Athen – Ein schwerwiegender Fall von Korruption im medizinischen Sektor erschüttert das staatliche Gesundheitssystem (ESY) in der griechischen Hauptstadt. Ein Anästhesist, der im onkologischen Krankenhaus Agioi Anargyroi tätig ist, wurde dabei überführt, von einer Patientin ein illegales Schmiergeld – in Griechenland umgangssprachlich als “Fakelaki” bekannt – für eigentlich kostenfreie medizinische Dienstleistungen zu verlangen. Der Vorfall, der durch eine heimliche Videoaufnahme der Betroffenen an die Öffentlichkeit gelangte, rief umgehend Gesundheitsminister Adonis Georgiadis auf den Plan, der drastische Konsequenzen für den beschuldigten Mediziner ankündigte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Anästhesist forderte von einer Patientin illegal bis zu 150 Euro für eine Behandlung.
- Der Vorfall ereignete sich im onkologischen Krankenhaus Agioi Anargyroi in Athen.
- Die betroffene Patientin zeichnete die Geldforderung heimlich auf Video auf.
- Gesundheitsminister Adonis Georgiadis ordnete die sofortige Entlassung des Arztes an.
Heimliche Videoaufnahme überführt den Mediziner
Der Skandal kam ans Licht, nachdem ein entlarvendes Video in den sozialen Netzwerken Verbreitung fand. In der Aufnahme, welche die betroffene Patientin selbst angefertigt hatte, ist der Anästhesist deutlich zu hören. Der Arzt wies die Patientin an, einen Betrag zwischen 100 Euro und 150 Euro zu zahlen. Zudem gab er detaillierte Anweisungen, wie und auf welchem Weg das Geld übergeben werden solle. Diese Geldforderung bezog sich auf medizinische Leistungen, die jedem versicherten Bürger im Rahmen des staatlichen Gesundheitssystems völlig kostenfrei zustehen.
Besondere Brisanz erhält der Fall durch den Ort des Geschehens. Das Krankenhaus Agioi Anargyroi ist eine spezialisierte onkologische Einrichtung, in der schwer kranke und oft psychisch stark belastete Krebspatienten behandelt werden. Die Praxis des sogenannten “Fakelaki”, bei der Patienten dem medizinischen Personal Geldumschläge zustecken, um vermeintlich bessere oder schnellere Behandlungen zu erhalten, gilt in Griechenland als tief verwurzeltes strukturelles Problem, gegen das die Behörden seit Jahren mit zunehmender Härte vorgehen.
Gesundheitsministerium zieht sofortige Konsequenzen
Die Reaktion der politischen Führung erfolgte unmittelbar nach Bekanntwerden der Aufnahmen. Gesundheitsminister Adonis Georgiadis bestätigte den Vorfall öffentlich und gab an, dass sowohl die betroffene Klinik als auch die Identität des Arztes durch eine sofort eingeleitete interne Untersuchung zweifelsfrei festgestellt werden konnten. Der Minister wies die Verwaltung der Klinik an, umgehend sämtliche rechtlichen Schritte einzuleiten, um den beschuldigten Anästhesisten dauerhaft aus dem Dienst zu entfernen.
In einer offiziellen Stellungnahme äußerte sich der Minister unmissverständlich zu den Vorgängen und richtete sich direkt an das Opfer. “Ich verabscheue das Schmiergeld, eine Tat, die den menschlichen Schmerz ausnutzt und absolut keine Beziehung zu den Werten hat, denen wir im staatlichen Gesundheitssystem dienen”, erklärte Adonis Georgiadis und fügte hinzu, dass er das Geschehene zutiefst bedaure und die Patientin im Namen des Staates um Entschuldigung bitte. Das konsequente Durchgreifen soll auch als klares Warnsignal an das gesamte medizinische Personal dienen, dass Bestechlichkeit im öffentlichen Dienst nicht toleriert wird.