Griechenland – Obwohl die internationalen Rohölpreise nach der jüngsten Entspannung im Persischen Golf zeitweise wieder auf ihr Vorkrisenniveau gesunken sind, zahlen Autofahrer an griechischen Tankstellen weiterhin deutlich erhöhte Preise. Während Rohöl auf dem Weltmarkt günstiger wird, spüren Verbraucher an der Zapfsäule kaum Entlastung, was bei Pendlern und Transportunternehmen zunehmend für Unverständnis sorgt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Vor Ausbruch der Krise lag der durchschnittliche Benzinpreis in Griechenland bei 1,73 Euro pro Liter, aktuell werden bis zu 1,92 Euro fällig.
- Griechische Raffinerien erhöhten ihre Großhandelspreise zwischen Anfang März und heute von 1,56 Euro auf 1,77 Euro pro Liter.
- Der reine Nettoverdienst der Tankstellenpächter beträgt laut Branchenangaben lediglich sechs bis sieben Cent pro Liter.
Diskrepanz zwischen Rohöl- und Zapfsäulenpreisen
Vor dem Beginn der Auseinandersetzungen im Persischen Golf im vergangenen Februar notierte der internationale Ölpreis bei knapp über 70 US-Dollar pro Barrel. An den griechischen Tankstellen kostete der Liter Benzin zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 1,73 Euro. Die darauffolgenden Feindseligkeiten führten zu einem beispiellosen Anstieg der Preise für Rohöl und Kraftstoffe.
Nach der Ausrufung eines Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran sanken die weltweiten Ölpreise wieder auf das Vorkrisenniveau von 73 bis 74 Dollar. An den griechischen Zapfsäulen blieb diese Preisreduktion jedoch aus. Im besten Fall war Benzin kurzzeitig lediglich 15 Cent teurer als vor der Krise. Nachdem Donald Trump in den vergangenen beiden Tagen erneut den Iran angegriffen habe, verzeichneten die Preise an den Tankstellen sofort wieder einen Aufwärtstrend.
Raffinerien bestimmen die Preispolitik
Die Verantwortung für die anhaltend hohen Preise liegt laut Vertretern der Branche nicht bei den lokalen Tankstellen. Gegenüber dem Nachrichtenportal ethnos.gr äußerte sich Themis Kiourtzis, Präsident der Panhellenischen Föderation der Kraftstoffhändler. Er erklärte, dass die Raffinerien die Preise an den Zapfsäulen maßgeblich diktieren würden.
Kiourtzis rechnete vor, dass die Raffinerien Anfang März Benzin für 1,56 Euro pro Liter verkauften. Kurz vor den jüngsten US-Angriffen mussten die Tankstellen bereits 1,77 Euro pro Liter an die Raffinerien zahlen – ein Aufschlag von 21 Cent. Gleichzeitig liege der reine Gewinn der Tankstellenbetreiber nach Abzug der Mehrwertsteuer und weiterer Kosten bei lediglich 0,06 bis 0,07 Euro pro Liter. Die Raffinerien meldeten derweil gestiegene Raffineriemargen beim Rohöl, was ihnen höhere Gewinne ermögliche. Zudem wies Kiourtzis auf eine monopolartige Stellung im Raffineriesektor hin. Die Raffinerien rechtfertigen ihre Preisgestaltung in der Regel mit den gestiegenen Notierungen für raffinierte Kraftstoffe an den internationalen Finanzmärkten.
Keine spürbare Entlastung im Sommer
Für die kommenden Monate zeichnet sich keine Besserung ab. Gegenüber ethnos.gr betonte Kiourtzis, dass in absehbarer Zeit kaum mit Preissenkungen zu rechnen sei. Der gesamte Sommer dürfte für die Verbraucher schwierig bleiben. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Benzin in Griechenland in den Sommermonaten deutlich günstiger werde als auf dem aktuellen Preisniveau. Der Markt sei extrem volatil, und sichere Prognosen seien derzeit unmöglich.