luft. Während der Löscharbeiten bei einem Großbrand in der Region Psatha kollidierten zwei Löschhubschrauber in der Luft. Dabei starben ein dänischer Pilot und sein griechischer Verbindungsoffizier. Nur wenige Tage später stürzte ein Bell 206 Hubschrauber auf der Insel Sifnos ab. Bei diesem Unglück, das sich kurz nach dem Start ereignete, verloren der 55-jährige griechische Pilot und ein britisches Ehepaar auf Hochzeitsreise ihr Leben. Der jüngste Vorfall mit der F-4 Phantom in Tanagra bildet den vorläufigen Tiefpunkt dieser andauernden Serie an Flugunfällen in Griechenland.