Griechenland – Sechs Menschen sind im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Spendenbetrug zulasten schwerkranker Kinder festgenommen worden. Nach Erkenntnissen der griechischen Polizei soll eine Organisation in Nordgriechenland einen Großteil der gesammelten Gelder zweckwidrig verwendet haben. Ein Teil des Geldes soll zudem in Fußballvereine und die Manipulation von Spielen geflossen sein.
Die Ermittler gehen von zwei miteinander verbundenen Gruppen aus: Eine soll über einen gemeinnützigen Verein Spenden gesammelt und Gelder abgezweigt haben, die andere soll Fußballspiele zugunsten bestimmter Mannschaften beeinflusst und daraus Wettgewinne erzielt haben. Die erste Gruppe soll seit mindestens 15. Oktober 2018, dem Gründungsdatum des Vereins, aktiv gewesen sein. Die mutmaßliche Gruppe für Spielmanipulationen soll seit mindestens dem 15. September 2026 bestanden haben. Bei einer großangelegten Polizeiaktion am 30. Oktober 2026 wurden sechs Personen festgenommen. Die Vorwürfe sind Gegenstand der Ermittlungen; eine Verurteilung wird damit nicht behauptet.
92 Spendenaktionen für 74 Menschen untersucht
Der Verein sammelte nach Polizeiangaben ohne die dafür erforderliche Genehmigung Geld für schwer erkrankte Kinder und Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Die Organisatoren veröffentlichten auf Facebook und Instagram Krankheitsgeschichten, Fotos und Angaben zu angeblich benötigten Behandlungs-, Reise- oder Unterkunftskosten. Nach Ansicht der Ermittler floss nur ein kleinerer Teil der Einnahmen tatsächlich an die Begünstigten.
Die Polizei erfasste 92 Spendenaktionen für 74 begünstigte Personen, von denen 55 identifiziert werden konnten. Bei manchen Aktionen sollen unterschiedliche Fotos und Angaben verwendet worden sein, um frühere Sammlungen für dasselbe Kind zu verschleiern. In weiteren Fällen seien Behandlungskosten bereits von Versicherungen übernommen worden oder niedriger gewesen als angegeben. Angekündigte Zahlungen an Krankenhäuser seien teilweise ausgeblieben.
Unter den mutmaßlich getäuschten Spendern waren auch bekannte Persönlichkeiten. Laut den vorliegenden Ermittlungsangaben überwies eine Reederin 30.000 US-Dollar, ein Sänger mehr als 13.000 Euro, ein Fußballspieler etwa 12.500 Euro, eine Tennisspielerin 8.000 Euro, eine Fernsehmoderatorin 1.570 Euro und eine Influencerin rund 800 Euro. Die hohen Spenden sollen anschließend öffentlich beworben worden sein, um weitere Unterstützer zu gewinnen.
Besonders schwer wiegt ein weiterer Verdacht: Die Beschuldigten sollen die Sperrung des Spendenkontos einer Mutter eines krebskranken Kindes herbeigeführt haben, nachdem sie unabhängig von dem Verein Geld sammeln wollte. Laut Polizei zahlten sie zunächst selbst einen Betrag ein und meldeten der Bank anschließend einen angeblichen Betrug. Danach hätten sie der Mutter Hilfe angeboten, um sie wieder an ihre Organisation zu binden.
Über 5,8 Millionen Euro auf untersuchten Konten
Die Ermittler werteten 29 Bank- und Zahlungskonten sowie mehr als 246.000 Kontobewegungen aus. Zwischen 2018 und 2026 gingen auf Konten des Vereins und auf persönliche Konten eines Beschuldigten insgesamt mehr als 5,8 Millionen Euro ein. Wie viel zusätzlich bei Veranstaltungen und über aufgestellte Spendenboxen in bar gesammelt wurde, ist bislang ungeklärt. Die gesamte Einzahlungssumme ist nicht mit der Höhe des nachgewiesenen oder vermuteten Schadens gleichzusetzen.
