Griechenland – Der griechischen Gastronomie steht eine drastische Konsolidierungswelle bevor. Branchenbeobachter und Wirtschaftsanalysten prognostizieren, dass bis März 2027 landesweit etwa zehn Prozent aller Cafés und Gastronomiebetriebe schließen müssen. Ein massiv gestiegenes Betriebskostenaufkommen, die gesunkene Kaufkraft der Konsumenten sowie die strikte Durchsetzung neuer Arbeitsmarktregulierungen entziehen vielen Betrieben die wirtschaftliche Grundlage.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rund 10 Prozent der griechischen Cafés stehen bis Frühjahr 2027 vor dem wirtschaftlichen Aus.
- Die Einführung der digitalen Arbeitskarte führte zu einem drastischen Anstieg der Sozialabgaben.
- Gestiegene Rohstoffpreise und hohe Mieten belasten die Branche zusätzlich.
Vom vermeintlich sicheren Investment zur Kostenfalle
In den Jahren nach der Finanzkrise 2010 entwickelte sich die Eröffnung eines Cafés für viele Griechen zu einem vermeintlich sicheren und leicht umzusetzenden Geschäftsmodell. Die Branche versprach bei relativ geringen Investitionskosten hohe Gewinnmargen. Diese Entwicklung führte zu einem Überangebot, das oft auf einer fragwürdigen betriebswirtschaftlichen Basis stand. Hohe Mietkosten für begehrte Standorte wurden häufig in Kauf genommen, während eine echte Differenzierung im Angebot ausblieb.
Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen drastisch verändert. Die Betriebskosten sind landesweit explodiert. Die Einkaufspreise für Kaffee sind deutlich gestiegen, ebenso wie die Energiekosten. Zusätzliche finanzielle Belastungen entstanden durch neue EU-Umweltauflagen, welche die Kosten für Verpackungsmaterialien erheblich in die Höhe trieben. Gleichzeitig mussten die Löhne für das Personal angepasst werden, um überhaupt noch Arbeitskräfte zu finden, was die Budgets der Betreiber weiter belastet.
Digitale Arbeitskarte beendet die Schattenwirtschaft
Ein entscheidender Katalysator für die aktuelle Krise ist die flächendeckende verpflichtende Nutzung der digitalen Arbeitskarte seit 2025. Dieses System erfasst die Arbeitszeiten der Angestellten in Echtzeit und übermittelt sie direkt an die Behörden. Das bisherige Modell vieler Betriebe, welches auf unbezahlten Überstunden und der Vermeidung von Sozialversicherungsbeiträgen basierte, ist damit kollabiert.
Nach Einführung des Systems stiegen die staatlichen Einnahmen aus Überstundenbeiträgen um 500 bis 600 Prozent an. In Kombination mit der zunehmenden Verbreitung elektronischer Zahlungen per Kreditkarte, die traditionelle Steuerhinterziehung erschwert, zwingt das System die Gastronomen, ihre Betriebszeiten und Personalpläne strikt zu kalkulieren. Wirtschaftsbeobachter weisen darauf hin, dass Betriebe, deren Profitabilität auf der systematischen Umgehung von Steuern und Abgaben beruhte, nun nicht mehr überlebensfähig sind.
Konsolidierung des Marktes bis Frühjahr 2027
Die Auswirkungen dieser strukturellen Veränderungen sind bereits spürbar. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten viele Cafés und Restaurants in städtischen Gebieten, insbesondere nach den Osterfeiertagen, deutliche Umsatzrückgänge. Die allgemeine Kaufkraft der privaten Haushalte stagniert angesichts der anhaltenden Inflation. Auch der Tourismussektor, auf den viele Betriebe setzen, kann die Verluste nicht landesweit kompensieren, da sich die Einnahmen zunehmend auf weniger, aber stark professionalisierte Akteure konzentrieren. Zudem belasten strengere Alkoholkontrollen im Straßenverkehr das abendliche Geschäft.
Für das kommende Winterhalbjahr wird eine Bereinigung des Marktes erwartet. Experten gehen davon aus, dass sich letztlich drei Unternehmensformen behaupten werden: Kleine, effizient geführte Cafés mit sehr geringen Fixkosten und speziellen Zielgruppen sowie hochgradig organisierte Betriebe mit großen Umsatzvolumina. Für viele andere, oft unzureichend finanzierte und unprofessionell geführte Unternehmungen, bedeutet das aktuelle Umfeld das Ende ihrer Geschäftstätigkeit.