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Eine Frau kauft auf einem Markt in Griechenland ein und blickt skeptisch auf die Preise für Lebensmittel.
Wirtschaft

Griechenland: So trifft der neue Energie-Schock die Geldbörsen der Bürger

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
22.05.2026 09:36
Antonia Feldberg
Griechenland
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Beispielbild (KI) | GRland
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Griechenland – Die Europäische Kommission prognostiziert in ihrer aktuellen Frühjahrsprognose eine spürbare Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik für Griechenland in den kommenden zwei Jahren. Angetrieben durch einen erneuten massiven Preisschock auf den internationalen Energiemärkten, revidieren die europäischen Währungshüter ihre bisherigen Schätzungen drastisch. Den offiziellen Daten zufolge wird das Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 auf 1,8 Prozent sinken, während die Inflationsrate im selben Zeitraum auf besorgniserregende 3,7 Prozent ansteigen soll. Trotz dieser fundamentalen Herausforderungen und der globalen Unsicherheiten behält das Land im europäischen Vergleich eine überdurchschnittliche Wachstumsrate und setzt den konsequenten Abbau seiner Staatsschulden fort.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Wirtschaftsleistung in Griechenland sinkt laut EU-Prognose im Jahr 2026 auf 1,8 Prozent und 2027 auf 1,6 Prozent.
  • Die Inflationsrate schießt im Jahr 2026 durch extreme Energiekosten auf 3,7 Prozent in die Höhe.
  • Die Arbeitslosenquote erreichte Ende des Jahres 2025 mit 8,4 Prozent den niedrigsten Stand seit 2008.
  • Die griechische Staatsverschuldung soll bis Ende des Jahres 2027 auf 134,4 Prozent des BIP fallen.
  • Ein primärer Haushaltsüberschuss von 1,7 Prozent des BIP stärkt die öffentlichen Finanzen.

Energiekrise bremst wirtschaftliche Dynamik aus

Die wirtschaftliche Expansion in Griechenland erfährt nach einer Phase der Erholung eine deutliche Zäsur. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2025 noch um solide 2,1 Prozent wuchs, erwartet die Europäische Kommission für das Jahr 2026 nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent. Für das darauffolgende Jahr 2027 wird eine weitere Abschwächung auf 1,6 Prozent prognostiziert. Diese nach unten korrigierten Zahlen stellen einen merklichen Kontrast zur Herbstprognose dar, in der für 2026 noch ein Zuwachs von 2,2 Prozent angenommen wurde. Ursächlich für diese Entwicklung ist ein beispielloser Energieschock, der die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte massiv aushöhlt und den Konsum dämpft.

Im europäischen Vergleich zeigt sich jedoch, dass Griechenland weiterhin eine gewisse Resilienz aufweist. Für die gesamte Eurozone rechnet die Behörde im Jahr 2026 mit einem schwachen Wachstum von lediglich 0,9 Prozent und 1,2 Prozent für 2027. Auf Ebene der Europäischen Union soll das BIP im kommenden Jahr um 1,1 Prozent und 2027 um 1,4 Prozent zulegen. Wie die zuständigen Analysten in Brüssel hervorheben, sei die europäische Wirtschaft als Nettoenergieimporteur besonders anfällig für die durch die Konflikte im Nahen Osten ausgelösten Verwerfungen auf den Energiemärkten. Es handele sich bereits um den zweiten schweren Schock dieser Art innerhalb von weniger als fünf Jahren. In Griechenland wird die nachlassende Dynamik teilweise durch starke Investitionen abgefedert, die stark von den europäischen Fördermitteln abhängig sind.

Preissteigerungen belasten Verbraucher massiv

Ein zentrales Problemfeld für die griechische Volkswirtschaft bleibt die anhaltende und sich wieder verschärfende Teuerung. Nachdem die Inflationsrate im Jahr 2025 bei durchschnittlich 2,9 Prozent lag, gestützt durch eine hohe Inlandsnachfrage und staatliche Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung, droht nun ein erneuter Anstieg. Die Prognose geht von einem sprunghaften Anstieg auf 3,7 Prozent für das Jahr 2026 aus. Diese alarmierende Zahl liegt ganze 1,4 Prozentpunkte über den Schätzungen vom vergangenen Herbst. Der primäre Treiber für diese Entwicklung sind die explodierenden Energiepreise im Einzelhandel, welche sich in einer Kettenreaktion allmählich auch auf nicht-energetische Güter und den Dienstleistungssektor übertragen.

Erst für das Jahr 2027 wird eine Entspannung der Lage erwartet, mit einem prognostizierten Rückgang der Inflation auf 2,4 Prozent. Diese Abkühlung basiert auf der Annahme einer Marktkorrektur bei den Energiekosten. Dennoch warnen die Experten davor, dass die Kerninflation, welche die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel ausschließt, weiterhin auf einem hohen Niveau verharren wird. Die verzögerte Weitergabe von Kostensteigerungen in energieintensiven Produktionszweigen sowie der anhaltende Druck auf die Löhne werden die Verbraucherpreise stützen. Im Vergleich dazu wird für die Eurozone eine Inflationsrate von 3,0 Prozent im Jahr 2026 und 2,3 Prozent im Jahr 2027 vorhergesagt.

