Griechenland – Die junge Generation in Griechenland blickt mit wachsender Sorge in die Zukunft, geprägt von finanzieller Unsicherheit und einem akuten Mangel an beruflichen Perspektiven. Eine landesweite Studie der Initiative „Jugendintervention 2026“ (Παρέμβαση Νέων 2026) zeichnet ein alarmierendes Bild: Die massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten, die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt und das Gefühl, dass beruflicher Erfolg vor allem von persönlichen Beziehungen abhängt, führen zu einer tiefen Frustration. Über 60 Prozent der befragten jungen Erwachsenen betrachten ihr Heimatland mittlerweile nicht mehr als sicheres Umfeld für ihre persönliche Zukunftsplanung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Über 70 Prozent der jungen Griechen leiden aufgrund der Alltagssorgen häufig unter emotionaler Erschöpfung.
- Jeder dritte Befragte hat jegliches Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen verloren.
- Für 30 Prozent ist die anhaltende Teuerung das größte Hindernis, gefolgt von der Wohnungsnot (25 Prozent).
Hohe Lebenshaltungskosten und Wohnungsnot als Hauptbarrieren
Der wirtschaftliche Druck auf junge Menschen im Land wächst stetig. Auf die Frage nach den größten Hürden für ein eigenständiges Leben nennt fast ein Drittel (30 Prozent) der Umfrageteilnehmer die grassierende Inflation und die hohen Preise. Dicht darauf folgen das Problem der Wohnungsnot mit 25 Prozent und das anhaltend niedrige Lohnniveau (22 Prozent). Weitere genannte Hürden sind psychischer Druck (neun Prozent), allgemeine Perspektivlosigkeit (acht Prozent) sowie politische Unzuverlässigkeit (sechs Prozent). Diese wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität führt dazu, dass 28 Prozent der Befragten unter keinen Umständen mehr an eine positive Zukunft im Land glauben. 36 Prozent sehen eine Perspektive nur mit familiärer finanzieller Unterstützung, während 12 Prozent ihre Zukunft an harte Bedingungen wie extreme Arbeitsbelastung oder Auswanderung knüpfen.
Vitamin B statt Leistung: Das Gefühl der Chancenlosigkeit
Ein besonders besorgniserregendes Ergebnis der Erhebung ist die deutliche Wahrnehmung fehlender Meritokratie auf dem Arbeitsmarkt. 34 Prozent der jungen Erwachsenen sind der Ansicht, dass gute berufliche Möglichkeiten in erster Linie jenen offenstehen, die über Einfluss und die richtigen Kontakte verfügen. Lediglich neun Prozent glauben an echte, gleiche Chancen für alle. Weitere 21 Prozent machen ihren Lebensweg direkt von der finanziellen Absicherung durch das Elternhaus abhängig. Beim direkten Vergleich mit der Elterngeneration geben 46 Prozent an, dass sie heutzutage über deutlich weniger Möglichkeiten verfügen. Nur 16 Prozent schätzen ihre aktuelle Situation besser ein als die ihrer Eltern.
Misstrauen in Institutionen und emotionale Erschöpfung
Die anhaltende Unsicherheit schlägt sich massiv auf die psychische Gesundheit und das gesellschaftliche Vertrauen nieder. Jeder dritte junge Erwachsene gibt an, keinerlei Vertrauen mehr in Institutionen zu haben. Am ehesten wird noch dem Bildungssystem und den Universitäten (21 Prozent) sowie der Europäischen Union (18 Prozent) vertraut. Traditionelle Säulen wie die Justiz, die Medien oder das Militär erreichen lediglich marginale Zustimmungswerte.
Gleichzeitig erreichen die Burnout-Raten kritische Werte. 41 Prozent der Befragten fühlen sich im Alltag „sehr häufig“ emotional völlig erschöpft, weitere 33 Prozent geben an, dies „ziemlich häufig“ zu spüren. 17 Prozent erleben dies gelegentlich. Lediglich eine verschwindend geringe Minderheit von sechs beziehungsweise drei Prozent fühlt sich selten oder überhaupt nicht von emotionaler Erschöpfung betroffen. Insgesamt zeigt die Umfrage, dass eine absolute Mehrheit der griechischen Jugend unter einer konstanten psychischen Belastung leidet.