Griechenland – Der Eisenbahnverkehr auf der wichtigsten griechischen Nord-Süd-Achse steht vor einer massiven Unterbrechung. Auf der Hauptstrecke zwischen Athen und Thessaloniki droht ab Ende Juni eine voraussichtlich zwanzigtägige Vollsperrung, um dringend notwendige Reparaturarbeiten nach den Zerstörungen durch das Sturmtief Daniel im Herbst 2023 durchzuführen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Bahnstrecke zwischen Athen und Thessaloniki steht vor einer zwanzigtägigen Sperrung.
- Als anvisierter Zeitraum für die Einstellung des Verkehrs gilt der 28. Juni bis zum 18. Juli.
- Griechische Behörden prüfen einen Busersatzverkehr für den Abschnitt nördlich von Lianokladi.
- Ab dem 23. Mai 2026 wird auch die Strecke Alexandroupoli – Ormenio temporär eingestellt.
Wiederaufbau erfordert Stillstand auf der Haupttrasse
Wie übereinstimmende Berichte aus der griechischen Presse darlegen, befindet sich die Planung für die Streckensperrung in der finalen Phase. Zwar steht eine formelle Bekanntgabe durch das zuständige Infrastrukturministerium sowie die staatliche Eisenbahninfrastrukturgesellschaft OSE noch aus, doch gilt die Maßnahme in Behördenkreisen als äußerst wahrscheinlich. Den internen Informationen zufolge soll der Bahnverkehr in der Zeit vom 28. Juni bis zum 18. Juli ruhen. Die ursprünglich diskutierte Ausfallzeit von 45 Tagen wurde demnach auf einen Zeitraum von knapp 20 Tagen komprimiert.
Die weitreichende Unterbrechung ist zwingend notwendig, um auf dem Streckenabschnitt zwischen Domokos und Krannonas großflächige Bauarbeiten ausführen zu können. Die dortige Infrastruktur hatte während der katastrophalen Überschwemmungen durch das Sturmtief Daniel im Jahr 2023 fundamentale Beschädigungen erlitten. Die Regierung verfolgt mit den tiefgreifenden Reparaturen das erklärte Ziel, die Sicherheitssysteme vollständig zu modernisieren, um im Laufe des Jahres 2026 wieder schnellere und verlässlichere Zugverbindungen auf der Hauptverkehrsader zu ermöglichen.
Ausweichpläne und Belastung für den Güterverkehr
Für die betroffenen Reisenden zieht die anstehende Maßnahme erhebliche logistische Herausforderungen nach sich, da auf der Strecke aktuell ohnehin nur zwei reguläre Zugverbindungen betrieben werden. Auf staatlicher Ebene wird derzeit die Option geprüft, die Schienenfahrzeuge aus dem Süden lediglich bis zum Bahnhof Lianokladi verkehren zu lassen. Von diesem Knotenpunkt aus müssten die Passagiere ihre Reise in den Norden mit Bussen oder über andere kombinierte Transportlösungen fortsetzen. Die endgültigen Beschlüsse zu den Ersatzfahrplänen stehen noch aus.
Neben dem Personenverkehr stellt die drohende Sperrung auch die nationale Logistik und die Lieferketten vor erhebliche Probleme. Dem Vernehmen nach laufen derzeit intensive Konsultationen mit großen Frachtbetreibern und den lokalen Hafenbehörden. Diese Gespräche zielen darauf ab, die massiven Auswirkungen auf den kommerziellen Warentransport abzufedern. Ein zentraler Verhandlungspunkt ist dabei die Vermeidung von Konventionalstrafen, welche in den bestehenden Lieferverträgen für den Ausfall von Güterzügen vertraglich festgeschrieben sind.
Weitere Zugausfälle im Norden des Landes
Die geplante Einstellung des Verkehrs auf der Hauptroute sorgt bei Nutzern und Beschäftigten bereits jetzt für spürbaren Unmut. Seit der tragischen Zugkollision von Tempi und den nachfolgenden technischen Problemen operiert das nationale Schienennetz nur noch mit einem Bruchteil seiner ursprünglichen Kapazität. Während auf der Verbindung zwischen Athen und Thessaloniki nur sehr wenige Personenzüge verkehren, liegt der Eisenbahnbetrieb in zahlreichen Regionen Nordgriechenlands und der Peloponnes faktisch völlig brach. Interessensvertreter befürchten, dass eine erneute wochenlange Pause das Vertrauen in das System weiter untergräbt.
Zusätzlich zu den Einschränkungen auf der Hauptstrecke kündigte die Betreibergesellschaft Hellenic Train weitere massive Ausfälle in der nördlichen Region Evros an. Ab dem 23. Mai 2026 wird die Eisenbahnzirkulation auf dem Teilabschnitt Alexandroupoli – Ormenio – Orestiada vollständig ausgesetzt. Das Verkehrsunternehmen begründet diesen Schritt mit zwingend notwendigen technischen Aufrüstungen. Auf den Schienenfahrzeugen muss das neue Ortungssystem HEPOS installiert werden. Für die Dauer der Werkstattarbeiten werden Reisebusse eingesetzt, um die meisten planmäßigen Haltestellen entlang der Strecke abzudecken, bis das System vollständig integriert ist.