Griechenland – Griechenland führt ein umfassendes, staatliches Bonitätsbewertungssystem für Bürger und Unternehmen ein, das erstmals Daten aus dem öffentlichen und privaten Sektor bündelt. Wie aus einem Bericht von Protothema hervorgeht, ermöglicht der neue “Credit Score” eine einheitliche und rasche Einstufung der Kreditwürdigkeit. Das System, in Griechenland oft mit der Auskunftei “Tiresias” verglichen, soll eine transparente Basis für Bankgeschäfte, Darlehen und wirtschaftliche Transaktionen schaffen. Die Neuregelung ist auch für im Land ansässige Ausländer, Immobilienkäufer und Investoren aus dem DACH-Raum von direkter Bedeutung, da sie künftig bei finanziellen Verpflichtungen in Griechenland auf dieses Bewertungsschema treffen werden.
Die rechtliche und technische Grundlage für das neue System bilden die gemeinsamen Ministerialbeschlüsse 117113 EX 2026 und 117786 EX 2026. Diese definieren exakt die genutzten Datenquellen, die Berechnungslogik sowie die strengen Vorgaben zum Datenschutz und zur Korrektur von Fehlinformationen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beantragung über gov.gr: Die Erstellung des Bonitäts-Scores dauert 24 Stunden und das Zertifikat ist für drei Monate gültig.
- Bewertungsskala: Privatpersonen werden in sechs Bonitätsstufen eingeteilt, Unternehmen erhalten eine Einstufung aus zehn möglichen Kategorien.
- Datenschutz: Banken und private Dritte erhalten nur nach ausdrücklicher, fallspezifischer Zustimmung des Bürgers Einblick in die Daten.
Wie der Algorithmus die Kreditwürdigkeit berechnet
Die aggregierte Bonitätsnote ist keine simple Aufsummierung von bestehenden Schulden. Das System basiert auf Algorithmen des maschinellen Lernens, die historische Daten zum wirtschaftlichen Verhalten auswerten. Ziel ist es, die Rückzahlungsfähigkeit, die Zahlungsmoral sowie die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Zahlungsausfälle zu prognostizieren. Dabei stützt sich das Modell primär auf die Finanzdaten der letzten zwei Jahre.
Das bedeutet, dass nicht nur die tagesaktuelle finanzielle Situation bewertet wird, sondern auch die langfristige Zuverlässigkeit des Steuerzahlers. Das Modell wird zudem regelmäßig neu kalibriert, um sich an makroökonomische Veränderungen im Land anzupassen.
Diese Daten fließen in die Bewertung ein
Um ein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu zeichnen, zieht das System nach der Freigabe durch den Nutzer automatisch Daten aus verschiedenen staatlichen Registern. Zu den zentralen Bewertungskriterien gehören:
Die deklarierten Einkünfte aus den Steuererklärungen sowie die Vermögensverhältnisse, einschließlich der Immobiliensteuer ENFIA. Ebenso werden festgestellte Steuerschulden, bestehende Ratenzahlungsvereinbarungen und deren Einhaltung geprüft. Ein weiterer Faktor sind offene Verbindlichkeiten bei den Sozialversicherungsträgern (KEAO). Zudem fließen Informationen aus dem elektronischen Insolvenzregister ein, was Insolvenzen und Zwangsversteigerungen sowie Anzeichen für Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie Kontopfändungen umfasst.
Bewertungsskalen und Beantragungsprozess
Das Rating unterscheidet strikt zwischen natürlichen und juristischen Personen. Für Bürger gilt eine sechsstufige Skala von AA bis D. Unternehmen werden hingegen detaillierter auf einer zehnstufigen Skala bewertet, die von AAA bis D reicht. Je höher die Einstufung, desto geringer wird das Ausfallrisiko eingeschätzt. Das finale Dokument enthält neben der eigentlichen Note auch eine Erläuterung des Ergebnisses.
Der gesamte Prozess wird digital über das staatliche Portal gov.gr abgewickelt. Nach der initialen Beantragung, die zwingend die Zustimmung zur Datenabfrage erfordert, wird der Antragsteller benachrichtigt, sobald das Ergebnis vorliegt – spätestens nach 24 Stunden. Das Dokument hat eine Gültigkeit von drei Monaten. Sollten Bürger oder Unternehmen fehlerhafte Daten feststellen, sieht das System ein elektronisches Einspruchsverfahren vor, bei dem durch das Einreichen entsprechender Nachweise eine sofortige Neuberechnung veranlasst werden kann.
Kein automatischer Zugriff für Banken
Ein zentraler Aspekt des neuen Systems ist der Schutz der persönlichen Daten. Banken, Kreditinstitute oder andere private Akteure haben keinen automatisierten oder permanenten Zugriff auf den staatlichen Credit Score. Fordert eine Bank die Bonitätsauskunft an, erhält der Bürger eine digitale Benachrichtigung. Er muss diese spezifische Anfrage über seine persönlichen Taxisnet-Zugangsdaten aktiv freigeben oder ablehnen. Diese Zustimmung gilt ausschließlich für die jeweilige Einzelanfrage und stellt keine dauerhafte Vollmacht dar.