Nikosia – Eine geringfügige Anpassung der morgendlichen Schulbeginn-Zeiten könnte erheblich dazu beitragen, die tägliche Verkehrsbelastung in Ballungsräumen zu verringern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung von Forschern der Universität Zypern, die den direkten Zusammenhang zwischen den Fahrten zur Schule und dem allmorgendlichen Berufsverkehr analysiert hat. Das altbekannte Bild verstopfter Straßen, wenn Berufstätige und Eltern gleichzeitig aufbrechen, ließe sich durch etwas mehr zeitliche Flexibilität spürbar entschärfen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Forscher der Universität Zypern simulieren den Verkehrsfluss bei leicht variierenden Schulzeiten.
- Eine zeitliche Verschiebung von durchschnittlich zwölf Minuten pro Schule kann die Verweildauer der Fahrzeuge im Netz um 17,2 Prozent senken.
- Starre Beginnzeiten zwingen durch die parallele Taktung auch Arbeitnehmer mit Gleitzeit in die Hauptverkehrszeit.
Der Faktor Schule im Berufsverkehr
Das zugrundeliegende Problem moderner Städte ist die starke Konzentration von Fahrten in einem sehr engen Zeitfenster. Wenn alle Schulen zur exakt gleichen Zeit beginnen, müssen Eltern ihre Kinder fast synchron absetzen, bevor sie zu ihrer eigenen Arbeitsstätte weiterfahren. Dabei reihen sie sich in den ohnehin starken Strom der regulären Pendler ein. Das Forscherteam aus Zypern weist darauf hin, dass aufgrund dieser starren Schulzeiten selbst Arbeitnehmer, die eigentlich über flexible Arbeitszeiten verfügen, gezwungen sind, sich während der morgendlichen Stoßzeit im Straßenverkehr zu bewegen.
Die Bedeutung dieses Faktors wird durch vorangegangene internationale Untersuchungen gestützt. Die Wissenschaftler verweisen unter anderem auf Daten aus der chinesischen Hauptstadt Peking. Dort fiel der Stau-Index an Werktagen während der Schulferien um satte 20 Prozent niedriger aus als an regulären Schultagen. Eine weitere Erhebung zeigte eine um 4,5 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für Verkehrsstaus, wenn die Schulen zeitgleich starten.
Simulation zeigt deutliches Entlastungspotenzial
Die Forscher Antonios Georgantas, Stelios Timotheou und Christos G. Panagiotou, tätig am Exzellenzzentrum für Forschung und Innovation KIOS der Universität Zypern, haben ein spezielles Optimierungsmodell entwickelt, um Lösungsansätze zu testen. Ihre Ergebnisse reichten sie kürzlich bei der Fachzeitschrift „Transportation Research Part C: Emerging Technologies“ ein. Für ihren Test nutzten sie ein simuliertes städtisches Umfeld mit insgesamt 50 Schulen, verteilt auf das Zentrum und die Peripherie.
Das Modell offenbarte einen klaren Trend: Je größer die Möglichkeit war, die Anfangszeiten der Schulen voneinander abweichen zu lassen, desto stärker sank die Gesamtzeit, die Fahrzeuge im Verkehrsnetz verbrachten. In einem konkreten Szenario erlaubten die Forscher eine kumulierte zeitliche Verschiebung von 600 Minuten über alle 50 Schulen hinweg, was einer durchschnittlichen Anpassung von lediglich zwölf Minuten pro Schule entspricht. Allein durch diese geringfügige Maßnahme verringerte das System die Verweildauer der Fahrzeuge im Netz um 17,2 Prozent.
Ein neues Werkzeug für die Stadtplanung
Der eingesetzte Algorithmus verteilte die zeitlichen Anpassungen gezielt nach den topografischen und kapazitären Bedürfnissen des Straßennetzes. Während einige Schulen im Modell etwas früher öffneten, starteten andere später; einige wenige behielten ihren ursprünglichen Zeitplan bei. Die zyprischen Wissenschaftler ordnen die Ergebnisse jedoch realistisch ein: Die ermittelten 17,2 Prozent Reduktion lassen sich nicht pauschal auf jede beliebige reale Stadt übertragen, da sie auf den spezifischen Annahmen des synthetischen Modells basieren.
Vielmehr belegt die Studie auf theoretischer Ebene, dass der Schulbeginn als fester Bestandteil der städtischen Verkehrsplanung betrachtet werden muss. Selbst ein sehr begrenzter Spielraum bei den Schulzeiten kann die morgendliche Lastverteilung auf den Straßen maßgeblich verbessern. Die Forscher bieten den zuständigen Behörden mit ihrem theoretischen Rahmenwerk nun ein Instrument an, um das Verhältnis zwischen schulischer Flexibilität und einem effizienteren Verkehrsfluss vor Ort exakt bewerten zu können.