Griechenland – Die aufkommende Sorge vor vermeintlich gefährlichen Meeresbewohnern an griechischen Küsten entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Wie die griechische Umweltorganisation iSea klarstellt, basieren aktuelle Berichte über angebliche Angriffe von Hasenköpfen (Kugelfischen) und Haien auf Badegäste auf unbestätigten Informationen und gezielter Panikmache in den sozialen Netzwerken. Für Urlauber und Einheimische bestehe beim Schwimmen im Meer keinerlei Gefahr durch unprovozierte Attacken.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Es gibt laut Experten keine dokumentierten Fälle von unprovozierten Kugelfisch-Angriffen auf Badegäste in Griechenland.
- Die Begegnungen von Menschen und Haien im Mittelmeer sind extrem selten, während die Bestände der Raubfische drastisch sinken.
- Um auf das reale Problem invasiver Arten aufmerksam zu machen, findet in Thessaloniki ein Streetfood-Festival mit essbaren Blaukrabben statt.
Keine grundlosen Angriffe durch Kugelfische
Die Kommunikationsverantwortliche der Organisation iSea, Anastasia Charitou, bezeichnete die jüngste Aufregung als völlig ungerechtfertigt. Es gebe keine aufgezeichneten Vorfälle von Angriffen auf Schwimmer. Bekannt gewordene Vorkommnisse auf Kalymnos und in Zypern seien ausschließlich darauf zurückzuführen, dass die Fische in flache Gewässer geraten seien und von Badegästen gefüttert oder gestreichelt wurden. Ein solches Verhalten, das teils in Bissen endete, sei nicht als Angriff, sondern als Belästigung von Wildtieren einzustufen. Auch für Speerfischer bestehe keine direkte Gefahr durch den Hasenkopf; die Tiere würden sich lediglich für die bereits gefangenen Fische interessieren, die Taucher an ihrer Seite mitführen.
Rückläufige Hai-Populationen statt vermeintlicher Hotspots
Ähnlich verhält es sich mit der Verbreitung von Nachrichten über Haie. Die Organisation verweist auf eine 80 Jahre andauernde, unbegründete Angst, die oft durch sensationslüsterne Berichte angeheizt werde. Aktuell kursierende Karten, die angebliche “Hai-Hotspots” in Griechenland zeigen, seien schlichtweg falsch. Die Realität sehe anders aus: Die Populationen vieler Hai- und Rochenarten im Mittelmeer verzeichnen seit Jahrzehnten einen drastischen Rückgang. Eine wissenschaftliche Publikation der Universität Patras belegt zudem, dass Interaktionen zwischen Menschen und Haien in den griechischen Meeren heute noch seltener sind als in der Vergangenheit. Die scheinbare Häufung von Sichtungen sei lediglich der Tatsache geschuldet, dass heute jede Begegnung sofort gefilmt und in den sozialen Medien massenhaft geteilt werde.
Die Umweltschützer mahnen, die öffentliche Diskussion auf die tatsächlichen Bedrohungen für die marinen Ökosysteme zu lenken. Dazu zählten die Klimakrise, die Meeresverschmutzung, die Überfischung sowie die massenhafte Ausbreitung invasiver Arten. Hierfür seien wissenschaftlich fundierte Konzepte und eine einheitliche nationale Managementstrategie erforderlich, anstatt sich auf mediales Aufsehen zu konzentrieren.
Essbare Alternative: Blaukrabben-Festival in Thessaloniki
Während der extrem toxische Kugelfisch auf keinen Fall verzehrt werden darf, bietet eine andere invasive Art, die Atlantische Blaukrabbe, einen kulinarischen Lösungsansatz. Um die Ausbreitung dieses Tieres einzudämmen und gleichzeitig das Ökosystem zu entlasten, fördert iSea den gezielten Verzehr. Zu diesem Zweck findet heute in Thessaloniki das fünfte Blaukrabben-Festival statt.
Die Veranstaltung wird an der Nea Paralia (Neue Uferpromenade) vor den bekannten Zongolopoulos-Schirmen ausgetragen. Zwischen 19:00 und 23:00 Uhr bereiten Köche in Zusammenarbeit mit dem Verein “Street Foods in Greece” kostenlose Gerichte aus Krabbenfleisch zu. Das Unternehmen Forkys Foods stellte dafür rund 30 Kilogramm Fleisch zur Verfügung, aus dem Salate, Tortillas und knusprige Pitas kreiert werden. Vor Ort informieren Mitarbeiter über die Auswirkungen invasiver Arten auf das Mittelmeer, unterstützt durch Vertreter des zypriotischen Programms Fish the Alien. Die Umweltorganisation incommon kümmert sich parallel um die Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Das Festival wird durch den staatlichen Grünen Fonds mit einem Budget von 13.900 Euro finanziert.