Griechenland – Die Raten für kindliches Übergewicht haben in Südeuropa ein kritisches Niveau erreicht. Nach neuesten Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist europaweit jedes vierte Kind im Alter zwischen sieben und neun Jahren übergewichtig oder fettleibig. Griechenland verzeichnet dabei besonders hohe Werte und belegt den zweiten Platz bei der Adipositas-Prävalenz sowie den dritten Platz beim allgemeinen Übergewicht in dieser Altersgruppe. Als Reaktion auf diese Entwicklung rollt das Land nun umfangreiche Präventionsprogramme aus.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Griechenland belegt den zweiten Platz bei kindlicher Adipositas in Europa.
- Bis zu 42 Prozent der griechischen Kinder weisen ein zu hohes Körpergewicht auf.
- Etwa 18 Prozent der Erziehungsberechtigten unterschätzen das Gewichtsproblem ihrer Kinder systematisch.
- Ein staatliches Programm bietet kostenlose Beratungen für Familien mit Kindern bis 17 Jahren.
Alarmierende Daten der Weltgesundheitsorganisation
Die aktuellen Statistiken zur gesundheitlichen Entwicklung von Kindern in Griechenland spiegeln einen langjährigen Trend wider. Die Internationale Hellenische Universität (IHU) beteiligt sich bereits seit dem Jahr 2010 an den europäischen Überwachungsprogrammen der WHO. Die systematische Datenerfassung zeigt, dass der Anteil der übergewichtigen und fettleibigen Kinder in Griechenland in den vergangenen Jahren konstant zwischen 30 und 42 Prozent liegt. Der Anteil der Kinder mit diagnostizierter Adipositas bewegt sich dabei in einem Rahmen von 15 bis 20 Prozent.
Auffällig ist die geschlechtsspezifische Entwicklung im frühen Schulalter. Bei jüngeren Kindern sind die Prävalenzraten zwischen Jungen und Mädchen nahezu identisch. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil bei den weiblichen Heranwachsenden jedoch signifikant ab. Gleichzeitig belegen die Daten eine klare sozioökonomische Komponente, da die höchsten Quoten in wirtschaftlich und sozial benachteiligten Regionen des Landes registriert werden. Verschärft wird die Situation durch die verzerrte Wahrnehmung innerhalb der Familien: Etwa 18 Prozent der Eltern und Betreuer stufen das Gewicht ihrer Kinder fälschlicherweise als normal ein.
Ursachen für das zunehmende Übergewicht bei Schülern
Die detaillierten Ergebnisse und Ursachenanalysen wurden von Maria Chasapidou, Professorin an der Fakultät für Ernährungs- und Diätwissenschaften der IHU, während einer Pressekonferenz auf dem Universitätscampus in Sindos bei Thessaloniki vorgestellt. Die Präsentation fand im Rahmen des offiziellen Abschlusses der Initiative “Nahrung für Aktion” statt, welche einen zentralen Pfeiler der nationalen Strategie gegen Kinder-Adipositas bildet. Die akademischen Experten konnten die Haupttreiber für diese gesundheitliche Fehlentwicklung klar benennen.
Zu den primären Ernährungsfehlern zählen demnach der übermäßige Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken und Säften sowie eine generell unzureichende Wasseraufnahme. Die regelmäßige Auslassung des Frühstücks und der verstärkte Verzehr von stark verarbeiteten, ungesunden Snacks tragen massiv zur Kalorienüberversorgung bei. Kombiniert werden diese Ernährungsgewohnheiten mit einem akuten Bewegungsmangel. Der drastisch gestiegene und anhaltende Bildschirmkonsum verdrängt die physische Aktivität im Alltag der Kinder und korreliert direkt mit der raschen Gewichtszunahme.
Das Präventionsprogramm und staatliche Maßnahmen
Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde die Initiative “Nahrung für Aktion” unter Beteiligung von insgesamt 13 griechischen Universitäten ins Leben gerufen. Das wissenschaftliche Konsortium entwickelte vier umfassende Werkzeugkästen mit spezifischem Bildungsmaterial, das auf alle Bildungsstufen vom Kindergarten bis zur Oberschule zugeschnitten ist. Die inhaltlichen Schwerpunkte der pädagogischen Interventionen zielen auf eine ausreichende Hydration, die drastische Reduktion von Flüssigzucker, die Etablierung eines täglichen Frühstücks sowie die Förderung der körperlichen Bewegung und die Minimierung sitzender Tätigkeiten ab.
In der Region Zentralmakedonien wurde das Projekt federführend von der IHU und der Aristoteles-Universität Thessaloniki (AUTH) koordiniert. Zu den strategischen Partnern gehörten das Institut für Sozial- und Präventivmedizin (IKPI) sowie das Kinderhilfswerk UNICEF. Diese Kooperation ist Teil des nationalen Netzwerks der Generalsekretärin für öffentliche Gesundheit. Die Finanzierung der nationalen Strategie, die vom Griechischen Gesundheitsministerium getragen wird, erfolgt aus Mitteln des europäischen Aufbauinstruments NextGenerationEU im Rahmen des Programms “Griechenland 2.0”.
Konkrete Umsetzung und kostenlose Unterstützung für Familien
Die praktische Umsetzung der Maßnahmen erreichte im abgelaufenen Zeitraum beachtliche Dimensionen. So wurden Informationsseminare für insgesamt 1.025 Lehrkräfte, Eltern und Erziehungsberechtigte durchgeführt. Das Programm umfasste zudem zwei große Gesundheits- und Bewegungsfestivals sowie einen generationenübergreifenden Marathon, an dem sich 460 Schüler und 150 Erwachsene beteiligten. Als Leuchtturmprojekte fungierten zwei speziell eingerichtete Knotenpunkt-Schulen in Thessaloniki und Kilkis, in denen gezielte Interventionen für rund 500 Schüler stattfanden. Zusätzlich wurden öffentliche Sportflächen kartiert und detaillierte Leitfäden für bewährte Praktiken erstellt.
Die wissenschaftlichen Vertreter der IHU erklärten, dass der Abschluss des Programms einen großen Erfolg markiere und die Sensibilisierung der breiten Gemeinschaft erreicht worden sei. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen und der Zivilgesellschaft bilde ein starkes Fundament für künftige Gesundheitsinitiativen. Ergänzend dazu bietet der Staat nun ein flächendeckendes Unterstützungssystem an. Familien mit Kindern zwischen null und 17 Jahren erhalten Zugang zu ärztlichen Beurteilungen der körperlichen Entwicklung und der Risikofaktoren. Bei bestehender Adipositas stellt der Staat kostenlose Beratungsgespräche mit qualifizierten Gesundheitsexperten zur Verfügung, die eine langfristige Begleitung bei der Umstellung von Ernährung und Bewegung gewährleisten.