Griechenland – Das griechische Wirtschafts- und Finanzministerium hat einen Gesetzentwurf in das Parlament eingebracht, der ab dem 1. Juli tiefgreifende Änderungen für die Kurzzeitvermietung in stark frequentierten städtischen Zonen vorsieht. Wer eine Immobilie, die derzeit über Plattformen wie Airbnb vermietet wird, kauft, überschreibt oder als Schenkung erhält, verliert künftig automatisch die erforderliche Immobilienregisternummer (AMA) und damit das Recht auf touristische Nutzung in den mit einem Registrierungsstopp belegten Gebieten.
Die Frist setzt tausende Eigentümer in Athen und Thessaloniki unter Zeitdruck. Sie müssen entscheiden, ob sie geplante Verkäufe oder familieninterne Übertragungen noch vor dem Inkrafttreten der neuen Regelungen abschließen, um den rechtlichen Status der Kurzzeitvermietung für die neuen Besitzer zu sichern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Frist bis Juli: Letzte Möglichkeit für neue Airbnb-Registrierungen im ersten Gemeindebezirk von Thessaloniki vor dem Zulassungsstopp.
- Lizenzverfall bei Transfer: Bei Immobilienverkäufen oder Schenkungen zu Lebzeiten in den gesperrten Zonen erlischt das Recht auf Kurzzeitvermietung für den neuen Eigentümer.
- Ausnahme für Erbfälle: Die Registrierungsnummer (AMA) und das Recht auf touristische Vermietung bleiben bei einer erbrechtlichen Rechtsnachfolge bestehen.
Ausweitung der Sperrzonen auf Thessaloniki
Die neuen Bestimmungen bauen auf Maßnahmen auf, die bereits im Zentrum der griechischen Hauptstadt in Kraft sind. In den ersten drei Gemeindebezirken der Stadt Athen – dazu zählen historische und touristische Viertel wie Plaka, Monastiraki, Koukaki, Exarchia und Pangrati – wurde die Vergabe neuer Lizenzen für die Kurzzeitvermietung bereits ausgesetzt. Ziel war es, der starken Konzentration von Ferienwohnungen entgegenzuwirken.
Mit dem neuen Gesetz wird dieses Modell nun auf Thessaloniki ausgeweitet. Konkret betrifft dies den ersten Gemeindebezirk, der das historische und kommerzielle Zentrum der nordgriechischen Metropole umfasst. Dort ballt sich derzeit die größte Anzahl an Unterkünften für Kurzzeittouristen. Für Eigentümer in diesem Bezirk endet am 1. Juli die Möglichkeit, neue Registrierungsnummern zu beantragen.
Lizenzverlust bei Verkauf und Schenkung
Der zentralste und am meisten diskutierte Punkt des Gesetzentwurfs betrifft die Rechtsnachfolge bei lebzeitigen Übertragungen. Bisher war ein etabliertes “Airbnb” ein fester Wertfaktor beim Verkauf einer Immobilie. In den Gebieten, in denen ein Stopp für neue Registrierungen gilt oder künftig gelten wird, führt eine Eigentumsübertragung künftig zur Löschung der bestehenden Registrierungsnummer (AMA) aus dem Register für Kurzzeitaufenthalte.
Ein Apartment, das derzeit völlig legal betrieben wird, darf somit nach einem Verkauf oder einer familiären Schenkung vom neuen Eigentümer nicht mehr für die Kurzzeitvermietung genutzt werden. Eine wichtige Ausnahme wurde jedoch nach der öffentlichen Konsultationsphase in den finalen Text aufgenommen: Die erbrechtliche Rechtsnachfolge ist von dieser Regelung ausgenommen. Erben behalten die Möglichkeit, das Objekt weiterhin touristisch zu vermieten.
Reaktionen aus der Immobilienbranche
Die Ankündigung hat im Immobiliensektor für erhebliche Unruhe gesorgt. Der Wert vieler Wohnungen in Vierteln wie Metaxourgio oder Neos Kosmos wird längst nicht mehr nur nach Quadratmetern, Alter und Lage berechnet, sondern maßgeblich durch die erzielbare Rendite über Kurzzeitvermietungen bestimmt. Begriffe wie “investitionsbereites Objekt” oder “fertiges Airbnb” dominierten in den letzten Jahren den Markt.
Branchenvertreter argumentieren, dass die Verknüpfung der Lizenz mit dem aktuellen Eigentümer und nicht mit den baulichen Gegebenheiten der Immobilie zu Rechtsunsicherheit führe. Es werde kritisiert, dass der Wert legal betriebener Objekte künstlich gemindert werde, da die kommerzielle Nutzung bei einem Verkauf erlischt. Zudem beeinträchtige das Gesetz familiäre Vermögensübertragungen. Viele Familien nutzten den in Griechenland geltenden Steuerfreibetrag von 1,6 Millionen Euro für Schenkungen an Kinder (sogenannte “goniki parochi”). Der drohende Verlust der Zusatzeinkünfte aus der Vermietung wirke nun als starker Hemmschuh für solche Überschreibungen.
Wohnraumschaffung vs. touristische Realität
Die griechische Regierung verfolgt mit dem Maßnahmenpaket das Ziel, das Angebot an Wohnraum für langfristige Mietverhältnisse zu erhöhen, insbesondere in Stadtteilen mit extrem hoher Airbnb-Dichte. Durch das Auslaufen der Lizenzen bei Eigentümerwechseln erhofft man sich eine allmähliche Rückkehr dieser Immobilien auf den regulären Wohnungsmarkt.
Immobilienexperten äußern jedoch Zweifel an der Wirksamkeit dieser Strategie. Zahlreiche Objekte, die derzeit in der Kurzzeitvermietung eingesetzt würden, seien baulich und konzeptionell ausschließlich für Touristen saniert worden. Sie seien für eine dauerhafte Wohnnutzung durch Familien oft ungeeignet. Laut den Vertretern des Sektors bedeute der Verlust der AMA-Nummer daher nicht automatisch, dass die betreffenden Wohnungen in den regulären Langzeitmietmarkt übergehen würden.