Griechenland – Bei einem großangelegten Waldbrandeinsatz in der Region Psatha sind zwei Löschhubschrauber in der Luft kollidiert. Ein Luftfahrtexperte liefert nun erste Einschätzungen zu den technischen und operativen Umständen des Vorfalls, bei dem ein Fluggerät noch in der Luft zerstört wurde, während das zweite eine Notlandung absolvieren konnte. Die genauen Ursachen sind Gegenstand laufender behördlicher Untersuchungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zwei Löschhubschrauber des Typs Bell 214ST kollidierten während eines Einsatzes in der Luft.
- Die Fluggeräte waren von dem australischen Unternehmen McDermott Aviation für die Brandschutzsaison geleast.
- Der Unfallermittler schließt vorerst weder Wetterbedingungen noch menschliches Versagen als Ursache aus.
Strikte Koordination bei Löscheinsätzen
In einem exklusiven Bericht des Nachrichtenportals Protothema äußert sich der Luftfahrtingenieur und Flugunfallermittler Phaidon Karaiosifidis zu den Begleitumständen des Vorfalls. Er stellte klar, dass es sich lediglich um eine erste Bewertung handele, die auf den bisher verfügbaren Daten und einem veröffentlichten Video basiere. Endgültige Schlussfolgerungen könnten erst nach Abschluss der offiziellen Untersuchung gezogen werden. Die beiden beteiligten Bell 214ST Hubschrauber operierten im Formationsflug, ein Vorgang, der strengen Koordinationsregeln und spezifischen Einsatzverfahren unterliege.
Bei der Brandbekämpfung aus der Luft fliege in der Regel ein Koordinationshubschrauber der Feuerwehr voraus. Dieser fungiere als fliegender Kontrollturm und organisiere den Ein- und Ausflug der Luftmittel im Brandgebiet. Die Einheiten würden dabei in festen Formationen operieren. Flächenflugzeuge und Hubschrauber würden nicht gemischt; vielmehr flögen gleichartige Maschinen zusammen. Jeder Verband habe einen Anführer, der nach der Abstimmung mit der Einsatzleitung die letzten Anweisungen für die Angriffsachse und die Anflugmethode vorgebe.
Rekonstruktion des Zusammenstoßes in der Luft
Hinsichtlich des vorliegenden Bildmaterials merkte der Experte an, dass das zweite Fluggerät offensichtlich auf das erste, welches den Verband anführte, geprallt sei. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liege nicht nur auf der Kollision selbst, sondern primär auf der Frage, warum sich die beiden Maschinen derart annäherten. Es müsse geklärt werden, warum die Formation auflöste und weshalb der zweite Hubschrauber während des Sinkflugs eine offenbar höhere Sinkrate aufwies, wodurch er aufschloss.
Der Ingenieur beschrieb den vermuteten Ablauf der Ereignisse detailliert. Die Landekufen des zweiten Hubschraubers hätten den Hauptrotor der vorderen Maschine getroffen. Ab diesem Moment habe der erste Hubschrauber seine Flugeigenschaften vollständig verloren. Auf die Zerstörung des Rotors sei ein katastrophales Versagen des Hauptgetriebes unterhalb der Triebwerke gefolgt. Dies habe zu einer Explosion und einem Brand geführt; die Maschine sei als Trümmerfeld abgestürzt. Im Gegensatz dazu habe der zweite Hubschrauber trotz sichtbarer Schäden seine Flugfähigkeit behalten, was dem Piloten eine Notlandung ermöglichte.
Offene Fragen und laufende Ermittlungen
Gegenwärtig bleibe eine Vielzahl an Szenarien für die Unfallursache offen. Karaiosifidis betonte, dass Abwinde, seitliche Windböen oder auch ein technischer Defekt eine Rolle gespielt haben könnten. Auch der menschliche Faktor sei bei derartigen Flugunfällen stets zu berücksichtigen. Eine belastbare Ferndiagnose sei jedoch mit den aktuellen Informationen nicht durchführbar.
Der Ermittler warnte davor, voreilige Schuldzuweisungen auszusprechen, bevor die zuständigen Behörden ihre Arbeit abgeschlossen hätten. Die tatsächliche Ursache für die Kollision über Psatha werde ausschließlich durch die Auswertung aller Flugdaten, Trümmerteile und Zeugenaussagen im Rahmen der offiziellen Flugunfalluntersuchung zweifelsfrei ermittelt werden können.
VIDEO Hubschrauber-Kollision in Griechenland
BREAKING: Two firefighting helicopters have collided while tackling wildfires in a region west of Athens.
A search and rescue operation is under way in the Psatha area, according to Greece’s fire department.
The crew members of one of the helicopters involved in… pic.twitter.com/vCsFmOJark
— Breaking Aviation News & Videos (@aviationbrk) August 2, 2026