Griechenland – Ein typischer Warenkorb im Supermarkt ist in Griechenland spürbar günstiger als in den meisten großen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung für den Monat Mai 2026. Obwohl der griechische Staat bei Lebensmitteln europaweit eine der höchsten Mehrwertsteuersätze ansetzt, zahlen Verbraucher an der Kasse im direkten Ländervergleich deutlich weniger für ihre Grundversorgung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein typischer Warenkorb ist in deutschen Supermärkten durchschnittlich 39 Prozent teurer als in Griechenland.
- Ohne Berücksichtigung der Mehrwertsteuer vergrößert sich der Preisabstand zwischen Deutschland und Griechenland auf 46 Prozent.
- Die griechische Mehrwertsteuerbelastung auf Lebensmittel liegt mit durchschnittlich 15,6 Prozent auf dem zweithöchsten Platz der untersuchten Länder.
Der große Preisvergleich: Griechenland gegen den Rest Europas
Das Forschungsinstitut IELKA (Institut für Konsumgüterhandel) hat in seiner regelmäßigen Erhebung die Preise für einen standardisierten Warenkorb aus 40 Produktkategorien in acht europäischen Ländern analysiert. Dafür wurden über 6.000 Produktpreise aus 48 verschiedenen Supermarktketten ausgewertet. Die Daten basieren auf Preisvergleichsplattformen sowie direkten Erhebungen in den Märkten und umfassen sowohl Markenartikel als auch Eigenmarken.
Die Ergebnisse der Studie belegen ein deutliches Preisgefälle innerhalb Europas. Das durchschnittliche Einkaufsnetz kostet in Deutschland ganze 39 Prozent mehr als in Griechenland. Auch andere west- und südeuropäische Staaten weisen ein höheres Preisniveau auf. In Frankreich zahlen Kunden 36 Prozent mehr, im Vereinigten Königreich 26 Prozent. Selbst Länder mit vergleichbarer oder schwächerer Wirtschaftskraft wie Rumänien (plus 20 Prozent), Bulgarien (plus 17 Prozent) und Spanien (plus 14 Prozent) liegen preislich über dem griechischen Niveau. In Italien fällt der Warenkorb um 8 Prozent und in Portugal um 4 Prozent teurer aus.
Der Mehrwertsteuer-Effekt: Netto-Preise offenbaren größere Lücken
Das Preisgefüge wird noch deutlicher, wenn man die steuerlichen Abgaben herausrechnet. “Die Ergebnisse verändern sich erheblich, wenn wir die jeweilige Mehrwertsteuer der Länder abziehen, um die tatsächlichen Produktpreise der Supermärkte sichtbar zu machen”, heißt es in der Analyse des Instituts. Bei der reinen Netto-Betrachtung der Lebensmittelpreise wächst der Abstand spürbar an. So ist der deutsche Warenkorb ohne Steuern sogar 46 Prozent teurer als der griechische. In Frankreich beträgt die Differenz 44 Prozent, im Vereinigten Königreich 35 Prozent.
Hintergrund dieser Verschiebung ist die stark variierende Steuerpolitik in Europa. Griechenland wendet auf viele Lebensmittel einen vergleichsweise hohen mittleren Mehrwertsteuersatz von 13 Prozent an. In zahlreichen anderen europäischen Staaten fallen dieselben Grundnahrungsmittel in stark ermäßigte Steuerklassen von 6, 5,5, 4 oder sogar 0 Prozent. Mit einer durchschnittlichen Mehrwertsteuerbelastung von 15,6 Prozent auf den Test-Warenkorb verzeichnet Griechenland den zweithöchsten Wert unter den zehn untersuchten Nationen. Lediglich Bulgarien, das einen pauschalen Satz von 20 Prozent auf alle Artikel erhebt, liegt darüber. Den niedrigsten Wert weist Spanien mit durchschnittlich 7,4 Prozent auf, während sich die meisten Länder im Bereich von 9 bis 10 Prozent bewegen.
Langfristiger Trend im griechischen Lebensmitteleinzelhandel
Die aktuelle Untersuchung bestätigt eine Entwicklung, die das IELKA bereits über einen Zeitraum von zwölf Jahren beobachtet. Der organisierte Lebensmittelhandel in Griechenland bietet den Verbrauchern dauerhaft Zugang zu einem günstigeren Standard-Warenkorb. Die Analysten führen dies auf die gemeinsamen Bemühungen von Lieferanten und Einzelhändlern zurück, die Endverbraucherpreise in den vergangenen Jahren zu stabilisieren. Kleinere Preisschwankungen haben dieses Gesamtbild im Zeitverlauf nicht grundlegend verändert.
Strukturelle Faktoren hinter der Preisbildung in Europa
Ein direkter Vergleich von Supermarktpreisen über Ländergrenzen hinweg erfordert laut den Marktforschern die Berücksichtigung zahlreicher regionaler und wirtschaftlicher Parameter. Neben der reinen Steuerlast spielen die Distanz zu den zentralen europäischen Produktionszentren und die daraus resultierenden Transportkosten eine erhebliche Rolle. Insbesondere die geografische Komplexität Griechenlands mit seinem ausgedehnten Inselnetzwerk und der spezifischen Infrastruktur beeinflusst die Logistikkosten. Darüber hinaus fließen Faktoren wie das Lohnniveau, die Energiekosten, die landwirtschaftliche Eigenproduktion sowie witterungsbedingte Einflüsse durch den Klimawandel in die Preisgestaltung ein. Auch die saisonale Nachfrage, die in Griechenland stark durch den Tourismus im Sommer getrieben wird, wirkt sich auf das Marktgefüge aus.
Methodik und untersuchte Supermarktketten
Für die Studie zog das Institut Daten bekannter Preisbeobachtungsstellen der jeweiligen Länder heran und ergänzte diese durch eigene Primärdatenerhebungen. Die Auswahl der 40 Produktkategorien orientierte sich an den am stärksten nachgefragten Gütern, die in allen untersuchten europäischen Märkten einheitlich verfügbar sind. In die Wertung flossen unter anderem Preise der großen deutschen Einzelhändler wie Edeka, Rewe und Kaufland sowie von französischen Marktführern wie Carrefour und Auchan ein. Auf griechischer Seite wurden Daten der großen Ketten Sklavenitis, AB Vassilopoulos, My Market, Masoutis und Market In verarbeitet.