Starker Arbeitsmarkt trotzt den Herausforderungen

Entgegen der allgemeinen wirtschaftlichen Abkühlung präsentiert sich der griechische Arbeitsmarkt äußerst widerstandsfähig. Im letzten Quartal des Jahres 2025 sank die Arbeitslosenquote auf 8,4 Prozent. Dies markiert den tiefsten gemessenen Wert seit dem Ausbruch der großen Finanzkrise im Jahr 2008. Dennoch verdeutlichen die Daten der Kommission, dass Griechenland strukturelle Hürden überwinden muss, da der Wert noch immer spürbar über dem europäischen Durchschnitt von 6 Prozent liegt. Ein besonderes Sorgenkind bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit, die stabil bei rund 5,0 Prozent verharrt und damit den negativen Spitzenplatz innerhalb der gesamten Europäischen Union einnimmt.

Diese Diskrepanz resultiert aus tief verwurzelten strukturellen Defiziten des griechischen Arbeitsmarktes. Die Europäische Kommission benennt konkret eine gravierende Qualifikationslücke zwischen den Anforderungen der Unternehmen und dem Profil der Arbeitssuchenden sowie eine unzureichende Infrastruktur im Bereich der Kinderbetreuung und der Altenpflege. Gleichzeitig signalisieren sinkende, aber immer noch hohe Vakanzraten, dass insbesondere der boomende Tourismussektor und die Bauwirtschaft unter einem akuten Mangel an Arbeitskräften leiden. Dieser Arbeitskräftemangel treibt die Lohnkosten in die Höhe, was wiederum die Inlandsnachfrage stimuliert und den Inflationsdruck zusätzlich anheizt. Die Beschäftigungsausweitung wird sich voraussichtlich fortsetzen, wenn auch in einem durch das schwächere Wachstum gebremsten Tempo.

Staatshaushalt und Investitionen bleiben stabil

Trotz der konjunkturellen Gegenwinde zeichnet der Bericht ein positives Bild der griechischen Staatsfinanzen. Der Haushalt der griechischen Zentralregierung schloss das Jahr 2025 mit einem bemerkenswerten Überschuss von 1,7 Prozent des BIP ab. Dieses Resultat übertraf die ursprünglichen Erwartungen von 1,1 Prozent deutlich. Die Ursachen für dieses starke fiskalische Ergebnis liegen in geringer als kalkulierten laufenden Staatsausgaben sowie unerwartet hohen Steuereinnahmen. Insbesondere die Erlöse aus der Mehrwertsteuer fielen dank verbesserter Compliance und digitaler Kontrollmechanismen der Behörden höher aus als geplant. Für das Jahr 2026 wird ein moderaterer, aber weiterhin solider Überschuss von 0,8 Prozent des BIP prognostiziert.

Dieses anhaltend positive Haushaltsumfeld ermöglicht es der Regierung, strategisch zu investieren und gleichzeitig die Altlasten abzutragen. Die Schuldenstandsquote im Verhältnis zum BIP, ein historischer Schwachpunkt der griechischen Wirtschaft, befand sich Ende 2025 bei 146,1 Prozent. Dies bedeutet einen massiven Rückgang um fast 43 Prozentpunkte im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2018 vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Brüsseler Institutionen erwarten, dass dieses Verhältnis durch das nominelle Wirtschaftswachstum und die disziplinierte Haushaltspolitik bis zum Ende des Jahres 2027 auf 134,4 Prozent sinken wird. Ein entscheidender Faktor für die Investitionskraft bleibt die Ausschöpfung der massiven europäischen Hilfsgelder aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF).

Finanzpolitische Maßnahmen stützen die Wirtschaft

Um die Folgen der nachlassenden Kaufkraft abzumildern, implementiert der griechische Staat ein umfangreiches expansives Maßnahmenpaket. Das für die Jahre ab 2026 berechnete finanzielle Volumen dieser Eingriffe beläuft sich auf 0,6 Prozent des BIP, mit einer Steigerung auf 0,8 Prozent ab 2027. Diese Initiativen umfassen gezielte Senkungen der Einkommens- und Immobiliensteuern sowie punktuelle Reduzierungen der Mehrwertsteuer. Parallel dazu werden die Bezüge von Rentnern und die Gehälter im öffentlichen Dienst angehoben, um den Konsumausfall der privaten Haushalte durch die Inflation teilweise zu kompensieren. Ergänzt wird dieses Paket durch Änderungen an bestehenden Sozialleistungen, wie etwa einer Überarbeitung der Einkommenskriterien für den Mietzuschuss, was den Haushalt mit weiteren 0,1 Prozent des BIP belastet.

Darüber hinaus zwingt die aktuelle geopolitische Sicherheitslage den Staat zu Umschichtungen. Die Verteidigungsausgaben werden den Planungen zufolge von 2,4 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf 2,6 Prozent im Jahr 2026 steigen. Zudem hat die Regierung temporäre Energiesubventionen in Höhe von 0,2 Prozent des BIP beschlossen. Diese Sofortmaßnahmen richten sich primär gegen die rasant gestiegenen Kraftstoffpreise und beinhalten unter anderem Heizkostenzuschüsse für Familien, Unterstützungen für die Logistikbranche und die Landwirtschaft sowie spezielle Ausgleichszahlungen für Fährunternehmen. Diese breite Flanke an staatlichen Interventionen wird maßgeblich durch das stabile Fundament der stetig sinkenden Staatsschulden ermöglicht, die laut den Berechnungen bis zum Jahr 2027 die Marke von 134,4 Prozent des BIP erreichen sollen.

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