Griechenland – Die griechische Regierung führt über das staatliche Digitalportal gov.gr ein neues Bewertungssystem ein, das die Bonität von Bürgern und Unternehmen systematisch erfassen soll. Ziel der Maßnahme ist es, erstmals ein umfassendes und transparentes Bild der privaten Verschuldung sowie des wirtschaftlichen Verhaltens gegenüber dem griechischen Staat zu erstellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bürger und Unternehmen erhalten künftig eine Bonitätsnote auf einer Skala von A bis D.
- Das System wertet ausschließlich staatliche Schulden der vergangenen zwei Jahre aus, private Verpflichtungen wie Mieten bleiben unberücksichtigt.
- In der Pilotphase dient der Score weder als Ablehnungsgrund für Kredite noch als Vorteil bei Finanzierungen.
Datensammlung über Steuer- und Sozialbehörden
Das neue Bonitätsbewertungssystem bündelt Daten aus verschiedenen staatlichen Quellen. Es ruft gezielt Informationen der griechischen Steuerbehörde (AADE), des Sozialversicherungsträgers (EFKA) sowie der zentralen Inkassostelle für Sozialversicherungsbeiträge (KEAO) ab. In die Bewertung fließen Einkommen, Vermögen, bestehende Schulden, Ratenzahlungsvereinbarungen und die generelle Zahlungsmoral der Steuerzahler ein. Basierend auf diesen Parametern berechnet der Algorithmus für jede natürliche oder juristische Person einen individuellen Score, der die Zahlungsfähigkeit auf einer Skala von A bis D einordnet.
Die Generalsekretärin des Finanzsektors, Theoni Alampasi, betonte, dass das Instrument nicht die Vergabe von Bankkrediten erschweren solle. Es gehe vielmehr darum, ein gerechteres und vollständigeres Bild des wirtschaftlichen Verhaltens zu zeichnen. Zuverlässige Steuerzahler und Kreditnehmer sollen künftig in der Lage sein, ihre Verhandlungsposition gegenüber Banken und anderen Finanzinstituten durch eine gute Bonitätsnote zu stärken.
Fokus auf staatliche Schulden und neues Register
Zusätzlich zum Scoring-System stellte das Finanzministerium das neue Register zur Überwachung der privaten Verschuldung vor. Diese zentrale Datenbank soll die Gesamtheit der privaten Verbindlichkeiten im Land präziser kartieren. Die Regierung erhofft sich dadurch detailliertere Instrumente für die wirtschaftspolitische Planung und eine frühzeitige Prävention künftiger Schuldenkrisen.
Die zuständigen Stellen stellten klar, dass das System strenge Grenzen bei der Datenerfassung zieht. Informationen über Mietzahlungen oder rein private Geschäftstransaktionen werden nicht erfasst. Die Algorithmen bewerten ausschließlich Verbindlichkeiten gegenüber dem Staat und betrachten dabei einen rückwirkenden Zeitraum von zwei Jahren. Jeder Bürger kann seine persönliche Einstufung jederzeit über das Portal gov.gr einsehen. Während der angelaufenen Pilotphase hat der Score noch keine bindenden Konsequenzen auf dem Finanzmarkt: Er darf von Banken weder als Begründung für die Ablehnung eines Kredits herangezogen werden, noch berechtigt er zu besseren Finanzierungskonditionen. Die griechische Regierung betrachtet die Digitalisierung des Schuldenmanagements als wesentlichen Schritt, um die heimische Wirtschaft von einer reinen Krisenbewältigung hin zu einem präventiven Modell mit höherer Transparenz zu führen.