Athen – In der griechischen Hauptstadt steht die größte Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs seit Jahrzehnten kurz vor dem Abschluss. Der stellvertretende Verkehrsminister Konstantinos Kyranakis kündigte an, dass in der kommenden Zeit die letzten neuen Fahrzeuge in den regulären Linienbetrieb übergehen, welche sich derzeit noch in der Testphase befinden. Die umfassende Flottenerneuerung zielt darauf ab, die Zuverlässigkeit des städtischen Transportsystems drastisch zu erhöhen und die Beförderungskapazitäten an den tatsächlichen Bedarf der Metropole anzupassen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rund 80 Prozent der Athener Busflotte wird komplett erneuert.
- Insgesamt 1.076 neue Fahrzeuge gehen in den regulären Betrieb.
- Die Wartezeiten sollen auf zentralen Linien um bis zu 50 Prozent sinken.
- Athen bildet künftig Fahrer ohne professionellen Busführerschein aus.
- Bis zum Jahr 2028 werden 617 weitere Busse angeschafft.
Historischer Flottenaustausch: Das sind die neuen Busse in Athen
Die Dimensionen der laufenden Erneuerung verändern das Straßenbild der Hauptstadt grundlegend. Mit der bevorstehenden Integration von weiteren 205 neuen Bussen steigt die Gesamtzahl der fabrikneuen Fahrzeuge, die in Athen auf den Straßen unterwegs sind oder in Kürze eingesetzt werden, auf exakt 1.076 Einheiten. Dies entspricht einer Erneuerungsquote der gesamten Flotte von fast 80 Prozent. Die jüngste Tranche der Neuzugänge setzt sich aus 125 Elektrobussen, 13 erdgasbetriebenen Bussen (CNG) des Herstellers IVECO sowie 67 weiteren neuen CNG-Modellen der Marke Menarini zusammen. Diese moderne Flotte ergänzt die bereits im Einsatz befindlichen 871 neuen Fahrzeuge, die täglich das Fahrgastaufkommen bewältigen.
Ein Blick in die jüngste Vergangenheit verdeutlicht die Dringlichkeit dieser infrastrukturellen Maßnahme. Laut den Angaben des zuständigen Ministeriums war das neueste Fahrzeug im städtischen Bestand des Jahres 2019 bereits rund zehn Jahre alt. Die überwiegende Mehrheit der damals zirkulierenden Busse stammte sogar aus dem Baujahr 1999. Das aktuelle Bild nach der Reform ist ein völlig anderes: Die neu zusammengestellte Flotte besteht zu einem Drittel aus vollelektrischen Fahrzeugen, ein weiteres Drittel wird mit Erdgas betrieben, und das letzte Drittel bilden hochmoderne Dieselfahrzeuge der neuesten technologischen Generation.
Kampf dem Personalmangel: Neue Ausbildungswege für Fahrer
Die bloße Anschaffung neuer und emissionsarmer Fahrzeuge reicht für einen reibungslosen Betriebsablauf im dichten Athener Verkehr jedoch nicht aus. Daher wird die Modernisierung des Fuhrparks direkt mit einer massiven personellen Aufstockung verknüpft. Aktuell läuft ein neues formelles Ausschreibungsverfahren für die Einstellung von Fahrpersonal. Eine absolute Neuheit in diesem Rekrutierungsprozess ist die geänderte Zugangsvoraussetzung: Zum ersten Mal haben auch Bewerber die formelle Möglichkeit zur Teilnahme, die noch nicht über einen professionellen Busführerschein verfügen.
Um diese neuen Arbeitskräfte schnellstmöglich in das komplexe städtische Verkehrssystem zu integrieren, bietet die zuständige Nahverkehrsgesellschaft OSY eine kostenfreie Ausbildung in ihrer hauseigenen Fahrschule an. Diese strategische und pragmatische Entscheidung soll den gestiegenen personellen Bedarf zügig decken und den Einsatz der neuen Flotte absichern. Das übergeordnete Ziel der Behörden ist es, die Gesamtzahl der aktiven Busfahrer in Athen durch diese Maßnahmen auf 3.000 Angestellte zu erhöhen.
Kürzere Wartezeiten: Die konkreten Ziele für den Berufsverkehr
Die Pendler und Fahrgäste sollen die weitreichenden Auswirkungen dieser Investitionen direkt im städtischen Alltag spüren. Das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr verfolgt das klare Ziel, die Taktung der zentralen Hauptlinien des Netzwerkes bis zum Ende des Jahres 2026 um bis zu 50 Prozent zu verbessern. Auf einigen spezifischen Strecken im Metropolennetz sind diese Fortschritte durch die neuen Busse bereits heute messbar und dokumentiert.
Dort haben sich die durchschnittlichen Wartezeiten an den Haltestellen von ehemals rund 18 Minuten im vergangenen Jahr auf aktuell acht bis neun Minuten halbiert. Dennoch weisen die Verkehrsbehörden transparent darauf hin, dass in anderen Abschnitten des weitläufigen und historisch gewachsenen Liniennetzes weiterhin operative Herausforderungen und Engpässe bestehen, die in den kommenden Monaten schrittweise behoben werden müssen.
Der Blick nach vorn: Weitere hunderte Busse bis 2028 geplant
Der Ausbau und die ökologische Transformation der städtischen Verkehrsinfrastruktur sind mit der aktuellen Lieferung der 1.076 Fahrzeuge jedoch nicht abgeschlossen. Die strategische Planung des Ministeriums reicht deutlich weiter in die Zukunft, um die Kapazitäten dauerhaft zu sichern. Bis zum Jahr 2028 ist die verbindliche Integration von weiteren 617 neuen Bussen in das System fest eingeplant.
Finanziert wird diese nächste, groß angelegte Beschaffungswelle durch eine zielgerichtete Kombination aus europäischen Fördermitteln und nationalen Finanzierungsinstrumenten. Nach dem vollständigen Abschluss aller Ausbauphasen wird die aktive Flotte des Athener Nahverkehrs aus mehr als 2.000 Fahrzeugen bestehen. Von diesem endgültigen Fuhrpark werden voraussichtlich rund 1.700 Einheiten komplett neu sein, was den Nahverkehr der griechischen Hauptstadt auf ein völlig neues europäisches Niveau heben wird.