Megara – Im Rahmen eines außergewöhnlichen binationalen Freiwilligenprojekts haben Jugendliche aus Stuttgart und der griechischen Stadt Megara gemeinsam einen ökologischen Spielplatz errichtet. Das Projekt “Hand in Hand” im Theognis-Hain (Alsos Theognidos) zeigt eindrucksvoll, wie durch internationale Zusammenarbeit und bürgerschaftliches Engagement nachhaltige öffentliche Räume geschaffen werden können, die den tatsächlichen Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaft entsprechen.
Der neue Spielbereich entstand aus einer Kooperation von 14 Jugendlichen des pädagogischen Zentrums St. Josef aus Stuttgart und 20 Mitgliedern der Pfadfinder und des griechischen Pfadfinderinnenverbandes aus Megara. Ziel der Initiative war es nicht nur, einen Erholungsort aus umweltfreundlichen Materialien zu erschaffen, sondern auch den interkulturellen Austausch der jungen Generation beider Länder aktiv zu fördern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 34 Jugendliche aus Griechenland und Deutschland realisierten das Bauprojekt innerhalb von nur fünf Tagen.
- Der ökologische Holzspielplatz wurde ohne Vorgaben Erwachsener nach den Wünschen der Kinder konzipiert.
- Der deutsche Botschafter Andreas Kindl würdigte das Vorhaben bei einem offiziellen Besuch vor Ort.
Ein Projekt von Kindern für Kinder
Der Gestaltungsansatz des Spielplatzes im Theognis-Hain unterschied sich grundlegend von herkömmlichen kommunalen Bauprojekten. Anstatt fertige Pläne von Erwachsenen umzusetzen, übernahmen die Jugendlichen selbst die Planung. Drei erfahrene Ingenieure aus Deutschland begleiteten die Gruppe, fungierten jedoch ausschließlich in einer beratenden und pädagogischen Rolle.
Das Ergebnis dieser Selbstorganisation sind knapp zehn ästhetisch anspruchsvolle Holzkonstruktionen. Dazu gehören ein Kletterturm mit Rutsche, verschiedene Schaukeln, ein Reck, eine Wippe mit großen Federn sowie zwei durch einen Steg verbundene kleine Holzhäuser. Auch praktische Elemente wie ausreichend Mülleimer wurden in das Konzept integriert, das sich harmonisch in die Umgebung nahe dem archäologischen Museum und dem örtlichen Pfadfinderhaus einfügt.
Starke Netzwerke und ökologische Materialien
Getragen wurde das Projekt von einem breiten Netzwerk aus Institutionen und Helfern. Die Gesamtkoordination lag bei der griechischen Non-Profit-Organisation Delta Dio AMKE sowie dem deutschen Verein KUKUK Kultur e.V., der sich auf den Bau von Spielräumen spezialisiert hat und auch das nötige Holzwerkzeug zur Verfügung stellte. Finanzielle und strukturelle Unterstützung leistete das Deutsch-Griechische Jugendwerk.
Auch die lokale Wirtschaft in Megara beteiligte sich aktiv an dem Vorhaben. Zahlreiche ortsansässige Unternehmen versorgten das Bauteam während der Arbeitswoche unentgeltlich mit Mahlzeiten, Getränken, Backwaren und frischem Obst.
Kulturaustausch und neue Freundschaften
Neben der handwerklichen Arbeit stand die menschliche Begegnung im Zentrum des Projekts. So besuchte die deutsche Delegation das Lyzeum der Griechischen Frauen in Megara, um traditionelle Tänze kennenzulernen. Einige der Stuttgarter Jugendlichen nahmen sogar in traditionellen Trachten an den Aufführungen teil.
Die Teilnehmer zogen im Nachgang eine äußerst positive Bilanz. Eine junge Helferin erklärte, es sei eine einmalige Erfahrung gewesen und man habe sich sofort gut mit der deutschen Gruppe verstanden. Eine weitere Teilnehmerin betonte, man habe Freundschaften über Ländergrenzen hinweg geschlossen, die auch in Zukunft bestehen blieben. Ein lokaler Pfadfinder fügte hinzu, der praktische Umgang mit den Werkzeugen und den Holzmaterialien sei besonders faszinierend gewesen.
Lob von offizieller Seite
Die Initiative zog auch die Aufmerksamkeit höchster diplomatischer und kommunaler Vertreter auf sich. Der deutsche Botschafter in Griechenland, Andreas Kindl, reiste persönlich nach Megara, um sich ein Bild von der Anlage zu machen. Er bezeichnete das Ergebnis laut offizieller Mitteilung als “beeindruckend, wunderschön und berührend”. Die Deutsche Botschaft hob zudem in einer Erklärung die Bedeutung der Initiative hervor: Durch die Zusammenarbeit sei ein offener Raum für Spiel und kreativen Ausdruck entstanden, der die Kraft der Jugendbeteiligung eindrucksvoll demonstriere.
Auch der Bürgermeister von Megara, Panagiotis Margetis, zeigte sich hoch erfreut über den Einsatz der jungen Menschen. “Es ist beeindruckend, wie die Jugendlichen unter Anleitung der Ingenieure dieses schöne Projekt innerhalb von fünf Tagen entworfen, gebaut und übergeben haben”, erklärte der Lokalpolitiker. Der Spielplatz verleihe dem Theognis-Hain einen deutlichen Mehrwert.
Margetis betonte zudem die nachhaltige Wirkung solcher EU-geförderten Austauschprogramme. Wenn junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkämen, würden sie schnell feststellen, dass sie ähnliche Interessen und Sorgen teilten. Die Stadtverwaltung von Megara strebe an, diese erfolgreiche Zusammenarbeit in Zukunft fortzusetzen, möglicherweise auch in Form eines Gegenbesuchs der griechischen Jugendlichen in Deutschland.