Mykonos – Im Hafen der griechischen Insel ist ein neues System zur Wiederverwendung von Wasser in Betrieb gegangen. Laut technischer Studie soll es den Wasserbezug der öffentlichen Sanitäranlagen aus dem kommunalen Netz um mehr als 65 Prozent reduzieren. Ob dieser Wert tatsächlich erreicht wird, muss sich im laufenden Betrieb erst zeigen.
Die Anlage sammelt Wasser aus den Waschbecken der öffentlichen Toiletten. Anschließend wird es gefiltert, mit Sauerstoff behandelt und desinfiziert, bevor es innerhalb der Sanitäranlagen erneut verwendet wird. Ergänzt wird die Wiederverwendung durch eine Technik, die Wasser aus der Luftfeuchtigkeit gewinnt, die sogenannte Atmospheric Water Generation.
Ein digitales Überwachungssystem erfasst in Echtzeit, welche Wassermengen wiederverwendet werden. Besucher können sich über eine öffentlich zugängliche Anzeige über die Leistung der Anlage informieren.
CTL Maritime übernimmt die gesamten Projektkosten
Finanziert wurde das Vorhaben vollständig von CTL Maritime, einem Unternehmen der MSC-Gruppe. Dem Kommunalen Hafenfonds von Mykonos entstanden dadurch nach den vorliegenden Angaben keine Kosten für die Umsetzung.
Die Initiative geht auf Ioannis Bras zurück, den Kreuzfahrtberater des Kommunalen Hafenfonds und Geschäftsführer von Five Senses Consulting & Development. Er schlug das Projekt vor und koordinierte es von der Idee bis zur Fertigstellung. Für die technische Planung und die Installation war Global Esco gemeinsam mit den Ingenieuren des Hafenfonds verantwortlich.
Der Vorsitzende des Hafenfonds, Athanasios Kousathanas-Megas, verwies auf die hohen Anforderungen an den international bekannten Urlaubsort und die damit verbundenen Umweltprobleme. Wassereinsparung, bessere Infrastruktur und die Versorgung der Besucher seien wesentliche Prioritäten. Er dankte CTL Maritime und allen Projektbeteiligten. Im Rahmen der Zusammenarbeit überreichte er dem leitenden strategischen Berater Kyriakos Anastasiadis eine Erinnerungsplakette für den Beitrag des Sponsors.
Anastasiadis betonte, dass die Kreuzfahrtbranche auch einen dauerhaften Nutzen für die besuchten Orte und deren Bevölkerung schaffen müsse. Die Anlage auf Mykonos sei eine praktische Antwort auf den hohen Wert der Ressource Wasser. Er äußerte die Hoffnung, dass ähnliche Kooperationen auch in anderen griechischen Reisezielen entstehen.
Über 65 Prozent Einsparung sind bislang eine Prognose
Gerade in der touristischen Hochsaison steigt auf Mykonos die Nachfrage nach Wasser. Zur Versorgung der Insel trägt auch die energieintensive Meerwasserentsalzung bei. Ein geringerer Wasserbezug aus dem kommunalen Netz könnte deshalb den Bedarf an zusätzlich produziertem Wasser verringern.
Die in der Studie genannte Reduktion von mehr als 65 Prozent bezieht sich jedoch auf die Wassernachfrage der betroffenen Sanitäranlagen aus dem kommunalen Netz, nicht auf den gesamten Verbrauch des Hafens oder der Insel. Es handelt sich um eine erwartete Leistung und nicht um eine bereits gemessene Einsparung. Für eine belastbare Bilanz müssen neben den wiederverwendeten Wassermengen auch der Energiebedarf und der Wartungsaufwand des Systems berücksichtigt werden.
Die Betriebsdaten könnten künftig auch für andere Häfen, Hotelbetriebe und Inselgemeinden interessant sein, die ähnliche Technologien prüfen. Ob sich eine solche Anlage wirtschaftlich und ökologisch lohnt, hängt unter anderem von der vorhandenen Infrastruktur, dem saisonalen Wasserbedarf und den Betriebskosten ab.
Mit Informationen von: Kommunaler Hafenfonds von Mykonos.