Griechenland – Die internationale Investorengemeinschaft bewertet den griechischen Markt derzeit als attraktivstes Ziel für Tourismusinvestitionen in Europa. Laut aktuellen Erhebungen des Informationsdienstleisters Questex konnte das Land seine Position im europäischen Vergleich drastisch verbessern und verzeichnet einen massiven Zufluss an ausländischem Kapital, das gezielt nach hochwertigen Bestandsimmobilien im Gastgewerbe sucht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Griechenland führt das europäische Ranking mit 43 Prozent der Investorenpräferenzen deutlich vor Italien an.
- Das Interesse verlagert sich von risikoreichen Neubauten (Greenfield-Projekten) hin zu bestehenden 5-Sterne-Anlagen.
- Gefragteste Standorte sind Athen, die Kykladen sowie Regionen mit Flughafenausbau wie Kalamata und Kreta.
Europa im Fokus: Der Aufstieg des griechischen Marktes
Die Daten aus zwei neuen internationalen Studien, die im Vorfeld des kommenden R&R Forums präsentiert wurden, belegen einen bemerkenswerten Wandel im Profil des Landes. Während Griechenland in der vorherigen Umfrage noch den fünften Platz belegte, kletterte es nun an die Spitze. Mit 43 Prozent der Präferenzen lässt der griechische Markt Italien mit 29 Prozent sowie Spanien und Frankreich mit jeweils 14 Prozent hinter sich.
Dieser Aufstieg vollzieht sich vor dem Hintergrund einer allgemeinen strategischen Neuausrichtung internationaler Kapitalgeber. Etwa 82 Prozent der befragten Investoren geben an, dass der europäische Markt bei der Umsetzung ihrer Pläne Priorität genießt. Geopolitische Unsicherheiten zwingen niemanden zum Einfrieren von Geldern; stattdessen leiten 57 Prozent ihre Investitionen in widerstandsfähigere europäische Märkte um. Die geografische Lage Griechenlands als Knotenpunkt zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien erweist sich dabei als entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Strategiewechsel: Bestandsobjekte statt Neubauprojekte
Die Art der gesuchten Anlageobjekte hat sich grundlegend verändert. Das internationale Kapital sucht nicht mehr primär nach Grundstücken für neue Hotelprojekte, sondern fokussiert sich auf reife, bereits operierende Anlagen, deren Wert durch Upgrades gesteigert werden kann. Alexi Khajavi, President für Hospitality & Operational Real Estate bei Questex, erklärte, dass die Entwicklung neuer Hotelanlagen weiterhin als risikoreiche Investition gelte, da zu viele Faktoren die Fertigstellung eines Bauprojekts beeinflussen könnten.
Der Trend geht eindeutig in Richtung Premium-Segment. Der Studie von Hospitality Investor zufolge suchen 57 Prozent der Teilnehmer nach professionell geführten 5-Sterne-Hotels. Weitere 29 Prozent prüfen 3-Sterne-Resorts mit dem klaren Ziel, durch Modernisierungen eine deutliche Wertsteigerung zu erzielen. Klassische Stadthotels stehen hingegen nicht mehr im primären Fokus. Für den griechischen Markt ergibt sich hierbei ein strukturelles Problem: Die Nachfrage ausländischer Fonds steigt rasant, doch das Angebot an reifen, direkt übernahmefähigen Investitionsobjekten bleibt begrenzt.
Gefragte Regionen: Athen und die Kykladen dominieren
Bei der geografischen Verteilung der Gelder zeichnet sich ein klares Bild ab. Die griechische Hauptstadt Athen bleibt die unangefochtene Nummer eins für Hotelinvestoren. Im Inselbereich konzentriert sich die starke Nachfrage vor allem auf prominente Destinationen der Kykladen wie Mykonos, Santorin, Paros und Naxos.
Parallel dazu rücken Regionen in den Fokus, die stark in ihre Infrastruktur investieren. Dazu gehört Kalamata auf der Peloponnes, wo der Ausbau des lokalen Flughafens neue Perspektiven eröffnet. Auch auf Kreta sorgt der neue Flughafen in Kastelli bei Iraklio für positive Wachstumssignale. Im Gegensatz dazu bleibt das Investitionsinteresse für Nordgriechenland, Thessaloniki sowie für reine Berg- und Winterdestinationen auf einem sehr niedrigen Niveau.
Saisonalität und Fachkräftemangel als Investitionshürden
Trotz der euphorischen Grundstimmung sehen Analysten strukturelle Schwächen. Ein zentrales Defizit auf dem griechischen Markt sei die geringe Präsenz sogenannter “White Label Operators”. Dabei handelt es sich um Managementgesellschaften, die den Hotelbetrieb professionell übernehmen, ohne Eigentümer der Immobilie zu sein oder eine eigene Marke aufzwingen zu müssen. Solche Strukturen seien laut Khajavi in Griechenland noch nicht im selben Maße entwickelt wie in anderen europäischen Märkten oder den USA.
Das größte wirtschaftliche Risiko bleibt jedoch die kurze Tourismussaison. Khajavi betonte, ein Investor könne keine großen Summen investieren, wenn ein Objekt nur sechs Monate im Jahr operiere. Die Verlängerung der touristischen Saison sei absolut kritisch, um angemessene Renditen zu erwirtschaften. Hinzu kommen externe Belastungen: Der eklatante Mangel an Arbeitskräften im Gastgewerbe, stetig steigende Lohnkosten sowie die anhaltend hohe finanzielle Belastung durch Energiekosten werden von internationalen Fonds bei der Risikobewertung sehr genau einkalkuliert.