Thessaloniki – Ein Großbrand in einer Recyclinganlage im Vorort Oraiokastro hat am Samstagabend einen massiven Rettungseinsatz ausgelöst und eine toxische Rauchwolke über weite Teile von Thessaloniki getrieben. Während 160 Einsatzkräfte der Feuerwehr die Flammen in den Industrieanlagen bekämpfen, wurden vier Feuerwehrmänner verletzt und ein 76-jähriger Mann als mutmaßlicher Verursacher festgenommen. Das Ereignis führte zu nächtlichen Evakuierungen und zwingt Einwohner sowie Touristen im Zentrum der nordgriechischen Metropole aufgrund der extremen Luftverschmutzung zu erheblichen Vorsichtsmaßnahmen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Großaufgebot der Feuerwehr bekämpft Fabrikbrände mit 160 Einsatzkräften.
- Giftige Rauchwolke erreicht das Zentrum und den Aristoteles-Platz.
- Festnahme eines 76-Jährigen wegen mutmaßlicher fahrlässiger Brandstiftung.
Waldgebiet gesichert, Fabriken brennen weiter
Nach einem intensiven, nächtlichen Kampf gegen die Flammen gibt es im angrenzenden Waldgebiet von Oraiokastro keine aktive Feuerfront mehr. Die Löscharbeiten konzentrieren sich am Sonntagmorgen vollständig auf zwei Industrieanlagen, die in Brand geraten waren. Wie aus den Berichten vom Einsatzort hervorgeht, handelt es sich dabei um eine Textilfabrik und eine große Recyclinganlage. Die Feuerwehr führt derzeit umfassende Kühlungsmaßnahmen durch, um die Situation zu stabilisieren.
Die Löscharbeiten gestalten sich jedoch äußerst komplex. Aus dem Inneren der Recyclinganlage wurden mehr als zehn heftige Explosionen gemeldet, was auf große Mengen extrem leicht entflammbarer Materialien hindeutet. Um die Flammen unter Kontrolle zu bringen, sind 160 Feuerwehrleute mit 52 Fahrzeugen sowie fünf Fußtrupps im Einsatz. Unterstützt werden sie von freiwilligen Helfern und schwerem Gerät der Region Zentralmakedonien. Mit dem ersten Tageslicht begannen zwei Löschflugzeuge und zwei Hubschrauber mit kontinuierlichen Wasserabwürfen, wobei sie zur Wasseraufnahme den nahegelegenen Thermaischen Golf nutzen. Zudem wurde die Spezialeinheit „Deukalion“ der griechischen Streitkräfte aktiviert.
Toxische Rauchwolke erreicht das Stadtzentrum
Die Auswirkungen des Brandes sind weit über die Grenzen von Oraiokastro hinaus spürbar. Eine dichte, pechschwarze Rauchwolke hat sich über weite Teile von Thessaloniki gelegt und ist kilometerweit sichtbar. Der beißende Geruch nach verbranntem Plastik ist in zahlreichen Vierteln der Stadt präsent. Aktuelle Aufnahmen zeigen, dass der giftige Rauch bis in das historische Zentrum, den zentralen Aristoteles-Platz und die Uferpromenade am Thermaischen Golf gezogen ist.
Die Behörden haben eine dringende Warnung an die Bevölkerung ausgegeben. Einwohner und Besucher werden aufgefordert, Fenster und Türen strikt geschlossen zu halten und unnötige Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Diese Maßnahme gilt insbesondere für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Kinder und Personen mit Atemwegserkrankungen. Die griechische Polizei hat den Verkehr rund um das Industriegebiet weiträumig abgesperrt.
Nächtliche Evakuierungen über das 112-System
Die rasante Brandausbreitung am Samstagabend zwang den Zivilschutz zu sofortigen Evakuierungsmaßnahmen über das europäische Notrufsystem 112. Um 20:52 Uhr erging die erste Anweisung an die Bewohner der Region Anthoupoli, sich in Richtung des TITAN-Werks in Sicherheit zu bringen. Wenig später, um 01:19 Uhr, wurden weitere Einwohner von Anthoupoli zum Stadion von Liti umgeleitet. Gegen 01:44 Uhr folgte die Evakuierung des Ortsteils Filothei zum geschlossenen Sportzentrum in Efkarpia. Eine letzte Warnmeldung in der Nacht wies auf die zwingenden Schutzmaßnahmen wegen der massiven Rauchentwicklung hin.
Vier verletzte Einsatzkräfte im Militärkrankenhaus
Die extreme Hitze und die starke Rauchentwicklung forderten auch bei den Rettungskräften ihren Tribut. Wie der griechische Rettungsdienst EKAV bestätigte, mussten vier Angehörige der Feuerwehr zur medizinischen Versorgung in das 424. Allgemeine Militärkrankenhaus von Thessaloniki gebracht werden. Drei von ihnen erlitten akute Atemwegsprobleme durch das Einatmen der toxischen Dämpfe, während ein weiterer Feuerwehrmann aufgrund einer orthopädischen Verletzung behandelt wird. Bislang liegen keine Berichte über verletzte Zivilisten vor.
Festnahme wegen mutmaßlicher Brandstiftung
Im Zusammenhang mit der Entstehung des Großbrandes sei ein 76-jähriger griechischer Staatsbürger festgenommen worden. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden habe der Mann durch fahrlässiges Verhalten mit seinem Fahrzeug vermutlich massiven Funkenflug verursacht, welcher das trockene Gelände entzündet haben soll. Zeugenaussagen und erste Untersuchungen vor Ort hätten diesen Verdacht erhärtet.
Darüber hinaus habe der mutmaßliche Täter zum Zeitpunkt des Vorfalls deutliche Anzeichen von Trunkenheit aufgewiesen. Er sei im Rahmen der gerichtlichen Schnellverfahrensregelungen (Autoforo) wegen fahrlässiger Brandstiftung verhaftet worden und werde nun der zuständigen Staatsanwaltschaft überstellt. Um die genauen Umstände des Brandes lückenlos aufzuklären, sei ein Spezialteam der Direktion für Brandstiftungskriminalität (DAEE) aus Athen angereist, welches die lokalen Ermittler in Thessaloniki bei der Beweissicherung unterstützt.