Griechenland – Die griechische Regierung unternimmt einen erneuten Anlauf, die Führerscheinprüfungen im Land grundlegend zu modernisieren und die jahrzehntelange Korruption bei der Vergabe von Fahrerlaubnissen zu beenden. Fünf Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes 4850 zur Reform der Fahrprüfungen sollen die damals beschlossenen Maßnahmen, wie Kameras in Fahrschulautos und eine lückenlose digitale Überwachung, nun in die Praxis umgesetzt werden. Die Region Attika bereitet derzeit die Einführung eines zentralen IT-Systems vor, das bis Ende des Jahres zumindest bei den theoretischen Prüfungen den analogen Ablauf ersetzen soll.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Region Attika investiert rund 443.000 Euro in neues IT-Equipment für Theorieprüfungen.
- Ein landesweites System zur statistischen Überwachung soll Korruption und Betrug verhindern.
- Praktische Fahrprüfungen werden künftig mit Kameras und Tablets per QR-Code dokumentiert.
Fünf Jahre Verzögerung beim Kampf gegen Schmiergeld
Seit der Verabschiedung des Gesetzes im Jahr 2021 blieben die zentralen Vorhaben zur Bekämpfung von Schmiergeldzahlungen – im Griechischen oft als “Fakelaki” bezeichnet – weitgehend auf dem Papier. Weder die automatisierten Kontrollmechanismen noch die Vernetzung der Informationssysteme wurden realisiert. Zudem fehlten rund 20 notwendige Ministerialbeschlüsse zur rechtlichen Absicherung, weshalb der rechtliche Rahmen de facto inaktiv blieb. Ein erster Versuch, eine “Integrierte Plattform für transparente Fahrerprüfungen” durch das Nationale Zentrum für Forschung und technologische Entwicklung (EKETA) aufzubauen, scheiterte. Der Ende 2022 vergebene Auftrag wurde Anfang 2024 aufgelöst, da kein funktionsfähiges System geliefert werden konnte.
Auch die Kostentragung für die digitale Überwachungsausrüstung durch die Fahrschulen wurde durch ausstehende Gesetzesentwürfe immer wieder verzögert, wodurch die Fahrschulen und Prüfungszentren weiterhin mit handschriftlichen Anwesenheitslisten und veralteten Computern arbeiten mussten.
Millioneninvestition in neue Theorie-Infrastruktur
Um den Stillstand zu beenden, hat die Region Attika nun eine offene elektronische Ausschreibung für das neue “Computergestützte System zur Theorieprüfung für Fahrkandidaten” gestartet. Der Gesamtbudget der Ausschreibung beträgt 443.917,52 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Dieser Betrag umfasst die Anschaffung von 236 Personal Computern, 228 Monitoren für die Prüflinge, 8 Bildschirmen für die Aufsichtspersonen, 88 Headsets sowie 7 Druckern. Der Auftragnehmer muss die Hardware innerhalb von fünf Monaten liefern und eine fünfjährige Garantie für die Computer sowie eine dreijährige für die Drucker gewähren.
Die Ausrüstung wird auf sieben Transport- und Kommunikationsdirektionen der Region Attika verteilt, um acht vollständig modernisierte Prüfungsräume zu schaffen. Der größte Standort entsteht im Zentralen Sektor von Athen mit 56 Prüfungsplätzen und zwei Aufsichtspositionen. Weitere Arbeitsstationen werden im Westsektor (35 Plätze), Südsektor (34), Piräus (30), in Ostattika (28), im Nordsektor (25) sowie in Westattika (20) installiert.
Automatische Auswertung und statistische Kontrolle
Das neue Prüfungssystem, das vom Institut für Informatik der Stiftung für Forschung und Technologie (ITE) entwickelt wird, automatisiert den gesamten Ablauf. Die Daten der Kandidaten werden direkt aus einer zentralen Datenbank abgerufen. Zur Identitätsfeststellung erscheint auf dem Bildschirm automatisch ein digitales Foto des Prüflings. Das Ergebnis wird in Echtzeit in die elektronische Akte übertragen, ohne dass Mitarbeiter der Behörde manuell eingreifen müssen. Die Kandidaten erhalten ihr Resultat unmittelbar nach Abschluss via E-Mail und SMS. Selbst bei einem Internetausfall speichert das System die Daten lokal und sendet sie nach Wiederherstellung der Verbindung ab.
Ein zentraler Aspekt der Reform ist die Betrugsprävention. Das Verkehrsministerium wird durch die einheitliche Plattform in der Lage sein, landesweit Daten zu sammeln. Statistische Überwachungsmechanismen analysieren künftig die Erfolgsquoten pro Prüfungsraum und Aufsichtsperson. Ungewöhnlich hohe Durchfall- oder Bestehensquoten lösen automatische Warnungen aus, was den zuständigen Stellen ermöglicht, gezielte Untersuchungen wegen möglicher Manipulationen einzuleiten.
Kameras und Tablets bei der praktischen Prüfung
Neben der Theorieprüfung wird auch die Organisation der praktischen Fahrtests digitalisiert. Die Regionen Attika und Zentralmakedonien haben bereits im Juni Verträge zur Aktualisierung der Dispositions-Applikationen unterzeichnet. Bisher erforderten Terminvereinbarungen unzählige Telefonate zwischen Fahrschulen und Verkehrsbehörden. Künftig reichen die Fahrschulen ihre Anträge sowie die elektronischen Gebühren (e-Paravolo) über eine Online-Plattform ein. Nach behördlicher Prüfung der Dokumente können freie Prüfungstermine direkt digital gebucht werden.
Zusätzlich wird die Installation von Kameras in den Fahrschulautos reaktiviert, wobei die Fahrschulen die Hardware stellen müssen. Die Prüfer erhalten spezielle Tablets, über die mittels QR-Code die Aufzeichnung der praktischen Prüfungsfahrt gestartet wird. Diese Dokumentation dient als Beweismittel bei Einsprüchen und schützt sowohl Prüflinge als auch Prüfer vor Korruptionsvorwürfen. Nach der Fahrt trägt der Prüfer das Ergebnis digital ein, was den Weg für eine direkte und verzögerungsfreie Ausstellung des Führerscheins ebnet.