Griechenland – Die Ausbreitung von Stechmücken, die gefährliche Infektionskrankheiten übertragen können, stellt die europäischen Gesundheitsbehörden vor wachsende Herausforderungen. Begünstigt durch den Klimawandel, den globalen Handel und die zunehmende Mobilität finden invasive Mückenarten nun auch in Regionen optimale Lebensbedingungen, in denen sie bis vor Kurzem unbekannt waren. Neue Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen eine klare Tendenz: Invasive Mückenarten erobern immer größere Teile Europas, und Griechenland befindet sich im Zentrum dieser beunruhigenden Entwicklung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) hat sich in weiten Teilen Griechenlands etabliert und ist dort über acht Monate im Jahr aktiv.
- Trotz der Sorge vor exotischen Viren bleibt das West-Nil-Virus, das durch heimische Culex-Mücken übertragen wird, die größte Gesundheitsgefahr im Land.
- Das ECDC warnt vor einer europaweiten Ausbreitung neuer Arten, darunter auch die jüngste Entdeckung der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) in Luxemburg.
Die Tigermücke fasst Fuß in Griechenland
Besonderes Augenmerk liegt auf der Art Aedes albopictus, besser bekannt als Asiatische Tigermücke. Den aktuellen ECDC-Daten zufolge hat sich diese Spezies bereits in einem Großteil des griechischen Staatsgebiets niedergelassen und ihre Präsenz in der jüngsten Vergangenheit stetig weiter ausgebaut. Griechenland gehört damit zu jenen europäischen Staaten, in denen eine fortschreitende geografische Ausbreitung dieser Mücke verzeichnet wird, die ihre Anwesenheit in Südeuropa inzwischen fest zementiert hat.
Die Relevanz dieser Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf die lästigen Stiche. Die Tigermücke ist ein bekannter Überträger von Viren wie Dengue, Chikungunya und Zika. Auch wenn diese Krankheiten in Griechenland aktuell nicht endemisch zirkulieren, erhöht die schiere Präsenz des Überträgers die Notwendigkeit einer strengen Überwachung. Eingeschleppte Fälle aus dem Ausland könnten unter bestimmten Bedingungen zu einer lokalen Übertragung führen. Die ECDC-Karten verdeutlichen überdies eine breitere Realität: Griechenland gehört mittlerweile zu der europäischen Zone, in der die Umweltbedingungen das Überleben und die Fortpflanzung von Mücken über einen langen Zeitraum des Jahres begünstigen. Bezeichnenderweise bleibt die Tigermücke hier mehr als acht Monate im Jahr aktiv, was unterstreicht, wie vorteilhaft das Klima für ihre Ansiedlung geworden ist.
West-Nil-Virus bleibt die primäre Bedrohung
Obwohl das öffentliche Interesse häufig auf exotische Krankheiten gerichtet ist, die mit den neuen invasiven Arten in Verbindung gebracht werden, stellt das West-Nil-Virus für Griechenland nach wie vor die größte reale Bedrohung dar. Das Land verzeichnet fast jährlich Ausbrüche und Infektionen, die in erster Linie durch heimische Stechmücken der Gattung Culex übertragen werden.
Parallel dazu beobachten Experten jedoch auch andere Mückenarten, die in Europa neu auftauchen oder sich weiter ausbreiten. Dazu gehört Culex tritaeniorhynchus, eine Mückenart, die in Asien als Hauptüberträger der Japanischen Enzephalitis gilt. Obwohl diese Krankheit in Europa bislang nicht zirkuliert, wird das Vorkommen und die Ausbreitung dieser speziellen Art in Griechenland im Rahmen der Überwachung neu auftretender Risiken für die öffentliche Gesundheit genauestens registriert und bewertet.
Überwachung als wichtigster Schutzschild
Wissenschaftler betonen ausdrücklich, dass die bloße Ausbreitung der Mücken nicht automatisch zu einer weitreichenden Ausbreitung der von ihnen übertragenen Krankheiten führt. Die Etablierung neuer Arten schafft jedoch die grundlegenden Voraussetzungen für Gesundheitsrisiken, die in Europa bis vor wenigen Jahren als weit entfernt galten. Aus diesem Grund sind die systematische Überwachung der Mückenpopulationen, die frühzeitige Erkennung von Krankheitsfällen und die gezielte Aufklärung der Bürger die wichtigsten Instrumente zum Schutz der öffentlichen Gesundheit.
Dass die Wachsamkeit auf dem gesamten Kontinent aufrechterhalten werden muss, zeigt auch eine aktuelle Entwicklung fernab des Mittelmeers: Aufgrund neuerer Daten geriet zuletzt das Auftreten der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) im Großherzogtum Luxemburg in den Fokus der Behörden. Dabei handelt es sich um den effizientesten Überträger des Dengue-Fiebers, der in den europäischen Ländern bis vor wenigen Jahren überhaupt nicht heimisch war.