Thessaloniki – Ein schwerer Arbeitsunfall im Justizpalast von Thessaloniki (DMTh) rückt die mangelhafte Infrastruktur griechischer Gerichtsgebäude erneut in den Fokus. Am Freitag (08.05.) erlitt eine Justizangestellte der Staatsanwaltschaft erster Instanz einen Stromschlag, als sie lediglich den Lichtschalter in ihrem Büro betätigen wollte. Der Vorfall verdeutlicht die massiven Sicherheitsmängel, vor denen Arbeitnehmervertreter seit Jahren warnen.
Nach Angaben des Verbandes der Justizangestellten von Thessaloniki (SDYTh) stellt dieser Unfall nur das jüngste Glied in einer langen Kette von Vorfällen dar, die fehlende Sicherheits- und Schutzmaßnahmen für Leben und Gesundheit der Beschäftigten dokumentieren. Der Verband kritisiert scharf, dass staatliche Versprechen zur Sanierung des Gebäudes trotz jahrelanger Warnungen unerfüllt geblieben sind.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Angestellte der Staatsanwaltschaft erleidet Stromschlag am Arbeitsplatz.
- Unfall passierte am Freitag beim Betätigen eines Lichtschalters.
- Betroffene klagte über Taubheitsgefühle im Arm und der Kopfhälfte.
- Justizangestellten-Verband warnt seit zehn Jahren vor Sicherheitsmängeln.
- Sanierungsprojekt in Höhe von 80 Millionen Euro stockt massiv.
Der Unfall: Stromschlag und Kurzschluss im Büro
Die detaillierte Schilderung des Verbandes zeichnet ein alarmierendes Bild des Vorfalls. Am vergangenen Freitag um 14:20 Uhr ereignete sich der Unfall, der von den Beschäftigten als “angekündigtes” Desaster bezeichnet wird. Nachdem die Beamtin den Stromschlag am Schalter erlitten hatte, informierten Kollegen umgehend die diensthabende Krankenschwester im medizinischen Raum des Erdgeschosses.
Auf deren Anweisung wurde sofort ein Rettungswagen gerufen, der die verletzte Beamtin in das zuständige Bereitschaftskrankenhaus transportierte. Die Justizmitarbeiterin wies bedenkliche Symptome auf, darunter Taubheitsgefühle im linken Arm sowie in einer Kopfhälfte. Ein herbeigerufener Elektriker des Justizpalastes stellte fest, dass beim Betätigen des Schalters ein Kurzschluss entstand, woraufhin eine Deckenlampe mit einem lauten Knall und einem Lichtblitz platzte.
Ärztliche Betreuung und Zustand der Verunfallten
Im Krankenhaus empfahl der behandelnde Arzt gemäß dem medizinischen Protokoll eine 24-stündige stationäre Überwachung der Patientin. Die Beamtin entschied sich jedoch dagegen und verließ die Klinik auf eigene Verantwortung. Eine spätere Kontaktaufnahme der Kollegen ergab, dass ihr Gesundheitszustand weiterhin beeinträchtigt ist und zusätzliche medizinische Untersuchungen erforderlich macht.
Der Verband wertet dieses Ereignis nicht als isolierten Zwischenfall. Vielmehr spiegele es ein bekanntes Muster wider, bei dem Gewerkschaften beständig auf Infrastrukturmängel, unzureichende Wartung und Personalmangel hinweisen – ähnlich wie es in der Vergangenheit bei Eisenbahnern oder Fluglotsen der Fall war. Die Angestellten kritisieren, dass ihre Sicherheit dem Diktat der Kostenreduzierung untergeordnet werde.
Chronisches Versagen: Warnungen seit einem Jahrzehnt
Die unhaltbaren Zustände im Justizpalast von Thessaloniki sind den Behörden bestens bekannt. Der Verband der Justizangestellten dokumentiert seit einem Jahrzehnt die mangelnde Instandhaltung des historischen Gebäudes. Obwohl diese Beharrlichkeit den staatlichen Apparat zu Zusagen bewegte, blieben konkrete Taten weitgehend aus.
In einem Memorandum vom November 2022, das dem damaligen Justizminister Tsiaras übergeben wurde, forderte der Verband wahlweise den Neubau eines Gerichtsgebäudes oder die Errichtung eines Erweiterungsbaus. Die Arbeitsbedingungen wurden darin als inakzeptabel beschrieben: Kabel verlaufen ungeschützt auf dem Boden, die Beleuchtung ist unzureichend, Leuchtmittel sind defekt, und die sanitären Anlagen für Bürger und Personal befinden sich in einem beklagenswerten Zustand. Zudem herrscht akuter Platzmangel in den Büros.
Verzögerte Sanierung und finanzielle Engpässe
Nach diesen Interventionen wurde ein Sanierungsprojekt im Wert von zunächst 55 Millionen Euro in den Staatshaushalt aufgenommen. Dieses Vorhaben umfasste eine Public-Private-Partnership (ÖPP) zur Renovierung, energetischen Aufwertung und statischen Verstärkung des Bestandsgebäudes. Nach einem Treffen mit Justizminister Floridis im September 2023 wurde bestätigt, dass einige Abteilungen ausgelagert und das bestehende Gebäude saniert werden sollte. Der Zeitplan sah eine Fertigstellung bis 2026 vor, um Fördermittel zu sichern.
Trotz zahlreicher Folgetreffen mit hochrangigen Regierungsvertretern und einer Erhöhung des Budgets auf mittlerweile 80 Millionen Euro verzeichnet das Projekt massive Verzögerungen. Derzeit fehlt eine garantierte Finanzierung für die Renovierung des Altbaus, und der Umzug des Berufungsgerichts sowie der Berufungsstaatsanwaltschaft verschiebt sich beständig, da grundlegende Baumaßnahmen, wie die Errichtung von Gerichtssälen im neuen Gebäude, nicht abgeschlossen sind. Der Verband fordert nun den sofortigen Beginn substanzieller Wartungsarbeiten und verbindliche Zeitpläne für den Umzug in sichere Räumlichkeiten.