Griechenland – Das griechische Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährung geht mit einer drastischen Maßnahme gegen die Ausbreitung des hochgiftigen und invasiven Hasenkopf-Kugelfischs (Lagocephalus sceleratus) vor. Wie Agrarminister Margaritis Schinas nach einem Treffen mit Vertretern der Fischereiverbände bekannt gab, wird ein Netto-Kopfgeld von 5,33 Euro pro Kilogramm für den Fang dieses Tieres eingeführt, um das marine Ökosystem und die heimische Fischwirtschaft zu schützen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Griechenland zahlt Fischern ein Kopfgeld von 5,33 Euro pro Kilogramm gefangenem Hasenkopf-Kugelfisch.
- Das Pilotprojekt startet zunächst in den Regionen Kreta und Südliche Ägäis und wird durch EU-Mittel finanziert.
- Die gefangene Biomasse wird aufgrund extremer Toxizität in Hochöfen verbrannt oder zu Forschungszwecken genutzt.
Höchste Prämie in Europa für die Jagd auf den Giftfisch
Die beschlossene Prämie liegt um bis zu 52 Prozent über der bisherigen europäischen Obergrenze, die in Zypern bei 4,73 Euro pro Kilogramm lag. Diese Summe wurde für griechische Verhältnisse als zu gering eingestuft, um einen echten Anreiz für die Küstenfischer zu bieten. Das neue Pilotprojekt richtet sich gezielt an professionelle Küstenfischer in den besonders betroffenen Regionen Kreta und Südliche Ägäis. Neben der Plage durch invasive Arten wurden bei dem Treffen im Ministerium auch die drückenden Kraftstoffkosten sowie der unlautere Wettbewerb in der Branche thematisiert.
Zusätzliche Treibstoffsubventionen für griechische Fischer
Um die wirtschaftliche Existenz der Fischer unmittelbar zu sichern, hat die Regierung ein umfassendes Hilfspaket geschnürt. Neben dem Kopfgeld für den Kugelfisch erhalten die Betriebe direkte staatliche Unterstützung bei den Energiekosten. Für die Monate April und Mai wurde rückwirkend eine Subvention für Fischereidiesel in Höhe von 0,16 Euro pro Liter beschlossen, die für den Monat Juni mit 0,12 Euro pro Liter fortgeführt wird. Diese Maßnahmen sollen den Einkommensverlust der lokalen Küstenfischer abfedern.
Strikte Sicherheitsvorkehrungen und Verbrennung in Hochöfen
Da das Fleisch des Hasenkopf-Kugelfischs das hochwirksame Nervengift Tetrodotoxin enthält und für den menschlichen Verzehr absolut ungeeignet ist, erfordert das Projekt strenge Sicherheits- und Entsorgungsrichtlinien. Die gefangene Biomasse wird nach der behördlichen Registrierung und Zertifizierung in speziellen Hochöfen verbrannt. Ein Teil der Fänge wird zudem an nationale Forschungseinrichtungen übergeben. Im Rahmen des wissenschaftlichen Programms „Lagomeal“ arbeiten Institutionen wie das Griechische Zentrum για Meeresforschung (HCMR/ELKETHE) und das Forschungszentrum „Demokritos“ an Verfahren, um aus dem Fischmehl des Invasoren ein sicheres Futtermittel für die Aquakultur zu gewinnen.
Dauerhafte Populationskontrolle statt schneller Ausrottung
Das gesamte Programm steht noch unter dem Vorbehalt der finalen Genehmigung durch die Europäische Kommission, da Griechenland eine Erhöhung des entsprechenden Budgetrahmens beantragt hat. Das Pilotprojekt umfasst neben dem reinen Fang auch die wissenschaftliche Kartierung der Fortpflanzungsgebiete sowie den gezielten Einsatz digitaler Überwachungswerkzeuge während der Laichzeiten.
Minister Margaritis Schinas dämpfte jedoch übertriebene Erwartungen an eine schnelle Lösung des Problems. Nach Gesprächen mit zyprischen Behörden betonte er, dass der Hasenkopf-Kugelfisch im Mittelmeer nicht mehr vollständig zu eliminieren sei. Die Maßnahme diene in erster Linie als gezielte Populationskontrolle in sensiblen Fortpflanzungsphasen und als direkte finanzielle Unterstützung für die wirtschaftlich unter Druck stehende kleine Küstenfischerei, die für die Nachhaltigkeit der griechischen Inselgemeinschaften von strategischer Bedeutung sei. Der stellvertretende Minister Giannis Andrianos bekräftigte ebenfalls, dass der Schutz des Einkommens der Fischer oberste Priorität in der Regierungsplanung einnehme.