Griechenland – Die Gastronomie hat sich für den schwedischen Möbelgiganten in Griechenland von einer unterschätzten Begleiterscheinung zu einem zentralen Umsatztreiber entwickelt. Mit Millionen verkauften Portionen der berühmten schwedischen Fleischbällchen und Hot Dogs erwirtschaften die Restaurants in den Filialen mittlerweile einen signifikanten Anteil des Gesamtumsatzes. Dabei dient das Gastronomieangebot weit mehr als nur der Verpflegung – es ist ein strategisches Instrument zur Kundenbindung in einem Markt, in dem der Einzelhandel zunehmend mit digitalen Unterhaltungsangeboten um die Freizeit der Konsumenten konkurriert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Gastronomie macht 7 Prozent des Gesamtumsatzes von IKEA in Griechenland aus, was etwa 26 Millionen Euro entspricht.
- Jährlich verkauft das Unternehmen in Griechenland über 4,3 Millionen Köttbullar und mehr als 900.000 Hot Dogs.
- Rund 17 Prozent der Besucher kommen ausschließlich wegen des Restaurantangebots in die Filialen.
Vom unterschätzten Konzept zum Millionen-Umsatz
Als die griechische Fourlis-Gruppe im Jahr 2001 das erste IKEA-Einrichtungshaus in Griechenland eröffnete, schätzte das Management die Dynamik des Lebensmittelbereichs noch völlig falsch ein. Das Unternehmen ging davon aus, dass die griechische Bevölkerung mit ihrer stark ausgeprägten eigenen Esskultur kaum schwedische Fleischbällchen oder Lachsgerichte annehmen würde. Die Restaurantflächen wurden daher bewusst klein gehalten. Diese Einschätzung erwies sich jedoch bereits am ersten Eröffnungstag als Fehlkalkulation.
Ein Vierteljahrhundert später sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Wie die Kommunikationsdirektorin von IKEA Griechenland, Ada Gianneski, auf dem M.O.RE Summit des griechischen Einzelhandelsverbandes SELPE präsentierte, steuert die Gastronomie heute 7 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Da der Jahresumsatz der Fourlis-Gruppe im Segment Haushaltsausstattung im Jahr 2025 bei 369,5 Millionen Euro lag, entspricht dieser Anteil beeindruckenden Einnahmen von rund 26 Millionen Euro.
Köttbullar als strategischer Umsatztreiber
Besonders bemerkenswert ist das Besucherverhalten: Etwa 17 Prozent der Kunden betreten die Einrichtungshäuser primär, um dort zu essen. Das Restaurantkonzept ist jedoch keine reine Parallelaktivität, sondern strategisch fest in die sogenannte Customer Journey integriert. Die gastronomischen Bereiche sind architektonisch so platziert, dass Kunden nach dem Rundgang durch die Möbelausstellung eine Pause einlegen können, bevor sie ihre Einkäufe in der Markthalle fortsetzen.
Wie Gianneski auf dem Branchengipfel erläuterte, verweilen Kunden, die das Gastronomieangebot nutzen, messbar länger im Geschäft und generieren letztlich auch höhere Warenkörbe. Das Unternehmen verkaufe keine Möbel, sondern Lösungen für den Alltag, und dieser beginne laut der Kommunikationsdirektorin traditionell am Esstisch.
Kampf um die Zeit der Konsumenten
Die Bedeutung des Restaurants geht laut den Verantwortlichen über den bloßen Verkauf von Speisen hinaus. Der moderne Einzelhandel konkurriere heute nicht mehr ausschließlich mit anderen Handelsketten, sondern direkt mit Unterhaltungsangeboten wie Netflix, TikTok oder dem Kino. Es gehe nicht mehr nur um das Budget der Konsumenten, sondern vor allem um deren Zeit.
In diesem Umfeld werde das Einkaufserlebnis zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Während Produkte, Preise und Technologien von Konkurrenten leicht kopiert werden könnten, sei eine emotionale Kundenerfahrung nur schwer nachahmbar. Ziel sei es, positive Erinnerungen zu schaffen, denn jeder Bissen stärke die Marke IKEA auf einer psychologischen Ebene.
Keine eigenständigen Restaurants geplant
Trotz des enormen Erfolgs der schwedischen Spezialitäten in Griechenland plant das Unternehmen keine Ausgliederung der Gastronomie. Auf der diesjährigen Hauptversammlung der Fourlis-Gruppe erteilte der Vorstandsvorsitzende Giannis Vassilakos entsprechenden Aktionärsfragen eine klare Absage. Obwohl die Restaurants theoretisch erfolgreich als eigenständige Betriebe am Markt agieren könnten, passe ein solches Modell nicht zur strategischen Ausrichtung – weder von IKEA global noch vom lokalen Franchisenehmer Fourlis.