Griechenland – Trotz einer makroökonomischen Stabilisierung und des von der Regierung in Athen verzeichneten Wirtschaftswachstums bleibt die jüngere Generation in Griechenland von der finanziellen Erholung weitgehend ausgeschlossen. Wie aus der Mitte 2026 veröffentlichten Umfrage zur Finanzlage privater Haushalte (HFCS) der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, verfügen Griechen im Alter von 16 bis 34 Jahren über ein mittleres Nettovermögen von lediglich 9.900 Euro, womit sie zu den Schlusslichtern in der Europäischen Union gehören.
Die von der europäischen Statistikbehörde Eurostat parallel erhobenen Daten verdeutlichen eine strukturelle Diskrepanz zwischen der offiziellen wirtschaftlichen Entwicklung und dem realen Lebensstandard. Der Inflationsdruck auf Güter des täglichen Bedarfs wirkt in Verbindung mit einem stagnierenden Lohnniveau als wesentlicher Treiber für den sozialen Ausschluss der jüngeren Bevölkerungsgruppe in der Republik.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das mittlere Nettovermögen der 16- bis 34-Jährigen liegt in Griechenland bei 9.900 Euro (Eurozonen-Durchschnitt: 24.600 Euro).
- Rund 30 Prozent der jungen Menschen (15-29 Jahre) in Griechenland sind laut Eurostat direkt von Armut bedroht.
- Die Quote der erheblichen materiellen Entbehrung ist bei jungen Griechen mit 14,7 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt.
Vermögensverteilung im europäischen Vergleich
Die Erhebung der Zentralbank, die Daten aus 22 europäischen Ländern auswertet, zeigt ein starkes Gefälle innerhalb der Eurozone. Während das mittlere Nettovermögen in der Eurozone für diese Altersgruppe bei 24.600 Euro liegt, reiht sich Griechenland mit 9.900 Euro auf dem vorletzten Platz ein. Lediglich in Finnland fällt der Wert mit 5.700 Euro noch geringer aus. Auch junge Erwachsene in Österreich (13.400 Euro) und Deutschland (17.600 Euro) weisen vergleichsweise niedrige Werte auf, liegen jedoch vor Griechenland.
An der Spitze der Statistik stehen Länder wie Malta (257.500 Euro), Luxemburg (135.000 Euro) und Belgien (97.200 Euro). Auffällig ist die Platzierung süd- und osteuropäischer Staaten: In Kroatien erreicht das mittlere Vermögen der jungen Generation 82.000 Euro. Dies stellt einen bemerkenswerten Kontrast zum Lohnniveau dar, da das durchschnittliche Jahresnettoeinkommen in Kroatien im Jahr 2025 laut Eurostat bei lediglich 17.256 Euro lag. Auch in der Slowakei (74.600 Euro) und Estland (62.200 Euro) konnten junge Menschen überdurchschnittlich viel Vermögen aufbauen.
Innerhalb der vier größten EU-Volkswirtschaften führt Italien mit 53.500 Euro deutlich vor Frankreich (27.700 Euro) und Spanien (23.700 Euro). Somit weisen junge Italiener ein rund dreimal höheres Nettovermögen auf als ihre Altersgenossen in der Bundesrepublik.
Kaufkraftverlust und materielle Entbehrung
Die geringe Vermögensbildung in Griechenland korreliert direkt mit den laufenden Lebenshaltungskosten. Die Kaufkraft in der Mittelmeer-Republik liegt weiterhin 32 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Energie und Treibstoffen fungieren als indirekte Steuer, welche die in den vergangenen Jahren beschlossenen Anhebungen des gesetzlichen Mindestlohns in der Praxis wieder neutralisieren.
Die Auswirkungen auf den Alltag sind statistisch erfasst: Laut Eurostat sind 30 Prozent der 15- bis 29-Jährigen in Griechenland vom Risiko der Armut oder sozialen Ausgrenzung bedroht. Der Indikator für erhebliche materielle und soziale Entbehrung erreicht in dieser Altersgruppe 14,7 Prozent, während der europäische Durchschnitt bei 5,8 Prozent liegt.
Wegfall des traditionellen Sicherheitsnetzes
Ein historisch bedeutsamer Faktor für die Vermögensbildung junger Griechen war die familiäre Unterstützung. Die griechische Familie fungierte traditionell als informeller Sozialstaat. Über Jahrzehnte hinweg wurde Vermögen, primär in Form von Immobilien und Kleinstbesitz, an die nachfolgende Generation übertragen, was jungen Menschen den Start in das Berufsleben oder die Gründung eines eigenen Haushalts erleichterte.
Dieser Mechanismus ist infolge der zehnjährigen Schuldenkrise weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Elterngeneration der heutigen 20- bis 30-Jährigen verzeichnete massive Einbußen bei Ersparnissen und Renten. Zugleich wurde Immobilienbesitz durch laufende steuerliche Belastungen wie den ENFIA (griechische Immobiliensteuer) entwertet oder zu einem Kostenfaktor. Infolgedessen wandelt sich die familiäre Vermögensübertragung in vielen Fällen in eine Übertragung von Verbindlichkeiten, bei der junge Erwachsene Hypotheken oder Steuerschulden erben, was ihren realen Nettovermögensaufbau weiter verzögert.