Griechenland – Mit einer Nutzungsrate von 84 Prozent bei Jugendlichen verzeichnet das Land den höchsten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Europa. Zeitgleich läuft ein umfangreiches Pilotprojekt an griechischen Schulen, das ChatGPT aktiv in den Unterrichtsalltag von Tausenden Schülern integriert.
Diese Daten wurden auf dem 30. jährlichen Government Roundtable im Rahmen der Themeneinheit „Von der Platonischen Akademie zu ChatGPT“ präsentiert. Die Entwicklungen verdeutlichen, dass Technologie tief im Alltag der jüngeren Generation verankert ist und nun der Fokus auf einer verantwortungsvollen institutionellen Nutzung liegt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 84 Prozent der jungen Menschen in Griechenland nutzen bereits aktiv Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz.
- Ein Pilotprojekt mit ChatGPT läuft seit September 2025 an 20 Gymnasien in 10 Regionen des Landes.
- Über 2.000 Schüler und rund 400 Lehrkräfte nehmen an dem Programm zur Integration von KI in den Lehrplan teil.
Vorreiterrolle in Europa und Zusammenarbeit mit OpenAI
Wie Tom Duff Gordon, Vizepräsident und Leiter der Politikabteilung für die EMEA-Region bei OpenAI, erklärte, haben griechische Jugendliche die Technologie bereits umfassend in ihren Alltag integriert. Um diesen Trend konstruktiv zu lenken, kooperiert OpenAI eng mit der griechischen Regierung, Endeavor Greece und der Onassis-Stiftung.
Das im September 2025 gestartete Pilotprojekt für die Sekundarstufe zeigt nach ersten Auswertungen eine hohe Akzeptanz bei Lehrern und Schülern. Gordon betonte, dass die KI-Werkzeuge nicht dazu dienen sollen, den Lehrer zu ersetzen. Vielmehr fungieren sie als Assistenzsysteme, die den Unterricht bereichern, personalisiertes Lernen ermöglichen und administrative Zeit sparen. Er wies jedoch auch auf die Dringlichkeit eines klaren institutionellen Rahmens hin, um den Schutz der Schüler und gleiche Zugangschancen zu gewährleisten.
Der “Digitale Sokrates” gegen kognitive Faulheit
Die philosophische Dimension der neuen Technologien stand ebenfalls im Mittelpunkt der Diskussion. Der Ansatz, generative KI zur Beantwortung komplexer Fragen zu nutzen, wurde kritisch beleuchtet. Dan Stratan, CEO und Gründer der RCI Holding, warnte davor, dass Werkzeuge wie ChatGPT zu einer „kognitiven Faulheit“ führen könnten, wenn sie lediglich als Antwortmaschinen genutzt werden.
In Anlehnung an die antike Philosophie Athens plädierte er für einen „Digitalen Sokrates“. Künstliche Intelligenz müsse so programmiert und im Unterricht eingesetzt werden, dass sie die Nutzer durch gezielte Gegenfragen zum eigenen Nachdenken anregt, anstatt fertige Lösungen zu präsentieren. Um diesen Ansatz in die Praxis umzusetzen, präsentierte Stratan eine von seinem Team entwickelte Anwendung, die exakt nach dieser sokratischen Methode funktioniert und den Dialog mit dem Nutzer in den Vordergrund stellt.
Ziel dieser technologischen Entwicklung sei es, die kritische Denkfähigkeit zu stärken und den Geist des Hinterfragens zu fördern, der die Grundlage der menschlichen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung bilde.