Für die bisher ermittelten Familien, deren Eltern befragt wurden, nennt die Polizei einen konkreteren Vergleich: Den entsprechenden Spendengutschriften von rund 3.940.692 Euro standen Zahlungen an die Begünstigten von ungefähr 1.111.176 Euro gegenüber. Daraus ergibt sich nach den Ermittlungsangaben ein mutmaßlich zweckentfremdeter Betrag von rund 2.829.516 Euro. Bis zur beschriebenen Ermittlungsphase hatten Eltern von 34 begünstigten Kindern ausgesagt. Die Suche nach weiteren Familien dauert an.
Nach Darstellung der Polizei gelangten die Gelder teils über Banküberweisungen und den Zahlungsdienst IRIS auf persönliche Konten. Andere Beträge sollen bar abgehoben, erneut eingezahlt oder für den Lebensunterhalt sowie für Ausgaben eines Cafés in Kalamaria bei Thessaloniki genutzt worden sein. Begünstigte Familien erhielten Zahlungen je nach Fall per Überweisung, in bar oder über Prepaid-Karten.
Verdacht auf Geldwäsche und manipulierte Fußballspiele
Zur Verschleierung der Geldflüsse sollen die Beschuldigten Bargeldtransaktionen, Überweisungen zwischen Privatkonten und zwei Scheinfirmen eingesetzt haben. Hinzu kam nach Polizeiangaben ein als Autovermietung geführtes Scheinunternehmen. Insgesamt wurden neun mutmaßlich fingierte Steuerbelege mit einem Gesamtwert von 149.700 Euro festgestellt. Die Ermittler untersuchen zudem den Erwerb von Fahrzeugen und Luxusgütern, deren Finanzierung nicht zu den deklarierten Einkünften gepasst haben soll.
Eine besondere Rolle spielten Sportwetten. Ein Beschuldigter soll mehr als 2,6 Millionen Euro auf Wettkonten eingezahlt und mehr als 2 Millionen Euro wieder abgehoben haben. Die Polizei vermutet, dass so Gelder als vermeintliche Spielgewinne dargestellt werden sollten. Diese Ein- und Auszahlungen sind nicht mit einem entsprechenden Wettgewinn gleichzusetzen.
Der Hauptbeschuldigte soll außerdem mehr als 250.000 Euro in zwei Fußballvereine gesteckt haben, unter anderem durch nicht offiziell verbuchte Barzahlungen an Spieler, Mitarbeiter und Lieferanten. Nach den Ermittlungen war er in den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 als nicht offiziell auftretender Geldgeber eines Vereins und in der Saison 2026/27 eines weiteren Vereins in der Region Pieria tätig.
Im Zentrum der Manipulationsvorwürfe steht ein Spiel vom 19. September 2026, das 2:1 endete. Nach Angaben der Polizei sollen 1.000 Euro an Schlüsselpersonen, darunter einen Verantwortlichen für das Schiedsrichterwesen und einen Schiedsrichter, geflossen sein, um das Ergebnis zu beeinflussen. In dem Spiel gab es zwei Elfmeter für die begünstigte Mannschaft und eine Rote Karte gegen den Gegner. Die Ermittler prüfen außerdem eine mutmaßliche Absprache über weitere Bevorzugungen in der Saison, für die ein Beteiligter pro Spiel 300 bis 500 Euro erhalten sollte. Ziel soll der Aufstieg einer Amateurmannschaft aus der ersten lokalen Spielklasse in die dritthöchste nationale Liga gewesen sein.
Die Polizeiaktion vom 30. Oktober erstreckte sich auf zahlreiche Regionen Griechenlands. Neben der Suche nach Verdächtigen sollten die Beamten weitere Familien betroffener Kinder ausfindig machen und befragen.
Mit Informationen von: Griechische Polizei (EL.AS.).