Griechenland – Das massive Hochdruckgebiet, das in den vergangenen Tagen Deutschland und weite Teile Westeuropas mit extremen Temperaturen lahmlegte, verlagert sich aktuell in Richtung Südosten. Der sogenannte “Hitze-Dom”, der laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mit dem Tod von europaweit rund 1.300 Menschen in Verbindung gebracht wird, hat nun die Balkan-Halbinsel erreicht. Für Griechenland und die angrenzenden Staaten bedeutet dies ein gefährliches Wechselspiel aus extremer Hitze mit Werten von lokal bis zu 40 Grad Celsius und einer rasch folgenden, schweren Unwetterfront.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rund 1.300 Todesfälle in Europa werden laut WHO bereits auf das Konto der aktuellen Hitzewelle geschrieben.
- Bis zu 40 Grad Celsius werden in Serbien erwartet, während Kroatien gegen schwere Waldbrände kämpft.
- Griechenland droht nach einem 39-Grad-Hitzepeak ab Dienstag ein markanter Wetterumschwung mit teils heftigen Gewittern.
Gluthitze auf dem Balkan und WMO-Warnungen
Während die Temperaturen in Frankreich, Spanien und Großbritannien nach Durchzug der Hitzewelle zwar gefallen sind, aber weiterhin über dem jahreszeitlichen Durchschnitt liegen, baut sich das Extremwetter nun über dem Balkan auf. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf warnt, dass sich das Phänomen, welches auf der Iberischen Halbinsel seinen Ursprung nahm, bis zum 30. Juni massiv auf Südosteuropa auswirkt. Die WMO betont in diesem Zusammenhang, dass sich der europäische Kontinent weltweit am schnellsten erwärmt und derartige Hitzeperioden deutlich an Frequenz zunehmen.
Besonders hart trifft es aktuell die Staaten des westlichen Balkans. In Serbien werden am heutigen Dienstag Spitzenwerte von bis zu 40 Grad Celsius erwartet. Die anhaltende Trockenheit fordert zudem in Kroatien ihren Tribut, wo die Feuerwehr gegen massive Waldbrände auf der Ferieninsel Hvar ankämpft. Laut meteorologischen Modellen wird sich der Kern des Hitze-Doms in der ersten Wochenhälfte zwar leicht abschwächen, die Temperaturen dürften in Südosteuropa jedoch bis Anfang Juli weit über den Normalwerten bleiben.
Wetter-Extreme in Griechenland: Erst Hitze, dann Sturm
Für Griechenland prognostizieren die Wetterdienste ein besonders heißes 48-Stunden-Fenster. Das Quecksilber klettert vielerorts auf 38 Grad, lokal sind 39 Grad möglich. Der Meteorologe Dimitris Ziakopoulos erklärte, dass subtropische Luftmassen in Kombination mit einem starken Hochdruckgebiet über dem nördlichen Balkan für ein Absinken der Luft und damit für eine starke Erwärmung sorgen. Diese Hitze sei besonders im Nordwesten Griechenlands spürbar.
Doch das hochsommerliche Bild trügt. Wie Ziakopoulos weiter ausführte, ziehe ab Dienstag ein Tiefdruckgebiet südwestlich der Insel Kreta in Richtung Norden. Dies werde zu einer massiven atmosphärischen Instabilität führen. Die Folge sind teils schwere Gewitter und Regenfälle, die sich zunächst über den bergigen Regionen des Festlands entladen und zum Donnerstag und Freitag hin deutlich an Intensität gewinnen sollen.
Fehlende Akklimatisierung kostet in Mitteleuropa Menschenleben
Dass die Auswirkungen der Hitzewelle in West- und Mitteleuropa so gravierend ausfielen, liegt laut Experten auch an der Anpassung der Bevölkerung. Wie der Pyrometeorologe Theodoros Giannaros gegenüber dem staatlichen griechischen Fernsehsender ERT erklärte, sei das Hauptproblem der westlichen Staaten neben den absoluten Rekordtemperaturen die mangelnde physische Akklimatisierung der Bürger. Im Gegensatz zum Mittelmeerraum seien die Menschen dort solche Wetterextreme schlichtweg nicht gewohnt.
Giannaros betonte jedoch, dass eine dauerhafte Exposition bei derartigen Temperaturen auch im Süden ungesund sei. Er erinnerte an vergleichbare, historische Hitze-Katastrophen in Europa wie jene im Jahr 2003 und forderte die Regierungen zu raschem Handeln auf. Es sei zwingend notwendig, konkrete Anpassungsmaßnahmen an die neuen klimatischen Realitäten zu treffen und den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu reduzieren, um die Dynamik des globalen Klimawandels zu bremsen.