Griechenland – Angesichts des demografischen Wandels und eines spürbaren Mangels an hochqualifiziertem Personal plant die griechische Regierung eine umfassende Fachkräfte-Offensive. Ziel ist es, bis zu 60.000 griechische Wissenschaftler und Akademiker, die derzeit im Ausland leben und arbeiten, in den heimischen Arbeitsmarkt zu reintegrieren oder enger mit der nationalen Wirtschaft zu vernetzen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rund 60.000 griechische Forscher im Ausland bilden ein massives Potenzial für den heimischen Arbeitsmarkt.
- Die Strategie wechselt von der reinen Rückkehrförderung hin zu einer dauerhaften “Brain Circulation”.
- Die neue Plattform diaspora.mfa.gr soll künftig als zentraler digitaler Knotenpunkt für Rückkehrer dienen.
Vom Brain Drain zur internationalen Mobilität
Wie das Nachrichtenportal powergame.gr unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, steht das Thema im Zentrum einer neuen strategischen Ausrichtung. Die Details basieren auf einer aktuellen Studie der OECD zur griechischen Diaspora, die im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Regierung, der internationalen Organisation und des Nationalen Dokumentationszentrums (EKT) in Athen präsentiert wurde. Die Analyse zeigt, dass die massiven Abwanderungswellen von hochgebildeten Arbeitskräften in den vergangenen Jahrzehnten zwar einen schweren Verlust für Griechenland bedeuteten, heute jedoch eine enorme Chance darstellen, sofern die Verbindungen zu diesen Talenten systematisch gestärkt werden.
Die größte Herausforderung bestehe laut der Studie nicht mehr nur darin, die als “Brain Drain” bekannte Abwanderung zu stoppen. Vielmehr müsse ein ganzheitliches Modell für das Management der internationalen Mobilität geschaffen werden. Unter dem Konzept der sogenannten “Brain Circulation” wird dabei ein Zustand verstanden, in dem Fachkräfte nicht nur einmalig auswandern oder zurückkehren, sondern sich in einem ständigen, dynamischen Austausch zwischen ihrem Heimatland und dem Ausland befinden. Ermutigend sei die Tatsache, dass sich durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und gezielte politische Maßnahmen bereits in den letzten Jahren ein Anstieg der Rückkehrmigration, insbesondere bei jüngeren Akademikern, abzeichne.
Der Vier-Punkte-Plan der OECD
Um diese positive Entwicklung zu beschleunigen und nachhaltig zu gestalten, empfiehlt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vier konkrete Handlungsfelder. An erster Stelle steht die Forderung nach einem ständigen interministeriellen Mechanismus. Da die Rückkehrförderung komplexe Bereiche wie Steuern, Arbeitsmarktintegration, Forschung und digitale Dienstleistungen berühre, sei eine zentrale Koordinierung zwingend erforderlich, um strategische Kontinuität zu gewährleisten.
Zweitens fordert die OECD eine massive Verbesserung der Informationsdienste. Ein entscheidender Schritt sei hierbei die bevorstehende Einführung der vom Außenministerium entwickelten digitalen Plattform diaspora.mfa.gr. Diese soll sich laut den Experten perspektivisch zu einem umfassenden digitalen Portal entwickeln, das konkrete Verwaltungshilfen für Rückkehrer anbietet – von Arbeitsmarktchancen bis hin zu familiären Dienstleistungen wie Bildung und sozialer Absicherung. Parallel dazu sei der Ausbau lokaler Reintegrationsdienste wichtig, um den Übergang für die Heimkehrer finanziell und organisatorisch zu erleichtern.
Forschungsnetzwerke und datenbasierte Politik
Ein dritter Schwerpunkt liegt auf der tieferen Verzahnung der Rückkehrer mit dem nationalen Innovationssektor. Die griechischen Instrumente müssten stärker an EU-Initiativen angeglichen werden. Die OECD rät dazu, Forschern aus der Diaspora den Zugang zu nationalen Forschungsinfrastrukturen und Unternehmensnetzwerken zu erleichtern, unabhängig davon, ob diese dauerhaft zurückkehren oder aus dem Ausland heraus kooperieren.
Abschließend betonen die Verfasser der Studie die Notwendigkeit einer soliden Datenbasis. Die Datenerfassung zu Migranten und Rückkehrern müsse harmonisiert und durch administrative Quellen sowie gezielte Umfragen erweitert werden. Die Schaffung eines zentralen Wissenszentrums könne dabei helfen, Forschungsergebnisse und politische Evaluierungen systematisch zu erfassen und einen strukturierten Dialog mit der akademischen Gemeinschaft und der Diaspora selbst zu führen.