Griechenland – Griechische Arbeitnehmer müssen im Jahr 2026 exakt 179 Tage arbeiten, um ihre Steuern und Sozialabgaben an den Staat zu entrichten. Der diesjährige Steuerfreiheitstag (Tax Freedom Day) fällt damit auf den heutigen 29. Juni. Wie aus einer aktuellen Untersuchung des liberalen Wirtschaftsforschungsinstituts KEFIM hervorgeht, arbeiten die Bürger erst ab diesem Datum rechnerisch in die eigene Tasche. Trotz einer minimalen Besserung im Vergleich zum Vorjahr verbleibt das Land bei der fiskalischen Belastung weiterhin im europäischen Spitzenfeld.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Steuerfreiheitstag in Griechenland fällt 2026 auf den 29. Juni, was einer Arbeitszeit von 179 Tagen für den Staat entspricht.
- Im EU-Vergleich weist Griechenland die neunthöchste Steuer- und Abgabenlast auf.
- Die staatlichen Einnahmen stützen sich massiv auf indirekte Steuern, wobei die Mehrwertsteuer 71,5 Prozent ausmacht.
Nur eine marginale steuerliche Entlastung
Die finanzielle Belastung der Bürger in Griechenland hat sich im Vergleich zu 2025 um lediglich einen einzigen Tag verringert. Wie aus der umfassenden Studie hervorgeht, die vom wissenschaftlichen Mitarbeiter Ioannis Navrozidis und dem KEFIM-Präsidenten Nikos Rompapas verfasst wurde, verläuft die langfristige Entlastung äußerst schleppend. Im Zeitraum von 2019 bis 2026 sank die Zahl der für den Staat zu leistenden Arbeitstage insgesamt um lediglich zwei Tage – von vormals 181 auf nunmehr 179 Tage. Den Steuerzahlern verbleiben somit rund sechs Monate des Jahres, in denen sie über ihr generiertes Einkommen nach eigenen Vorstellungen verfügen können.
Griechenland im europäischen Vergleich
Im innereuropäischen Vergleich belegt das Land weiterhin eine der vorderen Platzierungen beim Steuerdruck. Griechenland wird im Jahr 2026 voraussichtlich die neunthöchste fiskalische Belastung unter allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufweisen. Die heimische Abgabenquote liegt damit um zwei Tage über dem EU-Durchschnitt, welcher bei 177 Arbeitstagen für die Staatskasse liegt. Dennoch verzeichnet die Untersuchung auch eine positive Teilentwicklung: Das Land gehört zu den lediglich fünf EU-Staaten, die ihre Steuerlast im Zeitraum von 2019 bis 2026 überhaupt senken konnten, und weist in dieser Betrachtung die fünftgrößte Verbesserung auf.
Starke Abhängigkeit von der Mehrwertsteuer
Ein zentrales strukturelles Merkmal des griechischen Finanzsystems bleibt die Zusammensetzung der Einnahmen. Für das laufende Jahr wird prognostiziert, dass sich die Abhängigkeit der Staatskasse von indirekten Steuern weiter verstärken wird. Die Einnahmen aus dieser Kategorie werden voraussichtlich etwa das 1,6-Fache der direkten Steuern betragen. Die Mehrwertsteuer bildet dabei den größten Faktor und wird voraussichtlich 71,5 Prozent der gesamten indirekten Steuern ausmachen, nach 70,4 Prozent im Vorjahr.
Bereits im Jahr 2025 übertrafen die Einnahmen aus Steuern auf Waren und Dienstleistungen das ursprüngliche Ziel im griechischen Haushaltsplan um 3,9 Prozent. Auch die Einkommensteuer entwickelte sich mit einem Plus von 5,3 Prozent über den Erwartungen. Die deutlichste Überperformance in diesem Bereich ging auf natürliche Personen zurück, deren Abgaben die staatlichen Zielvorgaben um fünf Prozent übertrafen.
Forderung nach Systemreformen und Inflationsausgleich
Die Vorverlegung des Steuerfreiheitstages um einen Tag stelle laut KEFIM zwar eine positive, aber letztlich nur marginale Entwicklung dar. Die Bürger müssten nach wie vor fast das halbe Jahr arbeiten, um ihre steuerlichen und versicherungstechnischen Verpflichtungen zu decken. Rompapas betonte in der Untersuchung, dass die erfolgreiche Bekämpfung der Steuerhinterziehung zusätzliche Einnahmen generiere. Dieser gewonnene fiskalische Spielraum müsse jedoch zwingend für eine Senkung der Steuersätze genutzt werden, um ehrliche Steuerzahler zu entlasten.
Zudem fordert die Institutsleitung tiefgreifende Reformen hin zu einem einfacheren und wettbewerbsfähigeren Steuersystem. Ein wichtiger Aspekt sei die Reduzierung der Abhängigkeit von Konsumsteuern im Alltag sowie eine indexierte Anpassung der Steuertabellen. Nur durch einen systematischen Inflationsausgleich könne verhindert werden, dass die Bürger allein aufgrund der allgemeinen Teuerungsrate steuerlich stärker belastet werden.