Griechenland – Vor dem Hintergrund globaler geopolitischer Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheiten entwickelt sich Griechenland zu einem der weltweit gefragtesten Ziele für die Vermögensverlagerung von Millionären und multinationalen Investoren. Getrieben von politischer Stabilität, einem vorteilhaften Steuerrahmen und hoher Lebensqualität, verzeichnet das Land einen beispiellosen Zufluss an ausländischem Kapital und wohlhabenden Zuwanderern. Dies geht aus aktuellen Auswertungen der Beratungsunternehmen Henley & Partners sowie Knight Frank hervor, die eine deutliche Verschiebung der globalen Vermögensströme zulasten klassischer Wirtschaftsmächte wie Deutschland oder Großbritannien aufzeigen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Im weltweiten Vergleich von Henley & Partners belegt Griechenland Platz 14 bei der Anziehung von Millionären, in Europa Platz 7.
- Die Zahl der extrem Reichen (UHNWI) in Griechenland soll laut Knight Frank bis 2031 um weitere 25,3 Prozent steigen.
- Ausländische Direktinvestitionen erreichten 2025 einen Rekordwert von 11,38 Milliarden Euro, darunter signifikante Summen aus der DACH-Region.
Henley & Partners: Griechenland als globaler Magnet
Der „Private Wealth Migration Report 2026“ der britischen Beratungsgesellschaft Henley & Partners stuft Griechenland als klaren Profiteur der globalen Kapitalbewegungen ein. Mit 70,5 von 100 möglichen Punkten im Bereich Wettbewerbsfähigkeit und Vermögensmobilität rangiert das Land europaweit auf dem siebten und weltweit auf dem 14. Platz. Zu den Hauptfaktoren für diese Platzierung zählen die geografische und politische Stabilität abseits der Konfliktherde in der Ukraine und im Nahen Osten, ein robuster Rechtsstaat sowie günstige Bedingungen zur Wohnsitznahme.
Während Staaten wie Singapur, Italien, die Schweiz und Griechenland als bevorzugte Zielorte für international mobiles Vermögen gelten, stehen Länder wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland unter Druck. Steuerreformen und finanzpolitische Unsicherheiten in diesen traditionellen Wirtschaftszentren veranlassen immer mehr reiche Familien, ihre Standorte neu zu bewerten. Bereits in den Daten für das Jahr 2025 zeigte sich diese Tendenz deutlich: Griechenland empfing 1.200 Millionäre, die ein Gesamtvermögen von 7,7 Milliarden US-Dollar ins Land brachten, und übertraf damit europäische Schwergewichte wie die Niederlande, Spanien und Deutschland, die im Saldo der Vermögensmigration negativ abschnitten.
Knight Frank: Starkes Wachstum der Superreichen
Die positive Dynamik bestätigt auch der im April 2026 veröffentlichte „Wealth Report“ von Knight Frank. Demnach zählt Griechenland auf Fünfjahressicht zu den 20 dynamischsten Vermögensmärkten der Welt. Die Zahl der sogenannten Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) – Personen mit einem Nettovermögen von über 30 Millionen US-Dollar – ist von 523 im Jahr 2021 auf 910 im Jahr 2026 gestiegen. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird ein weiterer Anstieg auf über 1.140 Personen prognostiziert.
Insgesamt lebten 2024 bereits 64.700 Menschen mit einem Vermögen von über einer Million US-Dollar in Griechenland. Die Zahl der Milliardäre stieg bis zum Jahr 2026 auf 21 an. Diese Entwicklung spiegelt sich in einem florierenden Ökosystem wider, in dem Anwaltskanzleien, Steuerberater und Family Offices gezielt Dienstleistungen für wohlhabende Zuwanderer anbieten, die nicht nur ihren Wohnsitz, sondern auch ihre unternehmerischen Aktivitäten verlagern.
Rekordinvestitionen und die Rolle des Golden Visa
Ein zentraler Treiber für diese Entwicklung bleibt der Immobilienmarkt, gestützt durch das griechische Golden-Visa-Programm. Trotz der jüngsten Erhöhung der Investitionsschwelle auf 800.000 Euro in Premium-Regionen wie Athen, Thessaloniki und auf größeren Inseln, bleibt die Nachfrage immens. Bis Mai 2026 zählte Griechenland insgesamt 32.156 Inhaber eines Golden Visa. Neben Investoren aus China und der Türkei verzeichnet das Land zunehmendes Interesse aus den USA sowie aus dem Nahen Osten, wo Anleger vor Inflation und regionalen Konflikten fliehen.
Diese Zuflüsse wirken sich massiv auf die Gesamtwirtschaft aus. Offizielle Daten der Griechischen Zentralbank belegen für 2025 ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 11,38 Milliarden Euro – ein massiver Sprung gegenüber den 7,015 Milliarden Euro im Jahr 2024. Der Immobiliensektor absorbierte davon 2,056 Milliarden Euro. Eine bemerkenswerte Rolle spielen dabei auch Investoren aus dem deutschsprachigen Raum: Kapitalzuflüsse aus der Schweiz beliefen sich auf 211 Millionen Euro, während Investitionen aus Deutschland 142 Millionen Euro zum griechischen Immobilienboom beisteuerten.