Chalkidiki – Die Präsenz des hochgiftigen Hasenkopf-Kugelfisches sowie ein vermehrtes Aufkommen von Quallen an den Küsten Nordgriechenlands beschäftigen derzeit Behörden, Wissenschaftler und Badegäste. Während das griechische Landwirtschaftsministerium nun eine landesweite Fangprämie für den invasiven Kugelfisch einführt, raten Meeresbiologen Urlaubern an den Stränden von Chalkidiki und dem Thermaischen Golf zur Besonnenheit beim Kontakt mit den Meeresbewohnern.
Die beiden marinen Phänomene stehen seit Jahren unter der Beobachtung des griechischen Zentrums für Meeresforschung. Die Ausbreitung invasiver Arten und die temporäre Häufung von Quallen haben direkte Auswirkungen auf das marine Ökosystem, die lokale Fischerei und den Tourismus in der stark frequentierten Region.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die griechische Regierung zahlt Berufsfischern künftig eine Prämie von bis zu 5,33 Euro pro Kilo für den Fang des giftigen Hasenkopf-Kugelfisches.
- Der Verzehr des Fisches ist in der gesamten Europäischen Union strengstens verboten, da er ein starkes, hitzeresistentes Neurotoxin enthält.
- An den Stränden der Kassandra-Halbinsel sowie in Pieria werden aktuell vermehrt Leuchtquallen und Kompassquallen gesichtet.
Der Hasenkopf-Kugelfisch: Invasive Art im Mittelmeer
Der Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus) gilt als eine der aggressivsten invasiven Arten, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten im Mittelmeer angesiedelt haben. Nach seiner ersten Erfassung in griechischen Gewässern im Jahr 2005 wuchsen die Populationen vor allem rund um Kreta, den Dodekanes und die Kykladen stark an. In den vergangenen zwei Jahren nahmen auch die Sichtungen im Saronischen Golf bei Athen zu.
In Nordgriechenland, insbesondere auf Chalkidiki und im Thermaischen Golf, gebe es zwar Aufzeichnungen, das Phänomen trete dort jedoch nicht in der gleichen Intensität auf wie in den südlicheren Regionen, erklärte die Biologin und Ichthyologin Paraskevi Karachle vom Griechischen Zentrum für Meeresforschung (ELKETHE). Der Kugelfisch bevorzuge wärmere Gewässer. Da er in der Ägäis keine natürlichen Feinde habe, könne er sich rasant vermehren und richte erhebliche Schäden an der Biodiversität an, indem er Kraken und Meerbarben jage. Zudem klagen Berufsfischer über zerstörte Netze und wirtschaftliche Einbußen.
Für Badegäste bestehe kein direkter Grund zur Panik, jedoch sei Vorsicht geboten. Eine Studie des ELKETHE dokumentiere für den Zeitraum zwischen 2013 und 2024 insgesamt 27 Angriffe von Hasenkopf-Kugelfischen auf Schwimmer im gesamten östlichen Mittelmeer. Der Fisch suche nicht aktiv die Nähe des Menschen, könne aber aggressiv reagieren, wenn er sich bedroht fühle oder angefasst werde.
Regierung führt Fangprämie ein
Um der unkontrollierten Ausbreitung entgegenzuwirken, hat das zuständige Ministerium unter Margaritis Schinas ein neues Maßnahmenpaket beschlossen. Berufsfischer erhalten künftig einen finanziellen Anreiz von bis zu 5,33 Euro pro Kilo für den Fang des Hasenkopf-Kugelfisches. Diese Summe liegt 52 Prozent über einem vergleichbaren Programm in Zypern.
Das aus europäischen Mitteln finanzierte Pilotprojekt startet zunächst auf Kreta und in der südlichen Ägäis. Wegen der extremen Toxizität des Fisches, dessen Nervengift weder durch Säubern noch durch Kochen neutralisiert wird, ist ein spezielles Entsorgungsverfahren für die gesammelte Biomasse vorgesehen. Zwar gab es in Griechenland bislang keine Todesfälle durch den Verzehr, jedoch wurden bereits schwere Vergiftungen registriert. Die EU-Gesetzgebung verbietet den Handel und Verzehr strikt.
Quallen-Aufkommen an beliebten Urlaubsstränden
Parallel zur Kugelfisch-Problematik verzeichnen Meeresbiologen in Nordgriechenland derzeit ein erhöhtes Aufkommen verschiedener Quallenarten. Auf der Kassandra-Halbinsel wurden an Stränden wie Kallithea, Pefkochori und Paliouri violette Leuchtquallen (Pelagia noctiluca) gesichtet. Auf der benachbarten Halbinsel Sithonia, in der Nähe von Nikiti, Neos Marmaras und Sykia, dominiert hingegen die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella).
Auch im Thermaischen Golf zwischen Thessaloniki und Epanomi sowie an der Küste von Pieria, von Paralia Katerinis bis Platamonas, gibt es entsprechende Beobachtungen mariner Überwachungssysteme.
Dieses Phänomen sei nicht ungewöhnlich, wie Chariton Charles Chintiroglou, emeritierter Professor für Biologie an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, erklärte. Die Quallen besäßen nur eine eingeschränkte Möglichkeit zur eigenständigen Fortbewegung und würden hauptsächlich durch Meeresströmungen getrieben. Die Geomorphologie der Chalkidiki begünstige dabei die Verlagerung der Populationen zwischen den einzelnen Halbinseln. Insbesondere die violette Leuchtqualle zeige zudem periodische Populationsschübe. Experten raten Badegästen, bei großen Quallenansammlungen auf andere Strände auszuweichen. Bei einem Stich reichen in der Regel einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen aus, lediglich bei anhaltenden Symptomen oder bekannten Allergien sollte ein Gesundheitszentrum aufgesucht werden.