Athen – Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der zentralen Hochschulaufnahmeprüfungen in Griechenland bleiben in diesem Jahr landesweit fast 10.000 Studienplätze an staatlichen Universitäten unbesetzt. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die sogenannte Mindestzulassungsquote (EBE), ein dynamischer Notenschlüssel, der selbst Bewerber mit guten Ergebnissen von bestimmten Studiengängen ausschließt und nun eine erneute bildungspolitische Debatte auslöst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rund 9.600 Studienplätze an staatlichen Universitäten bleiben im Jahr 2026 unbesetzt.
- Die strenge Mindestzulassungsquote schließt teilweise auch Abiturienten mit guten Noten aus.
- Besonders naturwissenschaftliche und technische Fakultäten verzeichnen eine hohe Anzahl an Vakanzen.
Die Auswirkungen der Mindestzulassungsquote
Die aktuellen Zulassungszahlen haben die Diskussion um das griechische Prüfungssystem neu entfacht. Wie der Bildungsanalyst Giorgos Chatzitegas gegenüber dem Nachrichtensender CNN Greece erklärte, blieben in diesem Jahr rund 9.600 Plätze an den Hochschulen des Landes leer. Dies betreffe auch akademisch bedeutende Fakultäten und Studiengänge, für die eigentlich ein hohes Interesse seitens der Schulabgänger bestehe. Die Mindestzulassungsquote präge den Zulassungsplan weiterhin maßgeblich und führe dazu, dass Tausende Bewerber abgewiesen würden, während gleichzeitig Kapazitäten an den Universitäten ungenutzt blieben.
Verzerrungen durch unterschiedliche Gewichtungsfaktoren
Nach Ansicht des Experten müsse das System sechs Jahre nach seiner Einführung grundlegend neu bewertet werden. Chatzitegas argumentierte, dass die EBE weiterhin zu erheblichen Verzerrungen im Zulassungsverfahren führe. Bemerkenswert sei dabei, dass die Regelung nicht nur Abiturienten mit schwachen schulischen Leistungen treffe. Durch die unterschiedlichen Gewichtungsfaktoren, die von den jeweiligen Universitätsfakultäten individuell festgelegt werden, komme es vor, dass in bestimmten Fällen auch Schüler mit überdurchschnittlichen Prüfungsleistungen keinen Studienplatz erhalten.
Leere Hörsäle in naturwissenschaftlichen Fächern
Besonders deutlich zeige sich diese Problematik im zweiten und vierten wissenschaftlichen Prüfungsfeld, welche vor allem die MINT-Fächer sowie wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge abdecken. Nach Einschätzung des Analysten habe der allgemeine Anstieg der Zulassungsgrenzen in den naturwissenschaftlichen und polytechnischen Fakultäten in Kombination mit der strengen Anwendung der Mindestzulassungsquote dazu geführt, dass in diesen stark nachgefragten und zukunftsweisenden Fachbereichen noch mehr Plätze als in den Vorjahren unbesetzt geblieben seien.