Griechenland – Der zunehmende Tourismus in Europa treibt die Mietpreise in den beliebtesten Urlaubsländern massiv in die Höhe, wobei Griechenland die stärksten Auswirkungen verzeichnet. Laut einer aktuellen Analyse der New Economics Foundation müssen griechische Mieter seit 2019 jährlich im Durchschnitt 342 Euro mehr für Wohnraum zahlen – eine Entwicklung, die das Wohnen für viele Einheimische zunehmend von einem Grundbedürfnis zu einem Luxusgut macht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Griechenland verzeichnet mit 342 Euro den höchsten jährlichen Mietanstieg durch Tourismus seit 2019.
- Spanien (236 Euro) und Italien (202 Euro) folgen im europäischen Vergleich auf den weiteren Plätzen.
- Baukosten spielen laut Eurostat-Daten eine untergeordnete Rolle bei der Mietpreisentwicklung in Südeuropa.
Der unsichtbare Preis des Tourismus-Booms
Europa ist die größte Tourismusregion der Welt und zieht mehr als die Hälfte aller internationalen Touristenankünfte an. Auch wenn die Tourismusbranche jährlich Millionenbeträge in die europäische Wirtschaft pumpt, bekommen Arbeitnehmer außerhalb dieses Sektors zunehmend die massiven wirtschaftlichen Nachteile zu spüren. Neben überfüllten städtischen Infrastrukturen und Umweltbelastungen zeigt sich der negative Einfluss vor allem in den stark steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten in den Metropolen und auf den Inseln.
Griechenland an der Spitze der Mietpreisentwicklung
Die zugrundeliegende Studie, welche Daten der Eurostat zum Mietwachstum mit den Passagierzahlen der Flughäfen und den aktuellen Mietpreisen verknüpft, identifiziert Griechenland als das am stärksten betroffene Land in Europa. Diese gravierende wirtschaftliche Entwicklung hat bereits in mehreren europäischen Ländern zu öffentlichen Reaktionen geführt. Zuletzt gab es deutliche Proteste gegen den sogenannten Über-Tourismus in Griechenland, den Niederlanden, Italien und Spanien.
Auf dem zweiten Platz der Untersuchung folgt Spanien mit einem geschätzten durch den Tourismus verursachten Mietanstieg von 236 Euro, dicht gefolgt von Portugal mit 220 Euro und Italien mit 202 Euro. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Auswirkungen regional durch politische und strukturelle Maßnahmen abgefedert werden konnten. In Spanien haben weitreichende Mietpreisbremsen die Inflation auf dem Wohnungsmarkt teilweise eingedämmt. In Italien hingegen sorgte ein historisch bedingt großes Angebot an verfügbarem Wohnraum dafür, dass der Preisdruck auf die lokalen Mieter etwas geringer ausfiel.
Irland vor neuen Rekorden in der Zukunft
Ein Blick auf die Prognosen zeigt, dass das Problem keineswegs auf den südeuropäischen Raum beschränkt bleibt. Für die kommenden fünf Jahre erwarten die Experten für Irland den europaweit größten absoluten Mietanstieg. Dort wird ein zusätzlicher Aufschlag von 251 Euro pro Jahr prognostiziert. Die geplanten infrastrukturellen Erweiterungen am Flughafen in Dublin dürften den ohnehin stark angespannten irischen Immobilienmarkt für die Verbraucher laut der Studie weiter verschärfen.
Baukosten vs. Touristenströme
Eine oft angeführte Erklärung auf dem Immobilienmarkt ist, dass höhere Mietpreise primär auf gestiegene Baukosten zurückzuführen sind. Diese sind auf EU-Ebene im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich um durchschnittlich 45 Prozent gestiegen. Die Datenanalyse belegt jedoch, dass in Ländern mit extrem hohen Touristenströmen kein zwingender Zusammenhang zwischen den Baukosten und den mietsteigernden Effekten besteht. Wie die Eurostat-Daten zeigen, verzeichneten Italien, Spanien und Griechenland in den vergangenen Jahren nur geringe Steigerungen bei den Baukosten. Dies stützt die These der Forscher, dass der reine Volumentourismus einer der entscheidenden Hauptfaktoren für die explodierenden Wohnkosten in diesen Regionen ist.